Proteste im Iran 2025/2026

landesweite Massenproteste gegen die Führung der Islamischen Republik Iran From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Proteste im Iran 2025/2026 sind eine Reihe von Massendemonstrationen und Streiks von Ende Dezember 2025 bis Januar 2026, die auf die anhaltende Wirtschaftskrise im Iran und die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der Regierung zurückzuführen sind. Die Bewegung entwickelte sich rasch zum größten Protest im Iran seit dem von 2022/2023 nach dem Tod von Jina Mahsa Amini. Die darauf folgende Repression, die unter dem Befehl von Ali Chamenei und hochrangigen Beamten zur Verwendung von scharfer Munition gegen Protestierende durchgeführt wurde, führte zu Massakern, bei denen Tausende von Demonstranten getötet wurden.

Datumab 28. Dezember 2025
OrtIran Iran
UrsacheKorruption, Autoritarismus, Menschen­rechts­ver­letz­ungen
Islamische Theokratie, staatlich geförderter Terrorismus, religiöse Verfolgung, Geschlechtertrennung
Inflation und Abwertung des iranischen Rials, steigende Lebensmittelpreise, Wasserkrise und Energieknappheit
Ziele• Sturz der Islamischen Republik
• Wiedereinführung der Pahlavi-Dynastie und der Monarchie (nur Monarchisten)
• Ende der Misswirtschaft
• Stabilisierung der Wechselkurse
• Lösung der Notlage von Händlern und Zivilbevölkerung
• Ende der internationalen Sanktionen gegen Iran
Schnelle Fakten Datum, Ort ...
Proteste im Iran 2025/2026
Teil von: Proteste gegen die Regierung der Islamischen Republik Iran und die Wirtschaftskrise im Iran
Regionen im Iran mit gemeldeten Protesten
Regionen im Iran mit gemeldeten Protesten (orange)
Datum ab 28. Dezember 2025
Ort Iran Iran
Ursache Korruption, Autoritarismus, Menschen­rechts­ver­letz­ungen
Islamische Theokratie, staatlich geförderter Terrorismus, religiöse Verfolgung, Geschlechtertrennung
Inflation und Abwertung des iranischen Rials, steigende Lebensmittelpreise, Wasserkrise und Energieknappheit
Ziele • Sturz der Islamischen Republik
• Wiedereinführung der Pahlavi-Dynastie und der Monarchie (nur Monarchisten)
• Ende der Misswirtschaft
• Stabilisierung der Wechselkurse
• Lösung der Notlage von Händlern und Zivilbevölkerung
• Ende der internationalen Sanktionen gegen Iran
Methoden • Straßenproteste, Märsche und Demonstrationen auf Dächern
• Rufe und Parolen
• Streiks und Ladenschließungen (angeführt von Basarhändlern und Ladenbesitzern)
• Online-Aktivismus
• Studentischer Aktivismus
Ausgang Laufend
• Rücktritt des Chefs der Iranischen Zentralbank, des Vizepräsidenten und des politischen Beraters des Präsidenten
Konfliktparteien

Zivilflagge von Iran 1964–1980 Opposition
Demonstrierende gegen die Regierung
Flagge der iranischen Marine 1964–1978 Monarchisten
~Niemandsland  studentische Demonstranten
Iranische Fahne mit Slogan »Zan Zendegi, Azadi« Frau-Leben-Freiheit-Bewegung
Flagge der Iranischen Grünen Bewegung Iranische Grüne Bewegung

Flagge von Iran seit 1979 Regierung der Islamischen Republik Iran
Flagge der iranischen Sicherheitskräfte Polizeikommando
Flagge der islamischen Revolutionsgarde Islamische Revolutionsgarde
Flagge der Basidsch Basidsch
Pro-Regierung-Demonstranten

Anführer

Reza Pahlavi[1]

Ali Chamenei
Massud Peseschkian
Gholamhossein Mohseni-Esche'i
Ahmad-Reza Radan
Mohammad Pakpour

Teilnehmer
Über zehntausend Unbekannt
Verluste

Die Menschenrechtsorganisation HRANA konnte den Tod von mindestens 6.488 erwachsenen Demonstranten und 236 Minderjährigen verifizieren und untersuchte zudem mehr als 11.000 weitere Todesfälle.[2]
Quellen aus den iranischen Gesundheitsbehörden schätzen mindestens 30.304 Getötete alleine am 8. und 9. Jänner.[3]
Es soll über 300.000 Verletzte gegeben haben.[4]

12 Sicherheitskräfte
Laut Hengaw, Iran International und dem Vater des Demonstranten: Keine getöteten Sicherheitskräfte.
Laut Medien mit Verbindungen zu den Islamischen Revolutionsgarden: 1 Basidsch-Soldat getötet, Dutzende verletzt.

Die Proteste begannen mit einem wirtschaftlichen Schwerpunkt, verlagerten sich aber inzwischen auf eine andere Ebene, denn die Demonstranten riefen zum Sturz der Islamischen Republik auf.
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Wirtschaftlicher Hintergrund

Anfänglich wurde die Protestbewegung durch galoppierende Inflation, steigende Lebensmittelpreise, eine Wasserkrise, den plötzlichen Einbruch der Devisenkurse sowie den anhaltenden Wertverlust des iranischen Rials ausgelöst.[5] Die jährliche Inflationsrate war im Oktober 2025 auf 48,6 % und im Dezember auf 42,2 % gestiegen und belastete die Haushaltsbudgets schwer. Am 29. Dezember 2025 war der iranische Rial auf ein Rekordtief von 1,45 Millionen pro US-Dollar gefallen.[6] Die Preise für Güter des täglichen Bedarfs stiegen stark, sodass viele Iraner sich kaum das Nötigste leisten konnten.[7] Die Währungskrise, die sich über mehrere Jahre hinweg entwickelt hatte, wurde 2025 durch den Zwölftagekrieg mit Israel und die erneuten UN-Sanktionen wegen des Atomprogramms verschärft.

Verlauf der Proteste

Anwachsen der Proteste

Ab dem 28. Dezember kam es in Teheran zu Protesten, nachdem der iranische Rial an Wert verloren hatte und die Inflationsrate auf 42,2 % gestiegen war. Die Proteste, die sich zunächst auf die Geschäftsviertel Teherans konzentrierten, weiteten sich auf andere Großstädte wie Isfahan, Schiras und Maschhad aus. In Teheran konzentrierten sich die Proteste auf den Großen Basar, wo Händler zunächst streikten und ein Eingreifen der Regierung forderten. Dabei erfassten die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studentenverbände, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen zu Demonstrationen auf. Aufnahmen in den sozialen Medien zeigten, wie Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Mit zunehmender Größe der Demonstrationen forderten die Protestierenden in mehreren Städten sowohl wirtschaftliche Entlastung als auch politischen Wandel, darunter Rufe nach „Freiheit“ und offene Opposition gegen die Regierung. Die Demonstranten skandierten regierungskritische Parolen wie den – schon von früheren Protesten bekannten – Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ bis hin zu „Tod dem Diktator“. Berichtet wird auch von Rufen wie „Pahlavi wird zurückkehren“, „Es lebe der Schah“ oder „Reza Schah, ruhe in Frieden“.

Die Regierung ordnete an, sämtliche Behörden, Schulen, Universitäten, Banken und Kommunalverwaltungen im Großteil des Landes offiziell wegen Kälte und Energieknappheit zu schließen. Politische Beobachter werteten den Schritt jedoch als Versuch, die Proteste einzudämmen.[5] Der Chef der iranischen Zentralbank, Mohammad Reza Farzi, trat Ende Dezember aufgrund der Proteste zurück;[8] die Regierung ernannte Abdolnasser Hemmati, einen ehemaligen Wirtschaftsminister, zum neuen Präsidenten der Zentralbank.[5] Präsident Massud Peseschkian forderte von den Menschen Solidarität statt Proteste; nur damit könne man die bestehenden Probleme überwinden. Kurz nach Protestbeginn hatte er in einer kurzen Botschaft noch wirtschaftliche Reformen versprochen. Die Regierung führte die Proteste auf eine „ausländische Verschwörung“ zurück.[9]

Der israelische Minister Amihai Eliyahu gab im israelischen Armeesender Galei Tzahal bekannt, dass israelische Agenten im Iran aktiv sind: „Unsere Leute sind gerade dort im Einsatz.“[10][11] Der ehemalige Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA Mike Pompeo lobte die Demonstrierenden und „jeden Mossad-Agenten, der an ihrer Seite geht“.[12][13] In einem Interview erklärte Donald Trump, Demonstranten im Iran mit Waffen über kurdische Milizen versorgt zu haben. Diese hätten die Waffen jedoch nur teilweise weitergegeben und zum großen Teil behalten.[14][15] Die iranische Exilopposition rief zu einem Generalstreik in den kurdischen Gebieten im Westen des Iran auf, der weitgehend befolgt wurde.[16] Auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin von 2003 Shirin Ebadi warnte von Großbritannien aus vor einem möglichen, geplanten „Massaker unter dem Deckmantel des umfassenden Kommunikationsausfalls“. Sie erklärte, dass Augenzeugen von Hunderten verletzten Demonstrierenden in einem einzigen Krankenhaus in Teheran berichteten.[17]

Repression durch die Sicherheitskräfte

Am 31. Dezember wurde der 21-jährige Amirhesam Khodajarifard aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss von einem Mitglied der iranischen Sicherheitskräfte bei einer Protestaktion in Kuhdascht in der westlichen Provinz Luristan getötet. Die staatlichen Nachrichtenagenturen Islamic Republic News Agency und Mehr bestätigten den Todesfall und schrieben, dass Khodajarifard ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch sei. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw wies diese Darstellung der Mitgliedschaft zurück, vielmehr sei Khodajarifard ein gewöhnlicher Teilnehmer der Demonstrationen gewesen.[18][19]

Im Verwaltungsbezirk Lordegan im zentralen Süden Irans eröffneten Sicherheitskräfte am 1. Januar laut der Menschenrechtsgruppe Hengaw das Feuer mit scharfer Munition.[20] Bei einem mutmaßlichen Angriff auf eine Polizeiwache in der Provinz Luristan seien drei Menschen getötet und 17 verletzt worden, berichtete die Tagesschau (ARD).[18]

In den folgenden Tagen stiegen die Meldungen von Opfern landesweit; ein Demonstrant wurde in Harsin in der Provinz Kermanschah von Sicherheitskräften am 2. Januar erschossen.[21] Vier weitere Demonstranten wurden am folgenden Tag von Sicherheitskräften im Bezirk Malekschahi in der Provinz Ilam erschossen.[22][23][24] Bis zum 6. Januar starben mindestens 29 Menschen, darunter auch zwei Angehörige der Sicherheitskräfte. Mehr als 1200 Menschen wurden festgenommen. Es gab in 27 der 31 iranischen Provinzen und in mindestens 88 Städten Protestkundgebungen. Die Justiz kündigte an, ohne Nachsicht gegen die Protestierenden vorzugehen. In den sozialen Medien des Iran kam es zu massiven Störungen.[25] Bei Zusammenstößen mit regierungskritischen Demonstranten in Malard soll am 8. Januar ein Polizist getötet worden sein, die Zahl der verletzten Polizisten stieg auf 568.[26][27]

In einer Audio-Nachricht, die an CNN gesendet wurde, erklärte ein iranischer Arzt aus der Stadt Neyshabur, dass iranische Sicherheitskräfte „mindestens 30 Menschen“ getötet hätten und dass „unter ihnen auch Kinder“ gewesen seien. Der Arzt berichtete weiter, dass „ein fünfjähriges Kind in den Armen seiner Mutter erschossen wurde.“[28] Laut der Beschreibung des Arztes schossen die Sicherheitskräfte auch auf Passanten und unbeteiligte Beobachter.[28] Der Arzt fügte hinzu, dass „die Krankenhäuser extrem chaotisch sind und die Patienten aus Angst vor Identifizierung und Aufnahme in Panik geraten, weshalb wir versuchen, die Menschen zu informieren und sie in privaten Kliniken zu behandeln.“[28] NetBlocks meldete eine vollständige Internetsperre in Teheran und anderen iranischen Städten, die auch an folgenden Tagen noch andauerte.[29][30]

Am 10. Januar stieg die Zahl der bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften im ganzen Iran getöteten Demonstranten auf mindestens 78, die meisten davon durch Schussverletzungen. Die Zahl der Todesopfer unter den Sicherheitskräften stieg auf 12.[31] Die Internetsperre erschwerte es, das Ausmaß der Demonstrationen sowie das Ausmaß der Polizeigewalt gegen die Protestierenden angemessen zu dokumentieren.[17] The Guardian erhielt Berichte über Starlink, in denen es hieß: „Wir erheben uns für eine Revolution, aber wir brauchen Hilfe. Scharfschützen wurden hinter dem Tajrish-Arg-Gebiet [einem der wohlhabenden Stadtviertel von Teheran] positioniert.“[17] Ein weiterer Protestierender berichtete, dass viele Demonstrierende in der ganzen Stadt erschossen worden seien, und sagte: „Wir sahen hunderte von Leichen.“ Ein drittes Zeugnis eines Protestierenden bestätigte dies und erklärte, sie hätten eine „sehr hohe“ Zahl an getöteten Demonstrierenden gesehen, als die Sicherheitskräfte das Feuer auf sie eröffneten.[17] Menschenrechtsaktivisten gaben an, dass diese Zeugenaussagen mit den Berichten übereinstimmten, die sie erhalten hatten.[17] The Guardian berichtete, dass trotz der Internetsperre die Protestierenden darum gebeten hatten, dass internationale Medien die zunehmende Polizeigewalt dokumentieren, wobei ein Aktivist sagte: „Bitte macht klar, dass Menschen mit scharfer Munition erschossen werden.“[17]

Am 11. Januar warf Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf den Protestierenden vor, die Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die „Feinde“ sollten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden. Zudem drohte er Israel und den USA mit Gegenschlägen im Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der Proteste.[32] Die Behörden kündigten weiter harte Schritte gegen Protestierende an. Irans oberster Führer Ali Chamenei sagte danach in einer Rede, die „Schuldigen“ im Land würden nicht ungeschoren davonkommen. „Wir werden den Unruhestiftern den Rücken brechen“, so Chamenei.[33]

Eingriff der USA

Am 2. Januar drohte US-Präsident Donald Trump, im Iran zu intervenieren, sollte die dortige Regierung Demonstrationen gewaltsam niederschlagen. In einem Social-Media-Beitrag auf Truth Social erklärte er, dass die Vereinigten Staaten „zu Hilfe kommen“ würden, sollten Demonstranten erschossen werden. „Wir sind bereit und können loslegen“, fügte er hinzu, ohne jedoch zu erklären, was dieser Schritt in der Praxis bedeuten könnte.[6]

Während US-Präsident Trump kaum verklausuliert mit der Tötung Ali Chameneis drohte, lobte Mike Pompeo, Ex-Direktor der Central Intelligence Agency (CIA) und Ex-Außenminister der USA im Kabinett Trump I, die Demonstranten und schrieb: „Frohes neues Jahr an alle Iraner auf den Straßen. Und auch an jeden Mossad-Agenten, der neben ihnen geht.“ Pompeos Äußerungen erfolgten wenige Tage, nachdem ein mit dem Mossad verbundener Social-Media-Account in Farsi Iraner zur Teilnahme an Protesten aufgerufen und behauptet hatte, der Geheimdienst werde sich den Demonstranten „vor Ort“ anschließen.[34][35]

In der ersten Januarhälfte wurde in Medien über einen möglichen Angriff der USA spekuliert.[36] Trump sagte am 16. Januar, ein US-Militärschlag sei unter anderem deshalb ausgeblieben, weil der Iran die Hinrichtung von Demonstrierenden abgesagt habe. Auf die Frage, ob ihm israelische und arabische Politiker einen Militärschlag ausgeredet hätten, sagte Trump: „Niemand hat mich überzeugt. Ich habe mich selbst überzeugt.“ Er behauptete, die iranischen Behörden hätten die Hinrichtung von 800 Menschen abgesagt und dies hätte ihn stark beeinflusst. Das Weiße Haus nannte für die angeblich abgesagten 800 Hinrichtungen keine Quelle; iranische Behörden widersprachen diesen Zahlen.[33] Die USA verstärkten ihre Militärkräfte in der Region und verlegten den Flugzeugträger Abraham Lincoln dorthin. Nach Angaben aus Washington, D.C. waren dabei „alle Optionen auf dem Tisch.“ Ziel sei es, US-Präsident Trump ein möglichst breites militärisches Handlungsspektrum zu eröffnen.[37]

Am 28. Februar 2026 – bereits nach dem Abflauen der Proteste – griffen die USA mit der Operation Epic Fury ein.

Opfer

Am 9. Januar 2026 hinterließen die landesweiten Proteste in allen 31 Provinzen mindestens 217 Tote allein in Teheran, während die Krankenhäuser in Teheran und Schiras von Verletzten überlaufen wurden – viele mit Schusswunden.[38][39] Zusätzlich wurden Tausende im Zuge des gewaltsamen Vorgehens festgenommen.[40] Trotz einer Internetsperre dokumentierte The Guardian am 10. Januar 2026 mehrere Berichte darüber, dass Sicherheitskräfte der Islamischen Republik das Feuer auf Demonstrationen eröffneten, was zu vielen Opfern unter den Protestierenden führte. Augenzeugen gaben an, sie hätten „Hunderte von Leichen“ in ganz Teheran gesehen.[41]

Aufgrund der umfassenden Internetsperre der Proteste ist die genaue Anzahl der Opfer schwer zu ermitteln; die Verifizierung- und Ermittlungsstandards der jeweiligen Quellen variieren erheblich.[42][43] Die Menschenrechtsorganisation HRANA konnte bis Ende Februar den Tod von mindestens 6.488 erwachsenen Demonstranten und 236 Minderjährigen verifizieren. Zusätzlich zu diesen Opferzahlen untersuchte die Organisation noch die Todesumstände von mehr als 11.000 weiteren Menschen im Iran.[2]

Die Sunday Times und weitere Zeitungen berichteten, dass ein Netzwerk iranischer Ärzte im Land berechnet habe, dass mindestens 16.500 bis 18.000 Menschen getötet und 330.000 verletzt worden seien.[44][4][45] Das amerikanische Magazin Time sprach am 25. Januar von über 30.000 Toten an zwei Tagen, in Krankenhäusern seien 30.304 Tote gezählt worden, was jedoch noch als untertrieben eingeschätzt werden könne.[3] Insbesondere auch viele iranische Sportler wurden ermordet oder hingerichtet.[46] Es habe Proteste in über 4.000 Ortschaften gegeben.[3] Der Sender Iran International berichtete unter Berufung u. a. auf Quellen aus dem Nationalen Sicherheitsrat des Iran, ein Bericht des Geheimdienstes der Revolutionsgarde habe die Zahl der Todesopfer bei den Protesten auf mehr als 36.500 beziffert. Bilder aus Leichenhallen und Augenzeugenberichte von medizinischem Personal würden außerdem darauf hindeuten, dass es außergerichtliche Tötungen von Verletzten gegeben habe, die zuvor in Krankenhäusern behandelt worden waren.[47]

Zu den Todesopfern kamen unzählige Schwer- und Schwerstverletzte unter den Demonstranten. Regimekräfte schossen Berichten zufolge gezielt auf Köpfe und Augen der Demonstranten. Allein in einer einzigen Augenklinik in Teheran sollen bis Mitte Januar ca. 7.000 Augenverletzungen registriert worden sein. Vielen Opfern mussten infolge der Schwere der Verletzungen die Augen entfernt werden.[48][49]

Einordnung und internationale Reaktionen

Die Protestbewegung gilt als der größte Protest im Iran seit dem von 2022/2023 nach dem Tod von Jina Mahsa Amini.[50] Die Repressionswelle gehört zu den größten Massakern in der modernen iranischen Geschichte,[51][52] wobei ein medizinischer Fachmann die Tötungen als einen Fall von „Völkermord unter dem Deckmantel der digitalen Dunkelheit“ bezeichnete.[44][45] Das Time Magazine verglich die von ihm berichteten 30.000 Todesopfer zahlenmäßig mit dem Massaker von Babyn Jar.[3]

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen setzte für den 15. Januar 2026 eine Dringlichkeitssitzung zur Lage im Iran an, nachdem die Vereinigten Staaten ein entsprechendes Ersuchen gestellt hatten.[53]

Solidaritätsdemo in Perth (Australien) am 10. Januar 2026 für die Demonstranten im Iran

In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten Deutschlands Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Großbritanniens Premier Keir Starmer die Tötung von Demonstranten im Iran.[54] In Deutschland forderten Grüne und Die Linke mehr Unterstützung, u. a. den Schutz der iranischen Opposition in Deutschland, humanitäre Aufnahmeprogramme und die Bezeichnung der Revolutionsgarden als Terrororganisation.[55] Die EU-Abgeordnete Hannah Neumann (Grüne) kritisierte die Lieferung von Überwachungs- und Repressionstechnologien durch deutsche Unternehmen in den Iran.[56] In europäischen Großstädten versammelten sich Demonstranten in Solidarität mit den Demonstrationen im Iran.[57] Am 29. Januar 2026 stufte die Europäische Union die Revolutionsgarden offiziell als Terrororganisation ein.[58]

Im Februar 2026 richteten Naika Foroutan, Navid Kermani und mehr als 60 weitere prominente Deutsch-Iraner einen offenen Brief an Generalbundesanwalt Jens Rommel und die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Darin wiesen sie darauf hin, dass Schätzungen der Opferzahlen die Schlussfolgerung nahelegten, dass es sich es sich bei der Niederschlagung des Aufstands „um das weltweit blutigste Massaker an Demonstranten in einem derart kurzen Zeitraum“ handelt. Da die internationale Strafjustiz aus strukturellen Gründen nicht handlungsfähig sei, forderten die Unterzeichner des Briefs die Bundesrepublik Deutschland unter Verweis auf das Völkerstrafgesetzbuch auf, ähnlich wie bei der Aufarbeitung von Verbrechen des syrischen Assad-Regimes selber juristisch aktiv zu werden. Im Zuge dessen solle die Generalbundesanwaltschaft „Strukturermittlungen und gegebenenfalls personenbezogene Ermittlungen im Falle von Iran“ aufnehmen, um der „andauernden Straflosigkeit schwerster Völkerstraftaten in der Islamischen Republik Iran Einhalt zu gebieten“.[59]

Siehe auch

Portal: Iran – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Iran
Commons: 2025–2026 Iranian protests – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

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