Lungenkräuter
Gattung der Familie Raublattgewächse (Boraginaceae)
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Die Lungenkräuter (Pulmonaria) bilden eine Pflanzengattung der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).[1] Die 14 bis 20 Arten sind in Eurasien verbreitet.[1] Eine bekannte Pulmonaria-Art ist das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), das im Volksmund auch Hänsel und Gretel oder Adam und Eva genannt wird.
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Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Pulmonaria | ||||||||||||
| L. |
Beschreibung

Vegetative Merkmale
Bei Pulmonaria-Arten handelt es sich um ausdauernde, krautige Pflanzen mit kriechendem Rhizom. Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist rau behaart. Die Stängel sind nicht verzweigt und auch rau.
Die Laubblätter sind einfach und rau behaart. Die relativ großen Rosettenblätter sind gestielt, die wechselständigen Stängelblätter sitzend oder undeutlich gestielt und ganzrandig.
Generative Merkmale
Die endständigen Blütenstände sind Doppelwickel mit Deckblättern und vielen gestielten Blüten.
Die Blüten sind zwittrig, heterostyl, radiärsymmetrisch[1] und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf Kelchblätter sind höchstens bis zur Mitte glockig verwachsen, fünfzipfelig und vergrößern sich nach der Anthese. Die fünf bei vielen Arten anfangs roten, dann blauen Kronblätter sind trichterförmig verwachsen, wobei die Kronröhre etwa so lang ist wie der Kelch. Die Schlundschuppen sind zu fünf ringförmig angeordneten Haarbüscheln reduziert. Die fünf Staubblätter, die die Krone nicht überragen, besitzen sehr kurze Staubfäden und längliche Staubbeutel. Zwei Fruchtblätter sind zu einem vierteiligen Fruchtknoten verwachsen. Der dünne Griffel ist in der Kronröhre eingeschlossen und endet in einer kopfigen oder kurz zweilappigen Narbe.
Die Teilfrüchte der Klausenfrucht sind gerade, eiförmig, behaart bis zuweilen verkahlend und glänzend. Ihre Ansatzstellen sind von einem schwach entwickelten Ringwulst umgeben. Die Samen weisen ein Elaiosom auf.
Chromosomensätze
Die Chromosomengrundzahl beträgt bei der Gattung Pulmonaria einheitlich x = 7.[1] Die gefundenen Chromosomenzahlen betragen 2n = 14, 16, 18, 20, 22, 24, 26, 28, 30 sowie 38.[1] Es liegt Diploidie, Tetraploidie und eine Serie von Aneuploidie vor.[1] Die Areale der Arten überschneiden sich oft. Hybridisation ist häufig.[1]
Ökologie
Die heterostylen Blüten[1] sind homogame, nektarführende Stieltellerblumen. Sie werden besonders durch Hummeln (Bombus)-Arten, aber auch durch Falter bestäubt. Ameisen sorgen für die Ausbreitung der Samen (Myrmekochorie).
Namensherkunft
Der botanische Gattungsname Pulmonaria leitet sich von pulmonarius für „lungenkrank“ ab. Dieser vor-linnéische, wie Lungenkraut bereits im Mittelalter geläufige Name, wurde für verschiedene Gattungen verwendet; auf diese Gattung wohl durch den Vergleich der Blütenkronen von Lungen-Enzian (Gentiana pneumonathe), deren Wurzeln wahrscheinlich der bei Lungenkrankheiten verwendeten Droge „radicula pulmonaria“ entsprechen. Der deutsche Trivialname Lungenkraut bezieht sich ebenfalls auf die Verwendung als Heilpflanze von Pulmonaria officinalis bei Lungenkrankheiten.



Systematik
Der Gattungsname Pulmonaria wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 135 erstveröffentlicht. Typusart ist Pulmonaria officinalis L.[2]
Die Gattung Pulmonaria gehört zur Tribus Boragineae in der Unterfamilie der Boraginoideae innerhalb der Familie Boraginaceae. Die Gattung Pulmonaria ist am nächsten mit den Gattungen Nonea, Elizaldia sowie Paraskevia verwandt.[1]
Es gibt 14 bis 20 Pulmonaria-Arten:[3]
- Pulmonaria affinis Jord.: Sie kommt in Frankreich und in Spanien vor.[3][2]
- Schmalblättriges Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia L.) Es ist in Europa weitverbreitet.[2]
- Südliches Lungenkraut (Pulmonaria australis (Murr.) W.Sauer): Es kommt in der Schweiz, Österreich, Italien, Slowenien und Kroatien vor.[2]
- Karawanken-Lungenkraut (Pulmonaria carnica W.Sauer): Es kommt in Österreich und in Slowenien vor.[2]
- Hügel-Lungenkraut (Pulmonaria collina W.Sauer): Es kommt in Deutschland und in der Schweiz vor.[2]
- Pulmonaria dacica Simonk.: Sie kommt in Rumänien, im europäischen Russland und in der Türkei vor.[3][2]
- Pulmonaria filarszkyana Jáv.: Sie kommt in Rumänien, in der Ukraine und in Moldawien vor.[3][2]
- Pulmonaria helvetica Bolliger: Dieser Endemit kommt nur in der Schweiz zwischen Neuenburger und Genfer See vor.[4][2]
- Kerner-Lungenkraut (Pulmonaria kerneri Wettst.): Es ist ein Endemit der nordöstlichen Kalkalpen nur in Österreich.[2]
- Langblättriges Lungenkraut (Pulmonaria longifolia (T.Bastard) Boreau): Es kommt in Portugal, Spanien, Frankreich und im Vereinigten Königreich vor.[3][2]
- Weiches Lungenkraut (Pulmonaria mollis Wulfen, Syn.: Pulmonaria mollissima A.Kerner): Die zwei Unterarten sind in Europa weitverbreitet, kommen aber nicht auf der Iberischen Halbinsel vor.[2]
- Knolliges Lungenkraut (Pulmonaria montana Lej.): Die zwei Unterarten kommen in Mitteleuropa und in Kroatien vor.[2]
- Dunkles Lungenkraut (Pulmonaria obscura Dumort.): Es ist in Europa weitverbreitet, kommt aber nicht auf der Iberischen Halbinsel vor.[3][2]
- Geflecktes Lungenkraut, auch Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis L.): Es ist in Europa weitverbreitet, kommt aber nicht auf der Iberischen Halbinsel vor.[2]
- Rotes Lungenkraut (Pulmonaria rubra Schott): Es kommt in Ungarn, Albanien, Griechenland, Serbien, Bulgarien, Rumänien, in der Ukraine und in Moldawien vor.[3][2]
- Pulmonaria saccharata Mill.: Sie kommt in Frankreich und Italien vor.[2]
- Steirisches Lungenkraut (Pulmonaria stiriaca A.Kern.): Es kommt in Österreich, Slowenien, Kroatien und Serbien vor.[3]
- Pulmonaria vallarsae A.Kern.: Sie kommt in Italien vor.[3][2]
- Pulmonaria visianii Degen & Lengyel: Sie kommt in (wohl nur Fehlbestimmungen für Frankreich sowie Italien[2]), Österreich, Liechtenstein, in der Schweiz und in Kroatien vor.[3][2]

Nutzung
Von einigen Arten gibt es Sorten, die als Zierpflanzen verwendet werden, dabei dienen sie als sogenannte Bodendecker besonders an schattigen Standorten.
Nur von Pulmonaria officinalis ist bekannt, dass die rohen und gegarten Blätter gegessen werden. Die medizinischen Wirkungen dieser Art wurden untersucht. Sie ist außerdem Bestandteil bei der Herstellung des Wermut.[5]