Purpurhandschrift

From Wikipedia, the free encyclopedia

Purpurhandschriften (lat. Codex purpureo-argenteus) sind Handschriften auf Pergament, das mit Purpur eingefärbt ist. Die Texte waren in großer Unzialschrift mit Gold- oder Silbertinte geschrieben. Die herausragendsten Exemplare sind der Codex Argenteus, die Wiener Genesis, der Psalter von St. Germain des Prés, der Codex Petropolitanus Purpureus und das Cotton MS Titus C. xv.

Geschichte

Purpur war im Altertum und in der Antike ein kostbarer Farbstoff. Er wurde vor allem im Mittelmeerraum produziert (Purpurfärberei im Römischen und Byzantinischen Reich). Purpur wird in der Bibel in Verbindung mit dem Tabernakel (Exodus 35:35) und der Kleidung von Königen erwähnt (Richter 8:26). Es wurde auch von Heiden für sakrale Zwecke verwendet. Die Götter der Babylonier trugen purpurfarbene Kleidung. Laut Homer trugen nur Fürsten purpurrot.[1]

In Plinius’ Naturgeschichte ist das Purpurfärben von Pergament noch nicht erwähnt. Die ersten Bücher auf purpurfarbenem Pergament (vellum) werden für die Zeit des Kaisers Maximus Caesar Anfang des 3. Jhs. erwähnt, waren aber bis Anfang des 4. Jhs. rar und meist nur Evangelien fürstlicher Bibliotheken vorbehalten. Sie enthielten zum Teil farbige Miniaturen. Der Hl. Isidor kannte die Pergamentfärbungen weiß, safrangelb und purpurrot.[2]

Anfang des 9. Jh. ging die Kunst des Pergamentfärbens verloren und man sieht seither nur noch bräunlich verfärbte Handschriften. Silberne Buchstaben waren auf dem dunklen Pergament gut lesbar, haben sich aber oft durch Beschlagen schwarz verfärbt. Das Wissen um die Herstellung metallischer Tinten (vermutlich mit Königswasser) war zu Beginn des Mittelalters in Byzanz und im Orient verbreiteter als im Westen.

Im europäischen Mittelalter wurden Purpurkodizes nur noch zu sehr bedeutenden Anlässen angefertigt (Wiener Krönungsevangeliar). Vom 9. bis ins 12. Jahrhundert sind in Deutschland und Italien auch Purpururkunden erhalten, die sich wohl an byzantinischen Vorbildern orientieren.

Purpurhandschriften

Weitere Informationen Abbildung, Bezeichnung ...
Abbildung Bezeichnung Datierung Ort Bemerkungen Bibliothek
Codex Vercellensis 4. Jahrhundert Evangelien in lateinischer Sprache Vercelli, Biblioteca Capitolare
Codex Veronensis 4. oder 5. Jahrhundert Evangelien in lateinischer Sprache Verona, Biblioteca Capitolare
Purpurevangeliar von Trient („Evangelium Palatinum“) 4. oder 5. Jahrhundert Evangelien in lateinischer Sprache Trient, Castello del Buonconsiglio Ms. 1589 (ehem. Wien, Österreichische Nationalbibliothek Cod. 1185); je ein Blatt in Dublin, Trinity College MS 1709 und London, British Library Add. MS 40107
Codex Argenteus um 500/510 Norditalien Bibel in gotischer Sprache (Wulfilabibel) Uppsala, Universitätsbibliothek
Codex purpureus Rossanensis 6. Jahrhundert Byzantinisches Reich Evangelien in griechischer Sprache mit Miniaturen Rossano, Museo diocesano
Codex Sinopensis 6. Jahrhundert Byzantinisches Reich Evangelien in griechischer Sprache mit Miniaturen Paris, Bibliothèque nationale Ms. Suppl. Gr. 1283
Codex Petropolitanus Purpureus 6. Jahrhundert Byzantinisches Reich Evangelien in griechischer Sprache mit Miniaturen St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek; Einzelblätter in anderen Bibliotheken
Codex Beratinus 1 6. Jahrhundert Byzantinisches Reich Evangelien in griechischer Sprache ohne Illustrationen, Weltdokumentenerbe Tirana, Nationalarchiv
Unzial 080 6. Jahrhundert Byzantinisches Reich zwei Blätter einer griechischen Evangelienhandschrift, nur mit goldener Tinte St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek Gr. 375,3; Alexandria, Griechisch-Orthodoxes Patriarchat Ms. 496
Codex Brixianus 6. Jahrhundert Italien? Evangelien in lateinischer Sprache Brescia, Biblioteca Queriniana
Codex Neapolitanus Latinus 3 6. Jahrhundert Italien? Evangelien (Fragment) in lateinischer Sprache Neapel, Biblioteca Nazionale Lat. 3
Wiener Genesis 6. Jahrhundert Byzantinisches Reich Genesis in griechischer Sprache mit Miniaturen Wien, Österreichische Nationalbibliothek cod. theol. gr. 31
Psalterium Turicense purpureum (Zürcher Purpurpsalter) 6./7. Jahrhundert Byzantinisches Reich Psalter und Cantica in griechischer Sprache Zürich, Zentralbibliothek RP1
Godescalc-Evangelistar zwischen 781 und 783 Aachen Evangelistar in lateinischer Sprache mit Miniaturen Paris, Bibliothèque nationale Ms. nouv. acq. lat. 1203
Wiener Krönungsevangeliar kurz vor 800 Aachen Evangeliar, die deutschen Könige leisteten auf ihm den Krönungseid, Teil der Reichsinsignien Wien, Kunsthistorisches Museum, Schatzkammer
Evangeliar von Saint-Riquier kurz vor 800 Aachen Evangeliar Abbeville, Bibliothèque Municipale Ms. 4
Codex Beratinus 2 9. Jahrhundert Byzantinisches Reich Evangeliar in griechischer Sprache mit Miniatur und ornamentalen Verzierungen, Weltdokumentenerbe Tirana, Nationalarchiv
Codex Neapolitanus 9. Jahrhundert Konstantinopel? Evangelistar in griechischer Sprache mit großen goldenen Unzialen Neapel, Biblioteca Nazionale Cod. Neapol. ex Vindob. 2
Minuskel 565 9. Jahrhundert Palästina? Evangeliar in griechischer Sprache mit goldener Tinte St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek Gr. 53
Schließen

Purpurpergamentblätter

Einzelne purpurgefärbte Pergamentblätter sind enthalten in

Weitere Informationen Abbildung, Bezeichnung ...
Abbildung Bezeichnung Datierung Ort Bemerkungen Bibliothek
Codex Aureus von Stockholm um 750 Canterbury? Evangeliar, teilweise auf purpurgefärbten Pergamentblättern Stockholm, Königliche Bibliothek MS A-135
Xantener Evangeliar um 810 Aachen? Evangeliar mit einer erhaltenen Miniatur auf einer Purpurpergamentseite Brüssel, Königliche Bibliothek Ms. 18723
Schatzkammer-Evangeliar Anfang 9. Jahrhundert Aachen? Evangeliar mit Miniaturen auf Purpurpergamentblättern Aachen, Domschatz
Schließen

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI