Römermuseum Obernburg
Museum in Deutschland
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Das Römermuseum Obernburg in Obernburg am Main, einer Stadt im Landkreis Miltenberg in Unterfranken, zeigt vorwiegend römische Fundstücke aus dem Kastell Obernburg und der dazugehörigen Siedlung. Das Museum befindet sich in der Unteren Wallstraße 29a unterhalb der Obernburger Altstadt in der Nähe zum Main.


Ausstellung
Im Eingangsbereich verdeutlicht ein Stadtmodell die Geschichte Obernburgs und die Topographie in römischer Zeit. Prunkstück des Museums ist die große Steinsammlung im Erdgeschoss. Sie enthält unter anderem Inschriftensteine der beneficiarii consulares[1], die Bauinschrift vom Stabsgebäude des Kohortenkastells[2] sowie Bruchstücke mehrerer Jupitergigantensäulen. Vor dem Museum befindet sich die Rekonstruktion einer solchen Säule.
Interessant ist eine Gruppe von Inschriften, die Angehörige von vexillationes der Legio XXII Primigenia aus Mainz gestiftet haben, die als Holzfällerkommandos (in lignariis) hierher abkommandiert waren.[3] Sie belegen eine Nutzung der Mittelgebirge Spessart und Odenwald sowie des Mains (und möglicherweise der Mümling) zum Schlagen und Transport in militärischer Regie. Weitere Inschriftenfunde dieser Art gibt es in Stockstadt und Trennfurt am Main.[4]
Während im Keller ein Mithrasstein mit nachempfundenem Heiligtum (Mithräum) präsentiert wird, veranschaulichen Grab- und Weihesteine im Zwischengeschoss den Götter- und Totenkult. Das Obergeschoss enthält vorwiegend Kleinfunde aus der römischen Zeit wie Werkzeuge, Fibeln, kosmetische und medizinische Instrumente, Gebrauchskeramik und Münzen. Besonders hervorzuheben ist eine römische Glasschale des 4. Jahrhunderts n. Chr., aufgrund ihrer Verzierung eines der frühesten christlichen Zeugnisse der Region. Ein weiterer großer Raum kann für Wechselausstellungen genutzt werden.
Zukunft
Durch die zwischen 2000 und 2007 ausgegrabene Obernburger Benefiziarierstation, hier besonders die zahlreichen Neufunde von Weihinschriften, ist das Museum mittlerweile zu klein geworden. Zusätzlich war im Museumsentwicklungsplan des Antrags zur – zwischenzeitlich erfolgten – Aufnahme des Obergermanisch-Rätischen Limes in die Liste des UNESCO-Welterbes der Ausbau zu einem überregionalen Museum vorgesehen. Als zweites bayerisches Zentralmuseum sollte es den Mainlimes und das Rechtswesen des Römischen Reiches präsentieren. Der Stadtrat fasste deshalb am 25. Januar 2007 einen Grundsatzbeschluss zum Neubau des Museums auf Basis einer vorausgegangenen Machbarkeitsstudie und bildete eine Planungsgruppe für ein „Mainlimes-Zentralmuseum“.[5]
Ein neuerlicher Stadtratsbeschluss vom 13. Juli 2009 sah vor, diese Planungen zu stoppen. Die Hauptstreitpunkte im Stadtrat und der öffentlichen Diskussion waren die Finanzierung von Bau und Unterhalt sowie die erhofften Wirtschaftsimpulse durch das Museum.[6] Weitere geschichtlich bedeutsame Funde werden nach der Einstellung der Planungen wahrscheinlich in der Landeshauptstadt München oder an einem anderen Kastellort am Main ausgestellt. Ein Bürgerbegehren zur Fortsetzung der Planungen war zunächst erfolgreich und erwirkte einen Bürgerentscheid. Bei der anschließenden Abstimmung am 27. September 2009 haben sich die Obernburger Bürger jedoch mit 64,97 % gegen eine Fortsetzung der Planung entschieden.[7]
- Reiter einer Jupitergigantensäule aus Obernburg mit dem dreispeichigen Rad, Attribut des keltischen Gottes Taranis, vermutlich lokale Interpretation.
- Römische Inschrift aus Obernburg mit Hinweis auf Holzfällerkommando der Legio XXII Primigenia.[8]
- Spätrömische Glasschale mit christlichen Motiven.
- Apoll mit Lyra
- Eine der Benefiziarier-Weihinschriften
Literatur
- Bernhard Beckmann in: Dietwulf Baatz und Fritz-Rudolf Herrmann: Die Römer in Hessen. Lizenzausgabe, Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-58-9, S. 459.
- Eric Erfurth: Römerfunde und Römermuseen in Obernburg am Main. Der Limes (Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission), 19. Jahrgang, 2025, S. 28–33. PDF.
- Egon Schallmayer: Der Odenwaldlimes. Entlang der römischen Grenze zwischen Main und Neckar. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2309-5, S. 155f.
- Bernd Steidl: Welterbe Limes – Roms Grenze am Main. Begleitband zur Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München 2008. Logo, Obernburg 2008, ISBN 3-939462-06-3.