Johann Anton Ramboux

deutscher Maler und Lithograf From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Anton Alban Ramboux (* 5. Oktober 1790 in Trier; † 2. Oktober 1866 in Köln) war ein deutscher Maler und Lithograf.

Johann Anton Ramboux; Bleistiftzeichnung von Carl Philipp Fohr

Leben

Jugend und Ausbildung

Johann Anton Ramboux stammte väterlicherseits aus Savoyen und mütterlicherseits von der bekannten Kölner Goldschmiedefamilie Welcken ab. Seine erste künstlerische Förderung erfuhr Ramboux an der Trierer Bürgerschule durch seinen Zeichenlehrer Christoph Hawich. Dieser empfahl Ramboux 1803 an den ehemaligen Benediktinermönch Abraham von Orval, der nach der Auflösung seines Klosters unter seinem bürgerlichen Namen Jean Henri Gilson in Florenville, Luxemburg, als Historien- und Porträtmaler wirkte. Bei ihm absolvierte Johann Anton Ramboux eine Lehre.[1] Während seines Aufenthaltes in Florenville 1808 und 1809 wendete sich Ramboux verstärkt der Kunst des 18. Jahrhunderts zu.[1] Die Finanzierung seiner künstlerischen Bildung konnte von Ramboux’ Mutter übernommen werden; nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1798 verfügte die Familie über einen gewissen Wohlstand, mit dem die Finanzierung des jungen Johann Anton gesichert war.[1] Durch die Initiative seiner Mutter konnte Ramboux zudem vom französischen Militärdienst freigekauft werden, was ihm ermöglichte, seine Ausbildung fortzusetzen.[1]

Ein weiteres Empfehlungsschreiben brachte den 19-jährigen Ramboux als Schüler des Malers Jacques-Louis David, dessen Porträtbilder ihn maßgeblich beeinflussen sollten, nach Paris, wo er in dessen Atelier aufgenommen wurde.[1] Dort war er auch Schüler von Pierre-Claude Gautherot und an der École des Beaux-Arts. In seinen Jahren in Paris konzentrierte sich Ramboux’ Ausbildung vorwiegend auf das Abzeichnen von Antiken und Gipsabdrücken sowie der allgemeinen geschichtlichen Lehre.[1] Durch das Studium von Werken von Meistern des Barock wie Rubens und Caravaggio, Jordaens, Van Dyck, Le Sueur und Lebrun ließ er sich inspirieren.[2] Ramboux blieb bis 1813 in Paris.

Im Anschluss wechselte er für knapp zwei Jahre zurück in seine Heimatstadt Trier. 1815 wurde Ramboux an der Akademie in München aufgenommen und war dort für ein Jahr Schüler der Bildhauer Franz und Konrad Eberhard.

Italienreisen

Im Frühjahr 1816 zog Ramboux nach Rom, wo er bis Juni 1822 wirkte. Dort schloss er sich schon bald den Nazarenern an und befreundete sich u. a. mit Peter von Cornelius, Carl Philipp Fohr, Joseph Anton Koch und Friedrich Overbeck.

Besonders die religiöse romantische Besinnung als zentrales Motiv ihres Kunstschaffens sollte für Ramboux – selber strenger Katholik – fortan essentielle Bedeutung in seinem eigenen Werk annehmen und seine Kunstpraxis maßgeblich bestimmen.[3] In der Überzeugung, das christliche Erbe als zentrales kunstgeschichtliches Prinzip gegenüber der heidnischen Antike zu bewahren, spiegelte sich auch Ramboux’ Anliegen wider.[4] Von den avantgardistischen Strömen und der Abneigung gegen die Akademie geleitet, wurde von der Künstlergemeinschaft eine „bedingungslose[…] Hingabe an die alten Meister und an die Kunst im allgemeinen“ angestrebt.[3] In der Hinwendung zu der Kunst Raffaels äußerte sich der religiöse Bezug; in Dürer sah man das Heimatliche, den deutschen Bezug verkörpert.[3] Auch wenn Ramboux zu dieser Zeit regen Anteil an dem Bund der Nazarener und dessen Zusammenkünften nahm, schloss er sich in dieser Lebensphase dem Lukasorden nicht direkt an.[3]

Trierer Dom, 1828

Im Sommer 1822 kehrte Ramboux erneut nach Trier zurück und ließ sich dort für zehn Jahre nieder. In diesen Jahren schuf er enorm viele Aquarelle mit Ansichten der Stadt und von der Mosel. 16 davon bildeten die Vorlage für Lithografien, welche er 1825 selber herstellte und veröffentlichte. Im Frühjahr 1832 trat Ramboux seine zweite Italienreise an, von der er erst im September 1842 zurückkehrte.

In Italien fertigte er neben Landschaften und Volksszenen in der Hauptsache Kopien italienischer Fresken und Mosaiken aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Davon wurde mit Unterstützung des späteren preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. 1840 eine Gruppe von 325 Aquarellen angekauft und der Stadt Düsseldorf als Stiftung überlassen. Lange Zeit wurde sie dort in der Akademie der bildenden Künste aufbewahrt. 1872 gingen bei einem Brand in der Akademie 27 Blätter verloren. Der erhaltene Bestand befindet sich seit 1913 im städtischen Kunstmuseum, dem heutigen Museum Kunstpalast.

Wirken in Köln

Moseltal unterhalb Trier, 1823

Als man 1843 einen Konservator für die Wallrafsche Sammlung in Köln suchte, schlug der Bildhauer Johann Gottfried Schadow Ramboux vor. 1844 trat Ramboux die Nachfolge von Matthias Joseph de Noël in diesem Amt an. 1854 unternahm er eine Pilgerreise nach Jerusalem, von der er nicht nur spirituell, sondern auch künstlerisch profitierte. Auch schuf er nach seinen Aquarellen später mehrere Lithografien. An seiner Geburtsstadt Trier und ihren Denkmälern hatte er weiterhin Interesse, so sprach er sich brieflich gegen den Abbruch des stadtseitigen Tores der Römerbrücke aus und forderte den Erhalt ihrer historischen Brüstung.[5]

1858 wurde Ramboux für seine zahlreichen bildlichen Darstellungen der Sehenswürdigkeiten von Trier zum ersten Ehrenbürger seiner Geburtsstadt ernannt.

Im Alter von knapp 76 Jahren starb Johann Anton Ramboux am 2. Oktober 1866 in Köln. Nach ihm wurde eine Straße im Kölner Stadtteil Longerich benannt.

Das Kunstschaffen

Die anfängliche aktive Kunstproduktion von Johann Anton Ramboux trat im Laufe seines Lebens immer weiter in den Hintergrund. Bestärkt durch seinen Künstlerumkreis – besonders die Mitglieder des Lukasbundes – bestimmte seine Tätigkeit im Kopieren und Reproduzieren von heimatlicher und ausländischer Kunst zunehmend sein Kunstschaffen.[3] Carl Friedrich von Rumohr beschreibt die Bedeutung Ramboux’ 1821 mit folgenden Worten: „Ein neuer Versuch, die altchristlichen Denkmale zu beleuchten, müsste daher damit anfangen, daß neue kunstgerechte Abbildungen von den noch vorhandenen Gegenständen gemacht würden, wozu wenige besser berufen sind, als Johann Anton Ramboux aus Trier […]“.[6]

Die auf seinen Studienreisen in Italien angefertigten Kopien und Skizzen von Architektur, Mosaiken, Wand- und Tafelbildern ermöglichten im eigenen Land den Zugang zur fremdländischen Kunst als Studien- und Anschauungsmaterialien.[7] Konkret wendete sich Ramboux der italienischen Kunst vom 13. Jahrhundert bis 1600 zu, wobei er besonders die Freskotechniken der Trecento- und Quattrocentomalerei studierte.[3] Seine Reproduktionen und Werke zeichnen sich durch ein Spiel mit Techniken aus; Kopien von Mosaiken wurden von Ramboux oftmals aquarelliert, während er Architektur- und Skulpturdarstellungen meist als reine Zeichnungen anfertigte.[8] Ramboux legte bei der Anfertigung seiner Zeichnungen großen Wert auf die Darstellung von Eigenarten wie Stofflichkeit und Materialität sowie den Ausdruck von Plastizität und Dynamik seiner Figuren.[9] Seine Architekturbildnisse weisen einige Abweichungen von den Originalansichten auf, da Ramboux die Abbildungen für die Impression eines Gesamteindrucks konzipierte.[9]

Nachwirken

Als eigenständiger Künstler fand Ramboux in der Kunstgeschichte nur am Rande einen Platz; als Porträtist konnte er zeitlebens nicht aus dem Schatten Jacques-Louis Davids heraustreten und bei den Nazarenern fiel er ebenfalls nicht sonderlich auf. Doch als Kopist – und damit auch als Bewahrer – der alten italienischen Meister blieb er lange Zeit unübertroffen. Die von ihm in Italien erstellte Sammlung von 325 Blättern mit Aquarellkopien nach Werken christlicher Kunst des Mittelalters und der Renaissance verkaufte er ab 1840 für insgesamt 9000 Taler an die Stadt Düsseldorf, welche die Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf anvertraute. Beim Brand des Düsseldorfer Schlosses, das bis 1872 die Kunstakademie beherbergte, gingen 25 Blätter zugrunde.[10]

Die Kopien von Johann Anton Ramboux hatten als wichtige Zeitdokumente für die Kunstwissenschaft große Bedeutung in der Forschung, bevor der Zugang zu räumlich fernen kunstwissenschaftlichen Objekten durch die Photographie möglich wurde.[11] Zu dieser Zeit hielt Ramboux mit dem Kopieren der alten Meister der altitalienischen Schule ein Alleinstellungsmerkmal.[3] Als „Bewahrung der christlichen Tradition“ formulierte sich seine selbst angenommene Rolle als Mittelsperson der alten Werke an die Öffentlichkeit.[3] Von enormer Relevanz sowohl für die zeitgenössische als auch die heutige Kunstwissenschaft sind die schriftlichen Verweise, welche Ramboux selbstständig zu seinen Kopien machte. Neben Objektdaten wie Material, Größe, und Standort verzeichnete er oftmals Angaben zu Bauherren oder antizipierenden Personen.[9]

Ramboux-Preis

Seit 1961 verleiht die Stadt Trier den Ramboux-Preis. Dieser dient zum einen der Förderung junger Künstler, zum anderen werden lokal ansässige Künstler für ihr Lebenswerk geehrt. Der Preis wurde bis 2010 alle zwei Jahre vergeben, aktuell gilt ein Vier-Jahres-Rhythmus.

Schriften (Auswahl)

  • Beiträge zur Kunstgeschichte der Malerei, Köln 1860 (300 Blätter)
  • Umrisse zur Veranschaulichung altchristlicher Kunst in Italien vom Jahr 1200–1600, Köln 1854 (125 Blätter)

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Johann Jakob Merlo: Ramboux, Johann Anton. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 208–210.
  • Irmgard Hiller, Hella Robels, Horst Vey, Hans-Joachim Ziemke (Bearb.): Johann Anton Ramboux. Maler und Konservator, 1790–1866. Gedächtnisausstellung im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln, 28. Dezember 1966 – 26. Februar 1967. Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1966.
  • Eberhard Zahn: Johann Anton Ramboux in Trier. Spee-Verlag, Trier 1980.
  • Jens Christian Jensen: Aquarelle und Zeichnungen der deutschen Romantik. DuMont Buchverlag, Köln 1992, ISBN 3-7701-0976-7, S. 177.
  • Friederike Maria Kulczak-Rudiger: Ravenna in „Sammlungen von Umrissen“. Unbekannte Kopien frühchristlicher Denkmäler von Johann Anton Ramboux. In: Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, Jg. 26 (1995), S. 445–452.
  • Heinz Monz (Bearb.): Trierer biographisches Lexikon. Verlag der Landesarchivverwaltung, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 353.
  • Alina Dobrzecki-Langer: Ramboux, Johann Anton. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 129–130 (deutsche-biographie.de).
  • Christina A. Schulze: „Museum Ramboux“ – Eine italienische Stilgeschichte in Kopien von Johann Anton Ramboux (1790–1866) an der Königlichen Kunstakademie Düsseldorf (1841–1918). Diss., Wien 2011 (online).
  • Nina Struckmeyer: Ramboux, Johann Anton. In: Bénédicte Savoy, France Nerlich (Hrsg.): Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt. Band 1: 1793–1843. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-029057-8, S. 232–234.
Commons: Johann Anton Ramboux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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