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Rechtschreibkompetenz

Fähigkeit, bekannte und unbekannte Wörter in unterschiedlichen Schreibkontexten selbstständig richtig schreiben zu können From Wikipedia, the free encyclopedia

Rechtschreibkompetenz ist die Fähigkeit, bekannte und unbekannte Wörter in unterschiedlichen Schreibkontexten selbstständig richtig schreiben zu können, d. h., eine manuelle, normierte und kommunikative Handlung gleichzeitig und möglichst fehlerfrei ausführen zu können. Sie gilt als Schlüsselqualifikation, auf der weitere Kompetenzen basieren.

Bei der lateinischen Alphabetschrift, die der deutschen Rechtschreibung zugrunde liegt, handelt es sich grundsätzlich um eine phonographische Schrift, die die Ausdrucks- und nicht die Inhaltsseite von Sprache repräsentiert. Da es im Deutschen mehr Phoneme als Grapheme gibt, sind weitere Regelungen zur Orthographie erforderlich. Das geschriebene Wort zielt dabei auf drei Ebenen: die Lautung (phonologische Ebene), den Inhalt (semantische Ebene) und das Geschriebene selbst (graphische Ebene). Inhalt und Klang eines Wortes stehen dabei, abgesehen von wenigen Interjektionen, in keinem unmittelbaren Zusammenhang zueinander. Neben der auditiven Seite spielen orthographische Prinzipien wie das silbische, das morphologische sowie die grammatische Struktur von Wörtern bei der Rechtschreibung eine zentrale Rolle.

Beim Rechtschreiberwerb müssen Lernende zuerst herausfinden, welche Einheiten der gesprochenen Sprache mit welchen Einheiten der Schrift korrespondieren, die sog. Phonem-Graphem-Korrespondenz. Problematisch sind dabei der kontinuierliche Lautstrom gesprochener Sprache, die Mehrdeutigkeit einzelner Schriftzeichen und das Vorhandensein mehrgliedriger Schriftzeichen. Denn: Ein Graphem kann in der deutschen Orthographie für unterschiedliche Phoneme stehen, z. B. <s> in <Seele>, in <bis> oder in <Stamm>. Lernende müssen erkennen, dass die Raumlage, die Reihenfolge und die Richtung einer Buchstabenfolge für die Rechtschreibung wichtig sind: <Nebel> = [ˈneːbl̩] im Unterschied zu <Leben> = [ˈleːbn̩], <Lager> = [ˈlaːɡɐ] im Unterschied zu <Regal> = [ʁeˈɡaːl] usw.

Hinzu kommt, dass einige Lautmerkmale für die Rechtschreibung wesentlich sind, wie die Stimmhaftigkeit oder Stimmlosigkeit: b/p, d/t, g/k. Andere Lautmerkmale hingegen werden nicht unterschiedlich geschrieben. So bleiben Rachen-R und Zungen-R orthographisch gleich. Rechtschreibkompetenz heißt auch, zu wissen, welche graphischen Unterschiede die Identität einzelner Zeichen bestimmen und welche unwesentlich sind (Allographie). Wesentlich sind z. B. P/R, O/Q oder A/H. Unwesentlich dagegen sind K / K / K. Auch bleiben manche (Druck-)Buchstaben gleich, wenn sie gedreht werden, wie <o> oder <l>, andere wiederum nicht, wie <d> und <p> oder <n> und <u>.

Individuelle Schreibstrategien spielen bei der Entwicklung von Rechtschreibkompetenz eine wichtige Rolle. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von der Logographie, über die Silbenorientierung und Morphologie zur grammatisch bedingten Wortschreibung überleiten.

Rechtschreibkompetent ist somit derjenige, der die korrekte Schreibung eines unbekannten Wortes mit Hilfe verschiedener Rechtschreibstrategien herleiten kann. Das Wissen darüber, welche Bedeutung ein Wort hat und/oder welche grammatische Funktion es ausübt, ist dabei elementar. Wer die Bedeutung eines Wortes nicht kennt, kann lediglich phonographisch, also lauttreu, schreiben.

Literatur

  • Bredel, Ursula / Reißig, Tilo (Hrsg.): Weiterführender Orthographieerwerb. (= Deutschunterricht in Theorie und Praxis Bd. 5), 3. durchgesehene und aktualisierte Aufl., Baltmannsweiler 2022, ISBN 978-3-8340-2160-1
  • Müller, Astrid / von Brand, Tilman: Rechtschreiben lernen. Die Schriftstruktur entdecken - Grundlagen und Übungsvorschläge. 4. aktualisierte Aufl., Seelze 2024, ISBN 978-3-7800-1022-3
  • Röber, Christa / Olfert, Helena (Hrsg.): Schriftsprach- und Orthographieerwerb: Erstlesen, Erstschreiben. (= Deutschunterricht in Theorie und Praxis Bd. 2), 2. überarbeitete und erweiterte Aufl., Baltmannsweiler 2022, ISBN 978-3-8340-2177-9

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