Reconcentración
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Die Reconcentración (deutsch: Rekonzentration) war ein Plan, der vom spanischen Militäroffizier Valeriano Weyler während des Kubanischen Unabhängigkeitskrieges (1895–1898) umgesetzt wurde, um die ländliche Bevölkerung Kubas in Konzentrationslager umzusiedeln. Er wurde ursprünglich von Weylers Vorgänger, Arsenio Martínez Campos, entwickelt, um die kubanischen Rebellen von der ländlichen Bevölkerung zu trennen, die sie oft versorgte oder beherbergte. Im Rahmen dieser Politik hatten die kubanischen Landbewohner acht Tage Zeit, um in Lager in befestigten Städten umzuziehen, und alle, die dies nicht taten, sollten als Aufständige behandelt werden.

Die Lebensbedingungen innerhalb der Lager waren miserabel, die Unterkünfte in schlechtem Zustand und die Versorgung unzureichend; außerdem breiteten sich Krankheiten schnell in den Lagern aus. Bis 1898 war ein Drittel der kubanischen Bevölkerung in Lager umgesiedelt worden, bis zu 170.000 Menschen starben aufgrund von Krankheiten und einer Vielzahl anderer Ursachen.[1][2] Die Spanier wurden schließlich in dem Konflikt besiegt, woraufhin alle Lager geschlossen wurden.
Hintergrund
Die Anführer der Rebellenarmee während des Kubanischen Unabhängigkeitskriegs, Máximo Gómez und Antonio Maceo Grajales, führten eine Strategie des Guerillakriegs auf dem Land ein, bei der sie oft nur Blitzangriffe durchführten und Zuckerplantagen zerstörten, die der Elite des Landes gehörten. Die Rebellen erhielten erhebliche Unterstützung von der ländlichen Bevölkerung und insbesondere von schwarzen Plantagenarbeitern. Eine kubanische Exilgruppe namens Cuban Junta hatte die amerikanische Öffentlichkeit erfolgreich auf die Seite der Rebellen gebracht. Bis 1896 hatten die Rebellen eine Offensive im wohlhabenden Westen der Insel gestartet, Zuckerplantagen zerstört und der spanischen Wirtschaft schweren Schaden zugefügt.[3]
Der von Valeriano Weyler umgesetzte Plan, die ländliche Bevölkerung Kubas in Konzentrationslager oder Städte umzusiedeln, wurde ursprünglich von Arsenio Martínez Campos entwickelt, um Rebellen von der ländlichen Bevölkerung zu trennen. Die betroffenen Menschen hatten acht Tage Zeit, um umzuziehen, und alle, die sich nicht daran hielten, sollten erschossen werden. Die Unterkünfte in den Lagern waren oft baufällig, Lebensmittel waren knapp und Krankheiten verbreiteten sich schnell in den Lagern. Bis 1898 war ein Drittel der kubanischen Bevölkerung in Lager umgesiedelt worden. Diese Politik gilt als die erste Errichtung moderner Konzentrationslager in der Geschichte.[2][4]
Umsetzung
Der Gouverneur von Kuba, Arsenio Martínez Campos, bestand gegenüber der spanischen Regierung darauf, dass der einzige Weg zum Sieg härtere Strategien gegen die Rebellen beinhalte. Er hielt es für notwendig, die rebellenfreundliche Landbevölkerung von den Aufständischen zu trennen, um die Offensive abzuwehren. Campos konnte sich persönlich nicht dazu durchringen, die Zwangsumsiedlung anzuordnen, da er sie für grausam hielt, und trat zurück.[4] Im Jahr 1896 wurde Valeriano Weyler zum Oberbefehlshaber der spanischen Streitkräfte und Gouverneur von Kuba ernannt.[3] Weyler hatte zuvor den Konflikt in Kuba studiert und war ein überzeugter Befürworter der Idee, dass die ländliche Bevölkerung umgesiedelt werden müsse, damit Spanien siegreich sein könne.[5][4]
Im Herbst 1896 verfügte Weyler, dass kubanische Landbewohner ohne genehmigte landwirtschaftliche Tätigkeiten in Lager in befestigten Städten umgesiedelt werden mussten. Alle Ressourcen und Ländereien auf dem Land wurden zerstört, damit sie nicht von den Rebellen genutzt werden konnten, Vieh wurde in die Städte getrieben und der Handel mit ländlichen Gebieten wurde verboten. Bis zum Ende des Jahres war das kubanische Landleben bis auf Kriegshandlungen vollständig ausgelöscht. In den Lagern begannen Krankheiten und Hunger viele der Internierten zu töten. Trotz dieser Schrecken setzte Weyler die Politik fort, obwohl er ihre Folgen selbst sah und persönlich bedauert haben soll.[5][6]
Ende der Politik
Der Zusammenbruch der Rekonzentrationspolitik wurde durch zwei Ereignisse verursacht: die Ermordung des spanischen Premierministers Antonio Cánovas del Castillo durch den italienischen Anarchisten Michele Angiolillo und Medienberichte über die tragische Lage in Kuba. Das spanische Kommando beschloss Ende 1897, General Weyler zu entlassen und das Kommando an General Ramón Blanco zu übertragen – einen Gegner der Rekonzentrationspolitik.[7]
General Blanco hob schließlich im März 1898 Weylers Dekret zur Rekonzentration auf.[7]
Opfer

Anfangs funktionierte das Internierungssystem noch, mit der Zeit trat jedoch eine Überforderung der Ressourcen ein. In den beengten Unterkünften für die umgesiedelten Gefangenen herrschten mangelhafte Hygienebedingungen; die Wasserversorgung und die Entsorgung von flüssigen und festen Abfällen waren nicht kontrolliert. Es gab weder Waschbecken noch Betten, was zu Ausbrüchen von Ruhr und verschiedenen Magen-Darm-Infektionen beitrug. Besonders Frauen, Kinder und Alte starben massenhaft. Insgesamt sollen 400.000 bis 600.000 Kubaner Opfer von unfreiwilligen Umsiedelungsmaßnahmen geworden sein. Über die Zahl der Todesopfer gibt es ebenfalls unterschiedliche Angaben. Der kubanische Historiker Carlos M. Trelles y Govín ging von mindestens 300.000 Toten aus, eine Schätzung, die von dem spanischen Politiker Álvaro Figueroa Torres bestätigt wurde.[6] Jüngere Schätzungen gehen von rund 170.000 zivilen Opfern aus, was etwa 10 Prozent der Inselbevölkerung entspricht.[1] Die Rekonzentrationspolitik richtete sich hauptsächlich gegen die farbige Landbevölkerung (besonders unter Afrokubanern war die Unterstützung für die Rebellen am größten)[6] und wurde von einigen Historikern als Genozid eingestuft.[8]
Die amerikanische Presse berichtete ausführlich über die Zustände in den Lagern, darunter auch die Falschinformation, dass „Tausende Amerikaner in Konzentrationslagern Hilfe benötigten“, um einen Vorwand für die kommende amerikanische Intervention in Kuba zu schaffen. In der kubanischen Bevölkerung schürten die zahllosen Opfer den Hass auf die spanische Kolonialregierung und General Weyler.[6]