Franz Reizenstein
deutscher Komponist und Pianist
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Leben
Franz Reizenstein war ein Sohn des Sanitätsrats Albert Reizenstein und der Karoline Kohn, er hatte einen Bruder und die Schwester Lottie Reizenstein, die Malerin wurde. Reizenstein zeigte bereits als Kind hohe musikalische Begabung und hatte als 17-Jähriger schon mehrere Werke komponiert, darunter ein Streichquartett. Zur Schule ging er am Melanchthon-Gymnasium Nürnberg.[1] Von 1929 bis 1934 studierte er an der Berliner Hochschule für Musik Komposition bei Paul Hindemith und Klavier bei Leonid Kreutzer.[2] Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung emigrierte er 1934 nach England, wo ein Onkel in Kingston, Surrey, lebte. Dort konnte Reizenstein seine Studien in London am Royal College of Music fortsetzen. Seine Kompositionslehrer bis 1936 waren Ralph Vaughan Williams und Constant Lambert. Zwischen 1938 und 1940 studierte er bei Solomon Klavier.
Reizenstein wurde 1940 als „Enemy Alien“ auf der Isle of Man sechs Monate lang interniert und arbeitete dann während des Zweiten Weltkrieges als Bahnangestellter, trat aber auch als Pianist und Interpret zeitgenössischer Werke an die Öffentlichkeit. Nach dem Krieg führten ihn Konzertreisen auch wieder auf den europäischen Kontinent. 1948 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.[3] 1958 erhielt er eine Klavierprofessur am Royal College of Music, später am Royal Manchester, dem heutigen Royal Northern College of Music. 1966 hatte er eine Gastprofessur für Komposition an der Boston University inne. Reizenstein war mit der Musikpädagogin Margaret Lawson verheiratet, sie haben einen Sohn.
Werk
Die Musik von Reizenstein verweist deutlich auf seinen Lehrer Hindemith und bleibt dem Rahmen der Tonalität verpflichtet. Der Zwölftonmusik und späteren avantgardistischen Tendenzen stand er ablehnend gegenüber.
Reizenstein schrieb Kammermusik (darunter ein Klavierquintett und Kammermusik für Bläser), Klavierkompositionen (unter anderem zwei Sonaten) und mehrere konzertante Werke (darunter zwei Klavierkonzerte und ein Cellokonzert). Zu seinen wichtigen Vokalwerken zählen zwei Opern sowie die Kantate Voices of Night und das Oratorium Genesis. Unter seinen Filmmusiken wurde vor allem die Partitur zum Horrorfilm Die Rache der Pharaonen (The Mummy, 1959) bekannt.
Auf Anregung von Gerard Hoffnung trug Reizenstein auch Humoristisch-Parodistisches zu den „Hoffnung Festival Concerts“ bei: 1956 das Concerto Popolare oder The Piano Concerto to end all Piano Concertos und 1958 Let’s Fake an Opera.
Filmografie (Auswahl)
- 1959: Die Rache der Pharaonen (The Mummy)
- 1959: Die weiße Falle (The White Trap)
- 1960: Der rote Schatten (Circus of Horrors)
Tondokumente
- Cellokonzert in G. Raphael Wallfisch, Violoncello, Konzerthausorchester Berlin, Nicholas Milton. Aufgenommen im April 2017 in Berlin. cpo, Osnabrück 2018, Best-Nr. 555 109-2
- Klavierkonzert Nr. 2 in F, op. 37 / Serenade in F, op. 29 / Ouverütre zu Cyrano de Bergerac, op. 28. Oliver Triendl, Klavier, Nürnberger Symphoniker, Yaron Traub. Aufgenommen im Mai 2018 in Nürnberg. cpo, Osnabrück 2019, Best-Nr. 555 245-2
Literatur
- Malcolm Miller: Art. Reizenstein, Franz (Theodor), Biographie. In: Laurenz Lütteken (Hrsg.): MGG Online. New York, Kassel, Stuttgart 2016 (mgg-online.com [abgerufen am 4. Oktober 2025]).
- Reizenstein, Franz Theodor, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. Band 2,2. München : Saur, 1983, S. 960
Weblinks
- Werke von und über Franz Reizenstein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiographie (dt.) ( vom 26. September 2010 im Internet Archive)
- Biographie ( vom 22. April 2003 im Internet Archive) (engl.)
- Jewish Music Institute: The Emigré Composers (engl.) ( vom 16. Juli 2011 im Internet Archive)
- Franz Reizenstein bei IMDb