René Belin
französischer Gewerkschafter und Politiker
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René Belin (geboren am 14. April 1898 in Bourg-en-Bresse; gestorben am 2. Januar 1977 in Lorrez-le-Bocage-Préaux) war ein französischer Gewerkschafter und Politiker. Er war Mitarbeiter des Vichy-Regimes.

Leben
Gewerkschaftsarbeit
René Belin wuchs als Halbwaise bei seiner alleinerziehenden Mutter auf. Mit 14 Jahren begann er als Telegrafist bei der staatlichen Postgesellschaft PTT. Dort stieg er schnell in eine Führungsposition auf. Er war gewerkschaftlich engagiert; als Mitglied der Postgewerkschaft war er auch Teil der CGT und verblieb bei der Gewerkschaftsspaltung bei dieser. Wegen eines Streiks wurde er entlassen, kehrte aber kurz darauf wieder zur PTT zurück.[1][2] 1933 wurde er in der CGT in das Bureau confédéral gewählt und gehörte damit dem erweiterten Führungskreis an.[1]
Innerhalb der CGT vertrat Belin eine pazifistische und antikommunistische Linie, die er als Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung Syndicats bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vertrat; erst 1939 unterstützte er Kriegsanstrengungen gegen das Deutsche Reich.[1][3]
Vichy
Nach der militärischen Niederlage von 1940 unterstützte René Belin die nationale Revolution und trat als Arbeitsminister in die von Philippe Pétain eingesetzten Regierungen ein. Zeitweilig war er dabei auch für Minister für industrielle Produktion. Belin war Mitglied der Regierungen Laval V, Flandin II und Darlan. Jacques Barnaud[4], sein Kabinettschef, verfasste das Gesetz vom Dezember 1940 zur Auflösung der CGT, das von Belin unterzeichnet wurde. Er war ebenfalls Unterzeichner des Loi sur le statut des Juifs du régime de Vichy (Gesetze zum Status der Juden unter dem Vichy-Regime) vom 3. Oktober 1940, das die besondere (Un-)Rechtsstellung der Juden in allen Pétain unterstehenden Gebieten regelte.

Er war der Hauptverfasser der Charta der Arbeit vom Oktober 1941, einem Korporatismus nach französischer Art, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinen sollte (das Gleiche galt auf dem Land für Grundbesitzer und ihre Pächter).[5] Während seiner Amtszeit wurden die Gewerkschafts- und Arbeitgeberverbände aufgelöst (Dekret vom 9. November 1940).[6] Als Reaktion auf diese Entscheidung veröffentlichten zwölf Gewerkschafter am 15. November 1940 den Text mit dem Titel „Principes du syndicalisme français“ (Grundsätze des französischen Gewerkschaftswesens), bekannt unter dem Namen Manifeste des douze, eine öffentliche Erklärung gegen die Politik der Regierung von Vichy.[7]
Gleichzeitig wurde die Rente nach dem Umlageverfahren eingeführt.[8] In den Jahren 1940–1941 traten mehrere für Arbeitnehmer günstige Sozialgesetze in Kraft: Einrichtung eines nationalen Arbeitslosenfonds (11. Oktober 1940), Rente für ältere Arbeitnehmer (14. März 1941), Ausweitung der Sozialgesetze auf Arbeitnehmer in freien Berufen (21. März 1941), Einführung einer einheitlichen Lohnzulage (29. März 1941), Status der Heimarbeiter (1. August 1941) und Umstrukturierung und Stärkung der Arbeitsaufsicht (31. Oktober 1941).[1]
Am 24. April 1941 wurde der 1. Mai offiziell zum „Tag der Arbeit und der sozialen Eintracht“ erklärt und zum bezahlten Feiertag.[9]
In seiner Funktion als Arbeitsminister initiierte Belin bereits im Januar 1942, also ein Jahr vor dem Erlass über den obligatorischen Arbeitsdienst (Service du travail obligatoire), die offizielle Propaganda für die Anwerbung französischer Arbeitskräfte in Deutschland. Das Treffen fand mit den deutschen Besatzungsbehörden statt. Die Bedingungen der Propaganda wurden von Belin selbst festgelegt.
Einige Wochen später reichte Belin seinen Rücktritt ein, als Pierre Laval, der am 13. Dezember 1940 aus der Regierung vertrieben worden war, am 16. April 1942 unter dem Druck der Deutschen wieder an die Macht kam.[2]
Nach dem Krieg
Nach der Befreiung versteckte er sich von 1947 bis 1949 in Paris und anschließend in der Schweiz. Er wurde vor Gericht gestellt und am 29. Januar 1949 durch einen Beschluss der Untersuchungskommission des Obersten Gerichtshofs ohne Verhandlung freigesprochen, unter Berücksichtigung „seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Forderungen der Deutschen“ und seines Bestrebens, die Verteidigung der französischen Interessen sicherzustellen.[2]
Nachdem er 1944 von der Säuberungskommission der PTT (Post- und Telekommunikationsbehörde) aus der Postverwaltung entlassen und aus den Organisationen ausgeschlossen worden war, denen er vor dem Krieg angehört hatte, schloss er sich der Parti socialiste démocratique[10] (Sozialdemokratische Partei) von Paul Faure an und versuchte, eine unabhängige und antikommunistische Gewerkschaftsbewegung wiederzubeleben, indem er bei der Gründung der Confédération générale des syndicats indépendants[A 1] (CGSI, Allgemeiner Verband unabhängiger Gewerkschaften) mitwirkte. Er gründete heimlich die Front syndicaliste[11] und anschließend La Revue syndicaliste[12], deren Chefredakteur er von 1949 bis 1954 war.[13] Er versammelte um sich einen syndikalistischen Kreis ehemaliger Gewerkschafter, die wie er aus der CGT ausgeschlossen worden waren und antikommunistisch waren.[14]
Er arbeitete unter seinem Namen oder unter verschiedenen Pseudonymen (insbesondere Bertrand Gauderic, Paul Brière) für andere Zeitschriften, vor allem zu sozialen und gewerkschaftlichen Themen.[15]
Belin war eines der ersten französischen Mitglieder einer transnationalen konservativen und katholischen Vereinigung, dem Centre européen de documentation et d’information[A 2] (CEDI, Europäisches Dokumentations- und Informationszentrum).[16] 1952 trat er außerdem einem ebenfalls transnationalen Arbeitgeberverband bei, dem Comité européen pour le progrès économique et social[A 3] (Europäisches Komitee für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt (CEPES)) bei.

Von 1959 bis 1965 war er Bürgermeister von Lorrez-le-Bocage, einem ländlichen Dorf im Süden des Departements Seine-et-Marne, wo er am 2. Januar 1977 im Alter von 78 Jahren starb und begraben wurde.[1]
Ehrungen
Belin wurde vom Vichy-Regime mit der Francisque Nr. 808 ausgezeichnet.
Werke
- Du secrétariat de la C.G.T. au gouvernement de Vichy. Albatros, 1978 (google.de).
Literatur
- Georges Lefranc: Les Expériences syndicales en France de 1939 à 1950. Chantenay, 1950.
- Michel Dreyfus: Histoire de la CGT. FeniXX réédition numérique, 1995, ISBN 978-2-402-03544-6.
- Jean-Pierre Le Crom: Syndicats, nous voilà! Vichy et le corporatisme. Editions de l’Atelier/Editions ouvrières, 1995, ISBN 978-2-7082-3123-8 (google.de).
Weblinks
- Jean Maitron: BELIN René, Joseph, Jean-Baptiste. In: Le Maitron. (französisch).
- BELIN RENÉ (1898–1977). In: Universalis. (französisch).
- Bibliothèque d'histoire sociale La Souvarine. Fonds René Belin. In: France Archives. (französisch).
- Bélin, René. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Angaben zu René Belin in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- Die Confédération générale des Syndicats indépendants (so in der frankophonen Wikipédia abzurufen) war ein Gewerkschaftsverband, der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde und in den 1970er Jahren aufgelöst wurde. Die französische Sprachversion behauptet unbelegt, Belin habe aus dem Hintergrund die Spaltung betrieben.
- Siehe dazu weiterführend den Artikel Centre des hautes études américaines in der französischsprachigen Wikipédia.
- Weiterführende Informationen zu dieser Organisation sind unter Comité européen pour le progrès économique et social in der frankophonen Wikipédia zu finden. Die französische Sprachversion nennt ihn als Generalsekretär der CEPES; bestreitet dies aber in einem Einzelnachweis.