Richard Paget, 2. Baronet

britischer Rechtsanwalt und Amateurforscher From Wikipedia, the free encyclopedia

Sir Richard Arthur Surtees Paget, 2. Baronet (* 13. Januar 1869 in Cranmore Hall, East Cranmore, Somerset; † 23. Oktober 1955 in Knightsbridge, London) war ein britischer Rechtsanwalt und Amateurforscher, der sich auf Sprachwissenschaft und den Ursprung der Sprache spezialisierte. Nach der Veröffentlichung seines Buches zu dem Thema, Human Speech 1930, arbeitete Paget die verbleibenden Jahrzehnte seines Lebens an einem Gebärdensystem für Gehörlose, was zum Paget Gorman Sign System wurde.

Ausbildung

Er war der älteste Sohn des Sir Richard Paget, 1. Baronet (1832–1908), aus dessen Ehe mit Caroline Isabel Surtees (1848–1946). Er besuchte das Eton College und studierte anschließend am Magdalen College der Universität Oxford, wo er einen Abschluss in Chemie mit Auszeichnung erhielt. Beim Tod seines Vaters erbte er 1908 dessen Adelstitel als Baronet, of Cranmore Hall in the Parish of East Cranmore in the County of Somerset.[1]

Karriere

Paget erhielt 1895 am Inner Temple eine Gerichtszulassung als Barrister. Sein scharfer juristischer und wissenschaftlicher Verstand brachte ihm die Berufung in eine Reihe von juristischen Kommissionen, Gremien und Ausschüssen ein.[1][2]

Unter anderem wurde er Honorary Associate des Royal Institute of British Architects, Fellow des Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland und Präsident der British Deaf and Dumb Association.

Hobbywissenschaftler

Paget war Chemiker und Physiker und intessierte sich intensiv für verschiedene Wissenschaftsgebiete. Er war auch in Musik und Kunst bewandert (schrieb mehrere eigene Lieder und baute Musikinstrumente), galt jedoch als „exzentrischer Amateurforscher“.[3]

Sir Richards Tochter, Pamela Paget (später Gattin des 2. Baron Glenconner) war oft Gegenstand seiner Experimente.[4][5]

Sprech- und Gebärdensprache

Sir Richards nachhaltigistes Vermächtnis war seine Forschung über die Natur der menschlichen Sprache und Kommunikation. Er leistete Beiträge zu mehreren Zweigen dieses Fachgebietes, von der Phonetik und Vokallisierung bis hin zur Linguistik und dem Wortschatz, doch waren es seine Theorien über den Ursprung der Sprache und die „pantomimische Aktion“ der Lippen und der Zunge, die mit den Sinnen und Emotionen des Sprechens zusammenhängt, die zu seiner zentralen These führten, dass Handzeichen und Gesten die ursprüngliche Form der menschlichen Kommunikation seien und das sich der Mensch dazu entwickelt habe, stimmlich zu kommunizieren, da er „alle Hände voll zu tun“ habe.[6] Sein Buch zu diesen Ideen, Human Speech, wurde 1930 veröffentlicht und 1964 aufgruns seiner Verbindungen zu späteren Entwicklungen in der Nachrichtentechnik neu aufgelegt.[1] Der irische Autor James Joyce verfolgte Pagets Forschung aufmerksam und seine Werke sowie die von Marcel Jousse hatten großen Einfluss auf Joyces Studium und Gebrauch der Sprache.[7]

In den 1930er begann Sir Richard begann mit der Entwicklung eines manuell kodierten Gebärdensystems. Er arbeitete mit dem Bibliothekar des Royal National Institute for the Deaf, Pierre Gorman, zusammen, um das System weiterzuentwickeln. Nach seinem Tod im Jahr 1955 führte seine Witwe, Grace, Lady Paget, die Arbeit mit Gorman fort, und das daraus resultierende Paget Gorman Sign System wurde von den 1960er bis in die 1980er Jahre in Großbritannien häufig in der Ausbildung gehörloser Kinder eingesetzt.[8][9]

Ehen und Nachkommen

In erster Ehe heiratete am 31. Mai 1897 er Lady Muriel Evelyn Vernon Finch-Hatton (1876–1938), Tochter des Murray Finch-Hatton, 12. Earl of Winchilsea.[10] Sie hatten drei Töchter und zwei Söhne:

  • Richard Hatton Harcourt Paget (1898–1898);
  • Sylvia Mary Paget (1901–1996), ⚭ 1926 Sir Christopher John Chancellor (1904–1989);
  • Pamela Winefred Paget (1903–1989), ⚭ 1925–1935 Christopher Tennant, 2. Baron Glenconner (1899–1983);
  • Angela Sibell Paget (1906–1965), ⚭ 1928 Sir Piers Kendrick Debenham, 2. Baronet (1904–1964);
  • Sir John Starr Paget, 3. Baronet (1914–1992), ⚭ 1944 Nancy Mary Parish (1917–1999).

Nachdem Lady Muriel 1938 gestorben war, heiratete Sir Richard am 22. Juli 1939 im Alter von 69 Jahren in zweiter Ehe Grace Hartley Glover (1893–1982); die Ehe blieb kinderlos.[1]

Einzelnachweise

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