Robert Service (Historiker)

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Robert John Service (* 29. Oktober 1947) ist ein britischer Historiker. Sein Forschungsschwerpunkt ist die russische Geschichte. Service lehrte bis zur Emeritierung 2013 als Professor für Russische Geschichte am St Antony’s College an der University of Oxford, dessen Fellow er ist. Außerdem ist er Senior Fellow an der Hoover Institution.

Robert Service (2011)

Leben

Service studierte am King’s College der University of Cambridge moderne Sprachen (u. a. Russisch) mit dem Master-Abschluss. Danach setzte er sein Studium an der University of Essex fort, wo er einen Master-Abschluss und einen Ph.D. in Government erwarb, und studierte auch an der Universität in Leningrad. Er lehrte an der Keele University und der UCL School of Slavonic and East European Studies der Universität London, bevor er 1998 Professor in Oxford wurde.

Service ist Fellow der British Academy. Er ist durch zahlreiche Bücher über russische Geschichte im 20. Jahrhundert bekannt geworden, speziell zur Russischen Revolution, und durch Biographien über Lenin, Josef Stalin und Leo Trotzki. Seine Biographie über Trotzki erhielt 2009 den Duff Cooper Prize.

Trotzki-Biografie

Seine Trotzki-Biographie vollendet seine Trilogie von Biographien der Führer der russischen Revolution (Lenin, Stalin) und wendet sich wie diese an breitere Leserkreise.[1] Service hatte sich vorgenommen, eine kritische Biographie Trotzkis vorzulegen, der nach Einschätzung von Service in der Sowjetunion ein ebensolches gewalttätiges Regime wie Stalin installiert hätte, wäre er an der Macht geblieben. Service hält ihn für keinen Gegner von Parteidiktatur und Terror in der Revolution, sondern für einen ihrer Initiatoren.

Wissenschaftliche Rezeption

Andreas Oberender (Humboldt-Universität Berlin) bescheinigte Service in seiner Rezension in H-Soz-Kult im Jahr 2010 einen fairen Umgang mit Trotzki, auch wenn nach seiner Biographie „von Trotzkis einst aufgeblähter Reputation nicht mehr viel übrig bleibt“.[2]

2011 wurde es von Bertrand Patenaude, Service’ Kollegen am Hoover-Institut und selbst Autor einer Trotzki-Biographie, in der American Historical Review scharf kritisiert, der Service einen „Eifer, Trotzki niederzumachen“ attestierte.[3][4] Auch darüber hinaus erhielt das Buch mehrheitlich vernichtende Kritiken.[5][6][7]

Sonstiges

Bezugnehmend auf die Kritik von Patenaude und des Vorsitzenden der Socialist Equality Party, David North, protestierten vierzehn deutsche Wissenschaftler – darunter Hermann Weber, Oskar Negt, Bernhard Bayerlein, Heiko Haumann, Oliver Rathkolb, Mario Keßler und Peter Steinbach – in einem offenen Brief gegen die deutsche Veröffentlichung beim Suhrkamp Verlag und bezeichnen sie als „Schmähschrift“.[8] Im Deutschlandfunk bezeichnete Niels Beintker diese Kritik an Service’ „berechtigte[m] […] Versuch einer Entmystifizierung“ Trotzkis als „reichlich krude […] absurde Debatte“.[9] Suhrkamp brachte im Juli 2012 die Übersetzung weitgehend unverändert heraus, sie wurde durchwachsen rezensiert.[10][11][12][13]

Werke (Auswahl)

Bücher

Herausgeber

  • Society and Politics in the Russian Revolution, School of Slavonic and East European Studies, Palgrave Macmillan 1992 (darin von Service die Einleitung und das Kapitel über "The Peasants"). ISBN 0-333-46910-0.
  • mit Silvio Pons: Dizionario del comunismo nel XX secolo, Einaudi 2007 (englische Ausgabe: Dictionary of 20th Century Communism, Princeton University Press, 2010). ISBN 978-0-691-13585-4.

Aufsätze

  • Architectural Problems of Reform in the Soviet Union: From Design to Collapse, in: Totalitarian Movements and Political Religions, Band 2, Heft 2, 2001, S. 7–17.
  • Stalinism and the Soviet State Order, in: Totalitarian Movements and Political Religions, Band 4, Heft 1, 2003, S. 7–23.
  • Military Policy, International Relations and Soviet Security after October 1917, in: Russia: War, Peace and Diplomacy. Essays in Honour of John Erickson, London, 2004.
  • Soviet Political Leadership and „Sovietological“ Modelling, in: Leading Russia: Putin in Perspective: Essays in Honour of Archie Brown, Oxford, 2005.

Einzelnachweise

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