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Robert de Séry

französischer Maler, Zeichner, Kupferstecher und Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Paul Ponce Antoine Robert, Künstlername Robert de Séry (* 11. Januar 1686 in Séry-en-Porcien, Ardennen; † 29. Dezember 1733 in Paris), war ein französischer Maler, Zeichner, Kupferstecher und Bildhauer. In der kunsthistorischen Literatur wird er heute vor allem als Randfigur des französischen Rokoko im Umkreis Antoine Watteaus sowie als Vermittler römischer Kolorittraditionen im Frankreich des frühen 18. Jahrhunderts eingeordnet.[1]

Robert de Séry: Portrait de femme (1722). Palais des Beaux-Arts de Lille

Leben

Paul Ponce Antoine Robert wurde als Sohn des Tuchhändlers Louis Robert und dessen Frau Françoise Bernier in Séry-en-Porcien geboren. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1698 blieb die Mutter mit sechs Kindern zurück. Kurz darauf ging Robert nach Reims, um bei dem dort für die Kirchen tätigen Maler Jean Tisserand das Zeichnen und Malen zu erlernen. Von 1705 bis 1706 setzte er seine Ausbildung in Paris bei Jean Jouvenet und Pierre-Jacques Cazes fort. Um 1706 begab sich Paul Ponce Antoine Robert nach Rom, wo er sich laut seinem Biografen Henri Bourin achtzehn Jahre lang aufhielt und in den ersten Jahren in ärmlichen Verhältnissen lebte. Um 1710 lernte er den Kunstsammler und -kenner Pierre-Jean Mariette sowie den Finanzier und Mäzen Pierre Crozat kennen. Mit dem Bildhauer Joseph Villerme, den er porträtierte beziehungsweise dessen Bildnis 1723 gestochen wurde, verband ihn eine enge Freundschaft. Anfang der 1720er Jahre hatte sich Robert zudem als Kunsthändler etabliert. Im Jahr 1724 wurde er zum persönlichen Maler des Kardinals Armand Gaston Maximilien de Rohan-Soubise ernannt, erhielt eine Pension und wurde nach Parma entsandt, um dort Gemälde Correggios zu kopieren.[2][3]

Um 1725 kehrte er gemeinsam mit seinem Gönner nach Paris zurück und ließ sich dauerhaft im neu errichteten Hôtel de Rohan nieder. In der Nähe eröffnete er eine Zeichenschule für junge Frauen in der Rue Vieille du Temple, deren Leitung er später seiner Schülerin Madeleine Françoise Basseporte übertrug. Robert starb im Dezember 1733 in Paris und wurde in der Kirche der Kapuziner im Marais (Église des Capucins-du-Marais) beigesetzt. Auf seinem Grabmal befand sich eine Inschrift, die auf seine Ausbildung in Reims, seine künstlerische Vervollkommnung in Rom und sein in Paris nur spärlich vertretenes Werk hinwies.[2][3]

Werk

Robert de Séry: Saint François Solano baptisant les Indiens (1730). Conservation of Religious and Civil Works of Art (COARC), Paris

Unter dem Einfluss Tisserands begann Robert mit Porträts und religiösen Darstellungen in kühler Farbgebung. In Rom entwickelte er ein ausgewogenes, warmes Kolorit und eine ausdrucksstarke Malweise, wie das Gemälde Étude de femme (Öl auf Leinwand, 1722, Palais des Beaux-Arts de Lille) zeigt. Ab etwa 1726 lieferte er Radierungen für den ersten Band der von Crozat herausgegebenen Stichsammlung Recueil Crozat, an deren Überarbeitung er bis zu seinem Tod mitwirkte. Für dieses Vorhaben arbeitete er unter anderem mit dem Stecher Nicolas Lesueur zusammen.[2]

Robert war zudem an der Ausstattung der Amtssitze des Kardinals Rohan-Soubise beteiligt: dem Palais Épiscopal in Straßburg (heute Palais Rohan) und dessen Residenzschloss in Saverne. Zur Ausstattung in Straßburg liegen widersprüchliche Angaben vor. Während im Allgemeinen Künstlerlexikon nur drei Kopien nach Correggio in der dortigen Bibliothek erwähnt werden und die übrigen Gemälde als zerstört gelten, werden ihm andernorts nach den Loggien Raffaels im Vatikan gestaltete Supraporten im Palais Rohan zugeschrieben, die die Zeit überdauert hätten.[2]

Von seiner eigenständigen Pariser Schaffensperiode zeugen neben dem Nachlassinventar vom 13. März 1734 vor allem Reproduktionsstiche wie das Brustbild des Messire Félix Esnault, Pfarrer von Saint-Jean-en-Grève, das von Basseporte nach einem Gemälde von Robert gestochen wurde. Zu den wenigen erhaltenen Originalgemälden zählen das in warmen Tönen gehaltene Bildnis Garçonnet tenant une poule dans ses bras (Blois, Château-Musée) und das in kräftigen, kontrastreichen Farben ausgeführte Historienbild Revue des mousquetaires (Öl auf Leinwand, 1729, Schloss Versailles). Letzteres weist Robert als geschickten Vertreter einer dem Rokoko zugeneigten Malerei aus, dessen Figuren mit Antoine Watteau in Verbindung gebracht werden. Diese Einschätzung teilt auch das Palais des Beaux-Arts de Lille, das Robert als exakten Zeitgenossen Watteaus mit verwandter poetischer Naturauffassung beschreibt.[2]

Der überwiegende Teil seiner Gemälde behandelte religiöse Sujets für Pariser Kirchen und Klöster, insbesondere für das Kapuzinerkloster im Marais. Für dieses schuf er das Martyrium des heiligen Fidelis von Sigmaringen. Eine weitere Fassung dieses Themas wird der Kirche von Saint-Agnant-de-Versillat zugeschrieben. In der Bibliothèque nationale de France ist hingegen Basseportes Reproduktionsstich nach Roberts Zeichnung überliefert. Für die Kirche St-Merry entstanden im Jahr 1730 die Gemälde Saint Jacques de la Marche guérissant Ferdinand Ier de Naples und Saint François Solano baptisant les Indiens. Seine Zeichnungen dienten häufig als Stichvorlagen, etwa für das von Charles-Nicolas Cochin gestochene Titelblatt zu Noël-Antoine Pluches Spectacle de la Nature (1732). Daneben schuf Robert zahlreiche Original- und Reproduktionsstiche, darunter eine Schlüsselübergabe an Petrus nach einer Zeichnung Raffaels. Als Hauptwerk seiner Druckgrafik gilt eine Darstellung der Geburt Christi nach einem eigenen, heute verschollenen Gemälde aus dem Jahr 1727, bei der durch die Kombination aus Radierung und Kaltnadelverfahren eine ausgeprägte Tiefenwirkung erzeugt wird. Zur Standortangabe dieses Blattes bestehen widersprüchliche Angaben: Während das Allgemeine Künstlerlexikon einen Bestand in der Bibliothèque nationale de France in Paris nennt, führt das Metropolitan Museum of Art in New York ein Exemplar in seiner eigenen Sammlung.[2][3]

Sein von François Duquesnoy beeinflusstes bildhauerisches Werk umfasste Kinder-, Engel- und Marienfiguren sowie Christusköpfe und Kopien nach der Antike aus Marmor, Terrakotta und Gips. Sämtliche dieser Arbeiten gelten als verschollen.[2]

Literatur

  • Henri Bourin: Paul-Ponce-Antoine Robert (de Séry), peintre du cardinal de Rohan (1686–1733). Paris: Librairie Picard et Fils, 1907.
  • Anne-Marie Coquillard: „Paul-Ponce-Antoine Robert dit Robert de Séry, peintre, graveur, pastelliste, sculpteur.“ In: Terres Ardennaises. Sonderheft Séry-en-Porcien, September 2000, S. 45–47.
  • François Marandet: „Robert de Séry (1686–1733), peintre du cardinal de Rohan : nouvelles perspectives.“ In: Les Cahiers d'histoire de l'art. Nr. 17, 2019, S. 22–29.
  • Peintures du Grand Siècle. Exposition au Château de Blois. Ausstellungskatalog, Château-Musée de Blois, Blois 2008.
  • Christina-Alexandra Schwaighofer: Von der Kennerschaft zur Wissenschaft. Kunstgeschichte im 18. Jahrhundert und die Genese der stilkritischen Methode. Berlin / München: Deutscher Kunstverlag, 2009.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.

Einzelnachweise

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