Rossow (Wittstock/Dosse)

Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse From Wikipedia, the free encyclopedia

Rossow war eine Gemeinde im ehemaligen Amt Wittstock-Land und ist heute ein Ortsteil[2] der Stadt Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im nördlichen Brandenburg. Der Ort liegt am Fluss Dosse südlich der Wittstock-Ruppiner Heide.

Schnelle Fakten Stadt Wittstock/Dosse ...
Rossow
Koordinaten: 53° 3′ N, 12° 34′ O
Höhe: 56 m ü. NN
Fläche: 29,95 km²
Einwohner: 149 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 5 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 16909
Rossow (Brandenburg)
Rossow (Brandenburg)
Lage von Rossow in Brandenburg
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Geschichte

Karte von Mecklenburg
(1866 bis 1934)

Rossow ist slawischen Ursprungs, befand sich aber ursprünglich zwei Kilometer nordwestlich des heutigen Dorfes an der Dosse, Fretzdorf fast gegenüber. Dort ist heute noch der Flurname Wenddorf verblieben. Um 1490 gehörte Rossow zur Herrschaft Ruppin. Die Grundherrschaft übten allerdings die Herzöge zu Mecklenburg aus. Bis 1937 war der Ort wie Schönberg eine mecklenburgische Exklave und gehörte zum Amt und späteren Landkreis Waren/Müritz.

Noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts waren die v. Rohr im Besitz von Rossow. Nach 1500 hatten die mit ihnen verschwägerten Quitzows ebenfalls Anteile am Gut erworben. 1629 belehnte Wallenstein als vom Kaiser eingesetzter Landesherr von Mecklenburg Hans Holstein mit Rossow, dessen Nachkommen es bis Ende des 17. Jahrhunderts besaßen. Neben ihnen gelangten Teile des Ortes auch an andere Familien, wie die von Lüderitz, von der Weyden, von Schlieben und von Barnewitz. Etwa ab 1690 kaufte der Brandenburgische Geheimer Rat Konrad von Stillen, der auch das benachbarte brandenburgische Fretzdorf besaß, alle Anteile nacheinander auf und wurde 1695 durch Herzog Gustav Adolf mit ganz Rossow belehnt. Sein Nachkomme, Generalmajor Ulrich Christoph von Stillen, verkaufte 1712 das Dorf Rossow an Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg. 1836 verkaufte die Regierung das Dorf Rossow als selbstständiges ritterschaftliches Allodialgut an die 28 Bauern des Dorfes. Die Gesamtheit der Bauernschaft hatte also seither über alle Dorfangelegenheiten allein zu bestimmen unter Ausschluss der sonstigen Ortsbevölkerung einschließlich der Juden. Der Bauernschaft gehörte auch die Jagd – mit Ausnahme des Kirchenlandes. Der Landesherr reservierte für sich nur Kirchenpatronat, Schule, Einkünfte aus dem Zollverein und das Judenregal.

1816 waren in der Rossower Heide am Verbindungsweg zwischen Rossow und Gadow durch Carl von Randow eine Glashütte angelegt und für die dort Beschäftigten acht Wohnhäuser errichtet worden. Von Randow selbst baute sich weiter nordwestlich noch einen Hof, wo er wohnte und von dem aus die zur Glashütte gehörenden landwirtschaftlichen Flächen bearbeitet wurden. Der Standort der Glashütte in einer mecklenburgischen Exklave führte aber nach der Einführung der preußischen Zollgrenze bereits ab 1818 zu wirtschaftlichen Problemen (bei Export z. B. nach Mecklenburg war jetzt zweimal Zoll zu zahlen), so dass die Glashütte bereits 1820 an einen Standort am gleichen Weg direkt hinter der preußischen Grenze verlegt wurde. Von Randow blieb bis 1832, nachdem der Vertrag mit der mecklenburgischen Regierung über die Glashütte abgelaufen war, auf seinem Hof bei Rossow wohnhaft. Vermutlich blieben auch einige Arbeiter der Glashütte, die nur etwa einen Kilometer entfernt war, hier ansässig. Um 1900 soll ein Feuer die am Wege stehenden ärmlichen Häuser, die von der örtlichen Bevölkerung „Plattendorf“ genannt worden sein sollen, zerstört haben. Um den inzwischen Hof Rossow genannten Wohnsitz des von Randow hatte sich zu dieser Zeit ein Vorwerk auf hier begrenzt lehmhaltigem und daher relativ fruchtbaren Boden entwickelt. Dieser wurde fortan als Hof Rossow bezeichnet und im gleichen Jahr an Herrn von Lüden auf Zahrensdorf bei Boizenburg an der Elbe verkauft. Von Lüden war Baptist, unterrichtete seine Kinder selbst und taufte sie als Erwachsene, wodurch es zu verschiedenen Konflikten mit dem Staatskirchentum kam, was ihn auch in Festungshaft brachte. Zur Auswanderung entschlossen, verkaufte er das Gut 1844 an den preußischen Nachbarn, und das Allodialgut Hof Rossow wurde Teil des Familienfideikommiss Fretzdorf der märkischen Uradelsfamilie von Karstedt-Fretzdorf, vormals als Majorat deklariert.[3] Die von Karstedt waren Gutsherren[4] und mehrfach Stiftshauptleute in Heiligengrabe. Bekanntester Gutsbesitzer im 19. Jahrhundert war das Reichstagsmitglied Carl von Karstedt (1811–1888), verheiratet mit Friederike Brandt von Lindau-Schmerwitz. Ihm beerbte später als Fideikommissherr Achim Karl von Karstedt (1844–1903). Er erlernte Landwirtschaft[5] und lebte mit seiner Ehefrau Elisabeth Bertha Wilhelmine Anna von Rohr genannt von Wahlen-Jürgaß (1855–1941) einige Jahre in Rossow,[6] die* ältesten drei der zwölf Kinder wurden dort geboren.[7] Rossow hatte um 1928, also vor der großen Wirtschaftskrise, einen Gutsumfang von 1553 ha Land. Davon waren 1482 ha Waldbesitz, also fast ein reiner Forstbetrieb mit nur wenig Acker- und Wiesenland. Die Leitung führte Oberinspektor Ewald Wolf.[8] Eigentümer war zeitgleich Ernst Albrecht von Karstedt-Fretzdorf. Karstedt begann wie sein Vater seine Gutsbesitzerlaufbahn auf dem Adelsinternat der Ritterakademie am Dom in Brandenburg[9] und ging nach dem Abitur zum Militär.[10] Er hatte 1905 Elsa von Bredow geheiratet und mit ihr vier Kinder. Karstedt starb als Hauptmann 1915 und weit vor 1941 wurden die Güter Fretzdorf-Rossow verkauft. Letzter Grundbesitzer war der Sohn Ernst-Albrecht von Karstedt (1906–1971),[11] er besaß von 1929 bis 1932 dann das Gut Tarzow im Amt Wismar.[12] Die Mutter, Elsa von Karstedt, lebte dann auf ihrem Heimatgut in Landin bei Rathenow.[13]

Hof Rossow war nach 1945 von Flüchtlingen bewohnt, wurde 1958 einer LPG zugeordnet und verfiel danach. Heute ist dort Wald.

Rossow hatte in früherer Zeit eine Wassermühle, die von einem Bach im Osten der Feldmark angetrieben wurde, welcher aus der Wittstock-Ruppiner Heide kam und in die Dosse mündete. Die Mühle ging nach Versiegen des Baches ein. Eine Folge dessen war auch eine Minderung des Ertrags der dortigen Ackerflächen. Schon um 1930 mussten die Bauern dem Pfarrer ausbezahlen, weil die ihm zustehenden Gersteabgaben nicht mehr aufzubringen waren.

Rossow wurde 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz preußisch.

Im Zuge der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurde in Rossow von der SA ein Haus angezündet. Als der Ortspfarrer Aurel von Jüchen den Brand löschen wollte, kam es zu seiner Verfolgung durch die NS-Behörden, aber auch zu einem kirchlichen Disziplinarverfahren. In dieser Auseinandersetzung wurde von Jüchen jedoch von einem Großteil der Einwohner unterstützt.

Rossow blieb nach dem Zweiten Weltkrieg bei Brandenburg und kam 1952 zum Bezirk Potsdam, 1990 wieder zu Brandenburg.

Am 26. Oktober 2003 wurde Rossow nach Wittstock eingemeindet.[14]

Literatur

  • Heinrich Johann Ludwig Taetow: Die Mecklenburgisch-Schwerinschen Dörfer in der Prignitz; Prignitzer Volksbücher Heft Nr. 70; Druck und Verlag von Adolf Tienken, Pritzwalk o. J.
  • Gisela Masurowski, Dieter Mombour: Die Glashütten in Rossow und Gadow in der Ostprignitz; in: Ostprignitz-Ruppin-Jahrbuch 2010; Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin, S. 145–168
  • Rossow auf wittstock.de
  • Rossow in der Reihe „Landschleicher“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg vom 9. Januar 2005

Siehe auch

Einzelnachweise

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