Russische Grippe 1977/1978

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Als Russische Grippe wird eine Influenza-Epidemie bezeichnet, die sich in den Jahren 1977 und 1978 ereignete. Weltweit forderte sie – je nach Quelle – 500.000–700.000 Todesopfer.[1][2] Es begann in Nordchina und kurz darauf in Sibirien.[3][4] Genetische Analysen und einige ungewöhnliche Merkmale der russischen Grippe haben viele Forscher dazu veranlasst, zu spekulieren, dass das Virus durch einen Laborunfall freigesetzt wurde.[4][5][6]

Ursache

Sie wurde durch Influenzaviren vom Subtyp A/H1N1 verursacht, von jenem Subtyp, der in den Jahren nach 1918 auch Ursache der Spanischen Grippe gewesen war. Erstmals isoliert wurde dieser Subtyp im Mai 1977 in Nordchina, bis Januar 1978 hatte er sich weltweit verbreitet.[7][8] Die Sowjetunion war das erste Land, das der Weltgesundheitsorganisation einen Ausbruch meldete; sie wird daher als „Russische Grippe“ bezeichnet.[3][4][5] (Die Volksrepublik China war erst 1981 Mitglied der Weltgesundheitsorganisation.[9])

Betroffen von der „Russischen Grippe“, während derer die Erkrankten in der Regel nur milde Symptome entwickelten, waren vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren.[10][A 1]

Dies wird von den Experten darauf zurückgeführt, dass A/H1N1 ab 1918 weltweit vorherrschend war und erst 1957 durch den Subtyp A/H2N2, den Erreger der Asiatischen Grippe, verdrängt wurde. Viele vor 1957 Geborene waren daher bereits zuvor diesem Subtyp ausgesetzt gewesen und besaßen somit einen gewissen Immunschutz, nicht aber die nach 1957 Geborenen. Da die Erkrankungswelle auf junge Menschen beschränkt blieb, wird sie meist nicht als Pandemie eingestuft.

Der Subtyp A/H1N1 der „Russischen Grippe“ war dem Subtyp aus den Jahren vor 1957 derart ähnlich, dass rasch die Vermutung aufkam, das Virus sei Mitte der 1970er-Jahre aus einem sowjetischen oder chinesischen Labor entwichen.[11] Die geringe Anzahl von Abweichungen (Mutationen) in seinem Erbgut könne man nur dadurch erklären, dass das Virus im wörtlichen Sinne jahrzehntelang eingefroren gewesen sei. Diese These vertrat 1992[12] auch der renommierte Influenza-Forscher[13] Robert Webster.

Das H1N1-Genom der „Spanischen Grippe“ wurde 2005 von einer Arbeitsgruppe um Jeffery Taubenberger rekonstruiert.[14]

Die sogenannte Russische Grippe der Jahre 1889 bis 1895 wurde von einem anderen Subtyp oder aber von einem Coronavirus verursacht.

Siehe auch

Literatur

  • Jennifer L. Havens, Sergei L. Kosakovsky, Jordan D. Zehr et al.: Dynamics of natural selection preceding human viral epidemics and pandemics. In: Cell. Online-Vorabveröffentlichung vom 6. März 2026, doi:10.1016/j.cell.2026.02.006.
  • Joel O. Wertheim: The Re-Emergence of H1N1 Influenza Virus in 1977: A Cautionary Tale for Estimating Divergence Times Using Biologically Unrealistic Sampling Dates. In: PLOS ONE. Band 5, Nr. 6, 2010; e11184, doi:10.1371/journal.pone.0011184.
  • Alan P. Kendal, Gary R. Noble, John J. Skehel, Walter R. Dowdle: Antigenic similarity of influenza A(H1N1) viruses from epidemics in 1977–1978 to “Scandinavian” strains isolated in epidemics of 1950–1951. In: Virology. Band 89, Nr. 2, 1978, S. 632–636, doi:10.1016/0042-6822(78)90207-6.
  • Christoph Scholtissek, V. von Hoyningen, Rudolf Rott: Genetic relatedness between the new 1977 epidemic strains (H1N1) of influenza and human influenza strains isolated between 1947 and 1957 (H1N1). In: Virology. Band 89, Nr. 2, 1978, S. 613–617, doi:10.1016/0042-6822(78)90203-9.

Anmerkungen

  1. Unter Verweis auf die Nachrichtenagentur TASS berichteten deutsche Medien gleichwohl im Jahr 2009, es habe 700.000 Todesfälle gegeben: Die schlimmsten Grippe-Pandemien der Neuzeit. Auf: welt.de

Belege

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