Ryker’s
deutsche Band
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Ryker’s ist eine Hardcore-Band aus Kassel, die 1992 gegründet wurde und sich erstmals im Jahr 2000 auflöste, jedoch sich 2008 kurz wiedervereinigte und 2013 mit Konzerten und 2014 mit einem neuen Studioalbum ihr Comeback feierte. Die Band gehört zu den erfolgreichsten europäischen Hardcore-Bands der 1990er-Jahre. Wesentlich beeinflusst wurden sie von Bands wie den Cro-Mags und Agnostic Front.
| Ryker’s | |
|---|---|
Ryker’s auf dem Reload Festival (2018) | |
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Kassel (Deutschland) |
| Genre(s) | Hardcore |
| Gründung | 1992, 2008, 2013 |
| Auflösung | 2000, 2008 |
| Website | www.rykershardcore.com |
| Gründungsmitglieder | |
Gesang | Hubertus Uwe „Kid-D“ Dittmeier (1992–2015, seit 2021) |
Gitarre | Iggy (1992–1995) |
Bass | Christian Luft |
Schlagzeug | Sven „Meff“ Herwig |
| Aktuelle Besetzung | |
Gesang | Kid-D |
Gitarre | Steve Römhild (seit 2017) |
Gitarre | Stephan „Fusel“ Kaufmann |
Bass | Christian Luft |
Schlagzeug | Florian Pieper |
| Ehemalige Mitglieder | |
Gesang | Dennis „Sergeant D.“ Müller (2015–2021) |
Gitarre | Tim (1996–1998) |
Gitarre | Michael „Grobi“ Grobe (bis 2017) |
Geschichte
Die nach der Gefängnisinsel Rikers Island vor New York City benannte Band wurde 1992 in Kassel gegründet.[1] Die Urbesetzung bestand aus vier Musiken: Sänger Hubertus Uwe Dittmeier, der sich „Kid-D“ nannte, hatte vorher Erfahrungen in einer Band namens Toys Bizzare gesammelt.[2] Die E-Gitarre spielte ein nicht näher bekannter „Iggy“. Der Schlagzeuger Sven „Meff“ Herwig war ebenfalls vorher bei Toys Bizzare.[2] Den Bass bediente Christian „Chris“ Luft, ein Heavy-Metal-Fan (Kiss, Motörhead, Iron Maiden), der 1986 über Cro-Mags, Agnostic Front und die Crumbsuckers zum Hardcore gefunden hatte.[3] Seine Gitarrenkünste reichten damals – so erzählte er dem Rock Hard – nicht für Metal-Songs aus, genügten aber für den Bass im Hardcore.[2]
Als Hardcore-Band orientierte man sich am klassischen New York Hardcore, hatte aber schon einen unverkennbar eigenen Stil.[1] Zunächst konnte man die Single Kickback veröffentlichen, dann einige Split-Singles. Auf Payback Time wurden die Stücke 1993 auf einer EP zusammengefasst, die bei Lost & Found Records herauskam.[1] Bevor professionelle Tourneen auf dem Plan standen, gab es Auftritte in besetzten Häusern, Hinterhof-Verschlägen und kleinen Clubs.[2] Ein Jahr später waren einige Touren mit zumeist amerikanischen Hardcore-Bands absolviert und es lag das erste Album Brother Against Brother, das eine durch die Liveauftritte verbesserte Spieltechnik aufweist, vor.[1] Im Mai 1995 begannen die Aufnahmen für das Mini-Album First Blood, das noch im selben Jahr veröffentlicht wurde. In der Frage der Singleauskopplung entschied sich die Band für Hunting Season. Hierauf übernahm Ryker’s erstmals die Headliner-Rolle auf einer Deutschland-Tour.[1]
1996 wechselten die Musiker zum Major R.A.W. Records/WEA. Auch an der Gitarre gab es einen Wechsel: Michael „Grobi“ Grobe übernahm den Posten.[1] Als Nächstes erschien 1996 das Album Ground Zero. Weitere Tourneen folgten, zum Beispiel mit Dog Eat Dog. Bei Open-Air-Shows war man vertreten, zum Beispiel auf dem Dynamo Festival und dem With Full Force. Zu dieser Zeit arbeitete man bereits mit einem zweiten Gitarristen, der sich schlicht „Tim“ nannte und von Hate Squad gekommen war.[1]
1997 schlägt mit dem Album A Lesson in Loyalty zu Buche. Zur Singleauskopplung Cold/Lost/Sick wurde ein aufwändiger Videoclip gedreht.[1] Der Albumtitel spielt auf die Wertschätzung derer an, die mitgeholfen haben die Karriere der Band anzuschieben und voranzubringen. Vom Stammproduzenten bis zur Booking-Agentur behielt man das Umfeld bei, obwohl die Band zu einem Major-Label gewechselt war.[3]
Die Zusammenarbeit mit WEA hielt nicht lange. Ryker’s unterschrieb einen neuen Vertrag bei einem der führenden Independent-Label im Metal-Segment: Century Media. Dort erschien 1999 das Album Life’s a Gamble … and So Is Death. Inzwischen hatte man sich wieder vom zweiten Gitarristen „Tim“ getrennt, der nicht recht ins Bandgefüge gepasst hat.[4] Der Unterschied zwischen den Plattenfirmen machte sich im Aufnahmeprozess bemerkbar: Die „reiche“ WEA gönnte der Band einen monatelangen Studioaufenthalt. Das verlockte die Bandmitglieder zum „Blödsinn“-Machen. Andererseits habe es Erfolgsdruck gegeben. An diesem Album arbeitete man – laut Selbstaussage – kompakt, konzentriert und entspannt.[5] Außerdem spielte die Band den Bad-Brains-Song Attitude für das Bad-Brains-Tributealbum Never Give In ein, der Ende Oktober 1999 bei Century Media erschien.
Ein Livealbum plus Bonusdisc mit 24 Stücken und einer Spielzeit von knapp 100 Minuten wurde im Sommer 2000 nachgeschoben. From the Cradle to the Grave wurde bei zwei Shows in den Niederlanden mitgeschnitten.[6] Es entpuppte sich schon bald als Abschiedsgeschenk, denn die Auflösungsmeldung verbreitete sich im September und war spätestens im Oktober-Heft der Metal-Presse nachzulesen. Die Mitglieder hatten sich (haupt-)beruflich etabliert oder Familien gegründet und wollten nicht zu einer „Wochenend-Lachnummer“ verkommen.[2] Am 7. Oktober 2000[2] fand in dem Kasseler Club, in dem das erste „richtige“ Konzert gespielt worden war, ein Farewell-Gig statt. Die Einnahmen dieses schnell ausverkauften Ereignisses flossen komplett dem örtlichen Tierheim zu.[7] Schon damals dachten die Musiker daran, irgendwann die Bandaktivitäten wieder aufzunehmen.[2]
2003 gab die Band ein einmaliges Konzert auf dem With Full Force zum 10. Jubiläum des Festivals. 2008 gab es eine Wiedervereinigung und es wurden einige Festival-Konzerte gespielt sowie eine zugehörige Reunion-Tour angekündigt, diese wurde jedoch unter Verweis auf einen Schicksalsschlag abgesagt. Im Dezember 2012 kündigte die Band ihre Reunion für das Jahr 2013 an. Erste Konzerte fanden im Frühjahr in Athen und Lissabon statt. Ein weiteres Konzert folgte daraufhin auf dem With-Full-Force-Festival.
Im Januar 2014 verkündete die Band bei ihrem Auftritt während der EMP Persistence Tour in Oberhausen, dass ein neues Album im Laufe des Jahres erscheinen wird.[8] Des Weiteren wurden Konzerte beim MyFest in Berlin, in Wien, beim Monster Bash Festival in München, beim New Noise Festival in Karlsruhe, beim Dour Festival, beim Resurrection Fest, auf dem Endless Summer Open Air sowie in Villmar, Goldenstedt, Gütersloh, ihrer Heimatstadt Kassel sowie 2014 vor 13.000 Fans in der Nähe der Indonesischen Hauptstadt Jakarta gespielt.
Das Comeback-Album der Band trug den Titel Hard to the Core, enthielt acht neue Songs und erschien im Mai 2014 via BDHW Records. Aufgenommen wurde es im Januar 2014 im Stage One Studio von Andy Classen. Ein Musikvideo zum Titelsong Hard to the Core wurde veröffentlicht. Im Januar 2015 folgte ein Musikvideo zu The World as I See it Today und die Band war Teil der EMP Persistence Tour, die durch Deutschland, Frankreich, Niederlande, Schweiz, Tschechien und Belgien führte.[9] Für Herbst 2015 kündigten die Ryker’s das neue Album Never Meant to Last an, welches erstmals nicht mit Gründungsmitglied Kid-D., sondern mit Dennis „Sergeant D.“ Müller von der Band Brightside und mit Gastsängern aufgenommen wurde. Mit Kid-D. sei man im Guten auseinandergegangen, aber er hätte zu einem neuen Album „keinen Bock und keine Zeit mehr“ gehabt, wie sich in Vorbereitung für die Aufnahmen abzeichnete.[10] Im September 2015 erschien vorab das erste Video High Five in Your Face with a Chair vom neuen Album. Daraufhin folgte nach der Veröffentlichung des Albums im Oktober, ein Musikvideo zu The Outcast’s Voice.
Im Mai 2017 gab die Band bekannt, dass mit Steve Römhild von der Band Erosion ein neuer Gitarrist dabei ist und somit Grobi ersetzt, der nicht mehr bei den Ryker's spielt. Des Weiteren wurde ein neues Album für Anfang 2018 angekündigt.[11] 2018 spielte die Band zum 25. Jubiläum des Akku Immenhausen.
Im Juni 2021 verließ Sänger Müller die Band. Kid-D übernahm den Posten des Sängers erneut.[12]
Von 1992 bis 1994 spielte Sven „Meff“ Herwig das Schlagzeug für die Thrash-Metal-Band Holy Moses, über das Drumming von Herwig erhielt die Metal-Band leichte Hardcore-Einflüsse.[13]
Stil
Die Rock-Hard-Enzyklopädie schrieb über den Stil: „Die Songs sind kurz, kompromißlos brutal, meist rasend schnell und strahlen eine Heftigkeit aus, als seien sie nicht in Kassel, sondern während des täglichen Überlebenskampfes in den Häuserschluchten eines Großstadtmolochs entstanden.“[1]
Jan Jaedike beschrieb den Stil im Rock-Hard-Heft als „Mixtur aus Hardcore-Power, ultraschwerem Metal-Riffing und superfiesen Grooves“. „Brutalität und Eingängigkeit“ würden „souverän“ und „mit einer überraschenden Frische“ fusionieren.[5] Für Redaktionskollege Carsten Kleine hört sich der Ryker’s-Stil nach „rüpelhafte[m], prollige[m] Metal/HC“ an.[14]
Diskografie
- 1994: Payback Time (Lost & Found Records)
- 1994: Brother Against Brother (Lost & Found Records)
- 1995: First Blood (Lost & Found Records)
- 1996: Ground Zero (Raw)
- 1997: A Lesson in Loyality (Raw)
- 1999: Life’s a Gamble … and So Is Death (Century Media)
- 2000: From the Cradle to the Grave (Century Media)
- 2014: Hard to the Core (BDHW Records)
- 2015: Never Meant to Last (BDHW Records)
- 2019: The Beginning … Doesn‘t Know the End (BDHW Records)
- 2022: Ours Was a Noble Cause (BDHW Records)
