SAMP/T (Flugabwehrraketensystem)

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SAMP/T (Abkürzung für Sol-Air Moyenne Portée/Terrestre ; auf Deutsch: Boden-Luft Mittelreichweite/Terrestrisch) ist ein französisches Luftverteidigungssystem, das von den Firmen MBDA Missile Systems (federführend) und Thales entwickelt wurde, heute unter dem Dach von Eurosam. Es ist auf die Abwehr von Hochgeschwindigskeitszielen wie taktischen Raketen und Marschflugkörpern sowie Kampfflugzeugen und Drohnen ausgelegt.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
SAMP/T (Flugabwehrraketensystem)
Ein Aster-30-Starter des SAMP/T-Flugabwehrraketensystems während einer Militärparade in Frankreich. Die Startbehälter befinden sich in Marschposition.

Ein Aster-30-Starter des SAMP/T-Flugabwehrraketensystems während einer Militärparade in Frankreich. Die Startbehälter befinden sich in Marschposition.
Allgemeine Angaben
Typ Flugabwehrlenkwaffe
Heimische Bezeichnung SAMP/T
(Sol-Air Moyenne Portée/Terrestre)
Herkunftsland Frankreich Frankreich, Italien Italien
Hersteller MBDA, Thales
Entwicklung 1988[1]
Indienststellung 1990er-Jahre
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Antrieb Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit Mach 3
Ausstattung
Lenkung Trägheitsnavigation & Datenlink
Zielortung aktive Radarzielsuche
Gefechtskopf Splittergefechtskopf
Zünder Aufschlag- und Näherungs-Zünder
Waffenplattformen Fahrzeuge, Schiffe
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Entwicklungsgeschichte

Die Ursprünge des SAMP/T liegen in einer französisch-deutschen Vorstudie zur Entwicklung eines europäischen Ersatzes für die veralteten MIM-23 Hawk-Flugabwehrsysteme. Italien schloss sich später an, um die eigenen Hawk- und Nike-Hercules-Systeme zu ersetzen. Großbritannien zeigte ebenfalls Interesse an einem neuen System zur Ablösung ihrer Bristol-Bloodhound-Raketen.[2] Später konzentrierte sich der Anteil Großbritanniens auf maritime Anwendungen. Entwickelt wurde das SAMP/T-System schließlich vom neu gegründeten internationalen Firmenkonsortium Eurosam, einem Gemeinschaftsunternehmen von MBDA Missile Systems und der Thales Group.[3] Die Aster-Raketenfamilie (Aster 15 und Aster 30) wurde in den 1990er-Jahren entwickelt, wobei die Aster 30 für das landgestützte SAMP/T-System vorgesehen war. Parallel entstand das PAAMS (Principal Anti-Air Missile System oder Sea Viper) für maritime Anwendungen, das auf Schiffen wie den französischen Horizon-Klasse-Fregatten und britischen Daring-Klasse-Zerstörern eingesetzt wird.[4] Das französische Verteidigungsministerium beschaffte insgesamt mindestens sechs SAMP/T-Systeme zur Verwendung im Heer und weitere sechs Systeme für die französische Luftwaffe, wo es die Bezeichnung „Mamba“ trägt.[5] Auch die italienische Armee orderte ebenfalls sechs SAMP/T. Die Produktionsrate wurde seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges massiv gesteigert. Lag die Prognose für 2025 ursprünglich bei nur 32 Raketen, wurde sie auf schätzungsweise 80 bis 100 Einheiten pro Jahr hochgefahren.

Varianten

SAMP/T

Ursprüngliche Version einwickelt von Eurosam und gekauft von Frankreich und Italien.

SAMP/T NG

Nächste Generation mit größerer Reichweite, besserer Radarabdeckung und verbesserten Block-1-NT-Aster-Raketen. Gekauft von Frankreich und Italien. Verfügbar seit 2025 erfolgen erste Auslieferungen im Jahr 2026.[6]

Die Ukraine wird laut dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron acht SAMP/T-NG-Systeme noch vor Frankreich und Italien erhalten. Präsident Macron sagte: „Wir haben vereinbart, dass dieses System [SAMP/T NG] nach seiner Entwicklung zunächst in der Ukraine eingesetzt wird und dort auch zum Einsatz kommen wird.“[7]

Das SAMP/T-NG-System verfügt über eine erweiterte Einsatzfähigkeit und bietet eine 360°-Radarabdeckung. Es kann mit dem französischen Thales-GF-300-Radar oder dem italienischen Kronos-GMHP-Radar erworben werden.[8] Die neuen Radarsysteme können zeitgleich bis zu 1000 Ziele verfolgen, welche in einer Entfernung von 150 km und in einer Höhe von 25 km bekämpft werden können.[9] Das System hat eine typische Besatzung von 20 Mann pro Batterie,[9] wobei im stationären Zustand nur drei Personen für den Betrieb erforderlich sind.[10]

Technik

Technische Abwehrmöglichkeiten

Das System wird zum Schutz vor UAVs, Marschflugkörpern, ballistischen Kurzstreckenraketen und Kampfflugzeugen eingesetzt.[11] Die Bekämpfungsreichweite des SAMP/T-Systems variiert je nach Zieltyp und Raketenvariante, hauptsächlich werden Aster-30-Lenkflugkörper verwendet. In Bezug auf Luftziele, wie beispielsweise Flugzeuge, beträgt die horizontale Reichweite bis zu 150 km und die Höhe bis zu 25 km. Der Schutz vor ballistischen Raketen und hyperschallschneller Marschflugkörper sind von entscheidender Bedeutung.[12] Die Reichweite der abzufangenden ballistischen Raketen beträgt bis zu 600 km, wobei die effektive Bekämpfungsreichweite etwa 30 bis 60 km beträgt. Diese Angaben sind abhängig von der jeweiligen Variante (NG- oder B1NT-Variante).[13]

Gefechtsgliederung

Radar Arabel (SAMP/T)

Im Wesentlichen besteht der Aufbau einer SAMP/T-Batterie aus dem Multifunktionsfeuerleitradar mit elektronischer Abtastung, einem Feuerleitstand in Containerbauweise und bis zu sechs Startfahrzeugen mit je acht Aster-30-Flugkörpern, die sich abschussbereit in quaderförmigen Behältern befinden. Wenn die SAMP/T-Batterie mit einem Langstreckenradar verbunden ist, kann es auch zur Abwehr ballistischer Raketen bis 600 km Reichweite eingesetzt werden. Das von Thomson-CSF entwickelte 3D-Multifunktionsradar Arabel dient der Luftraumüberwachung, Zielverfolgung und Raketenlenkung und arbeitet im X-Band. Es hat eine Pulsleistung von 150 kW und soll 100 Ziele gleichzeitig verfolgen können sowie die Uplink-Übertragung von Leitbefehlen an 16 Raketen gleichzeitig verwalten können.[14] Das System verwendet die Aster-30-Rakete aus französisch-italienischer Produktion. Sie ist für ihre hohe Manövrierfähigkeit und Präzision bekannt. Die modernisierten Varianten Aster 30 Block 1 und Block 1 NT haben verbesserte Fähigkeiten, um ballistische Ziele und Hyperschallraketen wirkungsvoller bekämpfen zu können.[4] Die moderne Version SAMP/T-NG kann pro Batterie zusätzlich bis zu sechs Startgeräte mit VL-MICA- oder CAMM-ER-Raketen integrieren. Letztere werden vom britischen Sky-Sabre-Flugabwehrraketensystem verwendet.[4] Der Personalbedarf für den Betrieb einer vollständigen Batterie beträgt etwa 20 Personen.

Fahrzeuge

Die einzelnen Komponenten können auf unterschiedlichen Plattformen aufgebaut werden. Die französischen Systeme sind auf Renault-Kerax-Lastwagen (8×4) aufgebaut, während die Italiener schwere Astra-8×8-LKW verwenden. Singapur nutzt für seine Systeme deutsche Militärlastwagen der MAN-TG-Serie (8×8).[15]

Nutzer

Italienischer SAMP/T-Raketenstart
Singapurisches SAMP/T-Starter-Fahrzeug auf Basis eines MAN-LKW

Gegenwärtig (Stand 2026)

Frankreich Frankreich
Französische Luftstreitkräfte:
  • 7 SAMP/T-Systeme[6]
  • 8 SAMP/T-NG-Systeme bestellt[16]
Italien Italien
Aeronautica Militare:
  • 3 SAMP/T-Systeme[6]
  • 10 SAMP/T-NG-Systeme bestellt[16]
Singapur Singapur
Republic of Singapore Air Force:
Ukraine Ukraine
Ukrainische Luftstreitkräfte:
  • 2 SAMP/T-Systeme gespendet von Frankreich und Italien.[8] Das SAMP/T-System hat sich im Abwehrkampf gegen die russische Aggression als erfolgreich erwiesen. Nach Angaben der französischen Armee haben ukrainische SAMP/T-Luftverteidigungssysteme die Patriot-Raketen beim Abfangen von Iskander-Kurzstreckenraketen übertroffen, nachdem Russland die Flugprofile der Iskander-Raketen modifiziert hatte.[19] Im März 2025 wurde berichtet, dass zu wenige Raketen im Rahmen dieser Unterstützung abgegeben worden seien und dadurch der Einsatz eingeschränkt wurde.[20]

Zukünftig

Danemark Dänemark
Dänische Luftstreitkräfte:
  • 2 SAMP/T-NG-Systeme wurden im September 2025 für 58 Milliarden Dänische Kronen bestellt.[21] Diese sollen ab 2028 einsatzbereit sein[4][22] und bilden die Langstreckenkomponente der dänischen integrierten bodengestützten Luftverteidigungssysteme.[8][23]
Ukraine Ukraine
Ukrainische Luftstreitkräfte:
  • 8 SAMP/T-NG-Systeme werden von Frankreich und Italien gespendet.[24]
Commons: SAMP/T (Flugabwehrraketensystem) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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