Sammy Gravano
US-amerikanischer Mobster
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Salvatore „Sammy the Bull“ Gravano (* 12. März 1945 in Bensonhurst, Brooklyn) ist ein US-amerikanischer Mobster der US-amerikanischen Cosa Nostra in New York City.
“Your behavior is Sammy the Bull like A killer that turned snitch”
„Dein Verhalten ist wie Sammy the Bull Ein Killer, der zum Verräter wurde“

Leben
Jugend
Gravano wurde als Sohn von Giorlando „Gerry“ und Caterina „Kay“ Gravano, die aus Sizilien emigriert waren, geboren. Gravano hatte zwei ältere Schwestern. Er wuchs in Bensonhurst auf, einem Stadtteil mit damals hohem Anteil an Italo-Amerikanern.
Bereits im Alter von sieben Jahren stahl er auf seinem Weg zur Schule täglich zwei Cupcakes aus einem örtlichen Laden, bis er vom Ladenbesitzer erwischt wurde und eine Verwarnung erhielt. Im Alter von 13 Jahren trat er der Jugendbande „Rampers“ bei, die in Bensonhurst ihr Unwesen trieb.
Da er eine große Ähnlichkeit mit seinem Onkel Salvatore („Sammy“) gehabt haben soll, sprach man ihn auch mit Sammy an. Seinen Spitznamen „The Bull“ und somit „Sammy the Bull“.[1] bekam er von Mafiosi, die ihn bei einer Auseinandersetzung mit Fahrraddieben aus einem benachbarten Café beobachteten. Sie meinten, dass er wie ein "Bulle" (Stier) kämpfen würde.
Seine Leistungen in der Schule waren aufgrund seiner Legasthenie durchweg schlecht; er wurde wegen seiner Leistung zweimal nicht in die nächste Stufe versetzt. Die Hänseleien seiner Mitschüler beantwortete er stets mit Gewalt. Auch die Versuche seines Vaters, ihn gesetzestreu zu erziehen, scheiterten. Im Alter von 16 Jahren wurde er von der Schule verwiesen.[2] 1964 wurde er in die United States Army eingezogen, diente dort zwei Jahre, überwiegend als Koch, und wurde im Range eines Corporals ehrenhaft entlassen.[3]
Kriminelle Karriere
Jugendbanden wie jene, der Gravano angehörte, wurden von den Mafiosi als Rekrutierungspool genutzt. Somit konnte Gravano Kontakte, insbesondere zur Colombo-Familie – einer der Fünf Familien von New York City –, knüpfen und galt bald als Associate innerhalb der amerikanischen Cosa Nostra. Andere Associates der Colombo-Familie kannte er noch aus Kindertagen, insbesondere seinen Jugendfreund Gerard Pappa.
1971 heiratete er Debra Scibetta. Als Vollmitglied sollte er später ihren Bruder Nicholas Scibetta ermorden.[4] Gravano ist zudem der Schwager der Gambino-Capos Edward und Mario Garafol. 1977 wurde er, nachdem er zuvor einen Auftragsmord erfolgreich ausgeführt hatte, als Vollmitglied in die Gambino-Familie unter Paul Castellano aufgenommen.
In seiner Jugend hatte sich Gravano noch mit Einbruchdiebstahl und Raub durchgeschlagen. Nach seiner Aufnahme in die Gambino-Familie wurde er Inhaber einiger Cocktailclubs und stieg ins Baugeschäft ein, das damals in ganz New York City vom Organisierten Verbrechen kontrolliert wurde, insbesondere durch die Unterwanderung und Korrumpierung der Gewerkschaften. Außerdem kontrollierte der Clan über James Failla seit den 1960er Jahren die Müllabfuhr der Stadt.
Im Jahr 1985 wurde Gravano wegen Steuerhinterziehung angeklagt und freigesprochen; im selben Jahr beteiligte er sich zusammen mit John Gotti an der Ermordung von Paul Castellano. In diesem Zusammenhang hatten Gravano und Frank DeCicco vereinbart, Gotti zu beseitigen, wenn sie nach einem Jahr mit seiner Amtsführung als Boss der Gambino-Familie nicht zufrieden sein sollten. 1987, zwei Jahre später, stieg er unter dem neuen Boss Gotti zum Consigliere auf und wurde 1990 dessen Stellvertreter und damit Vize-Boss der Gambino-Familie.
Pentito
Anfang der 1990er Jahre brachen zum ersten Mal auf breiter Ebene führende Mafiaangehörige das ansonsten so obligatorische Schweigen (Omertà) und arbeiteten mit der Regierung zusammen. Auch Gravano wurde zu einem solchen „Pentito“.
Gravano war über den Führungsstil Gottis enttäuscht; kritisierte insbesondere dessen – bis dahin in Mafiakreisen unübliche – Medienpräsenz und die damit verbundene Aufmerksamkeit; Gotti wollte von dieser Kritik angeblich nichts hören. Hinzu kam ein Streit über die prozentualen Gewinnanteile, die jedes Familienoberhaupt von seinen Untergebenen einfordern konnte. Gotti verlangte sehr hohe Gewinnanteile, und auch Gravano wurde als Consigliere und schließlich Unterboss nicht davon ausgenommen.
Zum Bruch kam es schließlich, als das FBI Gravano Mitschnitte von Gesprächen zwischen Gotti und anderen Mafiosi vorspielte.
Ende 1990 hatte das FBI ausreichend Beweismaterial – insbesondere durch diese heimlich abgehörten Gespräche – gesammelt, um ihn von der Staatsanwaltschaft anklagen zu lassen. Gotti, Gravano und Frank LoCascio wurden schließlich im Ravenite Social Club in Little Italy verhaftet und wenig später auch angeklagt.
In den mitgeschnittenen Gesprächen ist Gotti zu hören, wie er sich über Gravano auslässt und ihm vorwirft, zu gierig zu sein und eine Familie innerhalb der Familie gründen zu wollen. Auch zählte er dabei zahlreiche von Gravano begangene Morde auf. Zu alledem soll auch eine mögliche Ermordung Gravanos erwogen worden sein. Im Herbst 1991 entschloss sich Gravano dazu, als Kronzeuge gegen Gotti auszusagen, und wurde anschließend in die FBI-Ausbildungsstätte in Quantico, Virginia, verlegt.
Im selben Jahr sagte Sammy Gravano u. a. gegen Vincent Gigante, John Gotti und dessen Consigliere Frank LoCascio aus. In diesem Zusammenhang enttarnte er auch die von Gigante vorgespielte Senilität. Er zitierte dabei eine angebliche Äußerung John Gottis, der Gigante 1988 nach einem Treffen als „Crazy like a fox“ bezeichnet haben soll. Alphonse D’Arco, ein ehemaliger Unterführer der Lucchese-Familie, bestätigte Gravanos Aussage zur Zurechnungsfähigkeit und Teilnahme Gigantes an hochrangigen Mafiatreffen, bei denen dieser zugegeben habe, dass sein exzentrisches Verhalten ein Täuschungsmanöver war.
Durch diese Aussagen wurde Gravano zum bis dahin ranghöchsten Mafioso, der zum Pentito wurde und somit die Omertà brach. Ihm folgten weitere ranghohe Mafiosi, 1993 Anthony Casso – Consigliere und Underboss der Lucchese-Familie – sowie 2004 Joseph Massino – damals Boss der Bonanno-Familie –.
Gotti und LoCascio wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Gravano, der im Prozess 19 Morde gestanden hatte – 11 davon im Auftrage Gottis –, erhielt eine reduzierte Strafe von fünf Jahren wegen des Verstoßes gegen den RICO-Act. Für seine Aussage war ihm Straffreiheit hinsichtlich seiner Morde zugesagt worden.
Rückfall in die Kriminalität
Einige Jahre nach dem Gotti-Prozess wurde Gravano aus der Haft entlassen. Er begann mithilfe des Zeugenschutzprogramms in Arizona ein neues Leben mit neuem Namen und der Biografie eines normalen Arbeiters. Bald jedoch nahm er seine kriminellen Kontakte wieder auf und stieg mit seinen alten Kumpanen und einigen Verwandten in den Drogenhandel ein. Sie bauten zusammen ein flächendeckendes Netzwerk für die Designerdroge Ecstasy in ganz Arizona auf.
Seine Aktivitäten blieben der Mafia jedoch nicht verborgen; die Gambino-Familie spürte ihn schließlich auf und setzte ein Mordkommando auf ihn an. Bevor dieses jedoch zuschlagen konnte, wurde Gravano 1999 verhaftet und im September 2001 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Mit ihm wurden seine Frau Debra, seine Tochter Karen sowie sein Sohn Gerard als Komplizen verhaftet. Sein Sohn erhielt eine Haftstrafe von neun Jahren, seine Frau und seine Tochter Bewährungsstrafen.
Dieser erneute Einstieg in die kriminelle Szene hatte auch in anderen Strafverfahren Folgen. Als 1999 der Boss der Westies, einer Bande, die mit der Gambino-Familie kooperierte, in Miami verhaftet wurde, konnte offenbar kein Verfahren eröffnet werden, da Gravano als rückfälliger Krimineller als nicht mehr glaubwürdig galt. Der gebürtige Serbe Bosko Radonjich entzog sich nach seiner Freilassung einer weiteren Verfolgung durch seine Rückkehr nach Jugoslawien.
Gravano leidet seit seiner Inhaftierung an Morbus Basedow; er hat beträchtlich an Gewicht und zudem auch seine Haare verloren.[5] In Phillip Carlos Buch „Confessions of a Mafia Boss“[6], welches das Leben von Anthony Casso beschreibt, wird Casso dahingehend zitiert, dass Gravano seine Zelle nur noch zur Nahrungsaufnahme verlassen und auch selten an Gottesdiensten teilgenommen haben soll.
Ab Mai 2012 war Gravano in einem Gefängnis in Arizona inhaftiert und wurde am 18. September 2017 auf Bewährung entlassen.
Adaptionen
Musik
Die Band The Mighty Mighty Bosstones veröffentlichen 2002 den Song Mr. Moran, der sich mit Sammy Gravano beschäftigt. Das Intro besteht aus den gesprochenen Worten:
“My name is Salvatore Gravano. Early in my life i was given the nickname ‚Sammy the Bull‘. I was arrested with John Gotti. I was his underboss and second of command in the Gambino family.”
„Mein Name ist Salvatore Gravano. Schon früh in meinem Leben gab man mir den Spitznamen ‚Sammy der Bulle‘. Ich war zusammen mit John Gotti inhaftiert. Ich war sein Unterführer und Stellvertreter in der Gambino-Familie.“
Der Rapper Proof veröffentlichte auf dem Album Searching for Jerry Garcia ein Lied mit dem Namen Sammy da Bull.
Rick Ross erwähnt Gravano zusammen mit John Gotti in seinem Song B.M.F. (Blowin’ Money Fast).
Sammy the Bull wird ebenfalls in dem Song These Walls von Kendrick Lamars Album To Pimp a Butterfly erwähnt:
“Your behavior is Sammy the Bull like.
A killer that turned snitch”
„Dein Verhalten ist wie Sammy the Bull.
Ein Killer, der zum Verräter wurde“
Film
- 1994 wurde Gravano von Ron Gabriel in Allein gegen die Unterwelt (Fernsehfilm von CBS) dargestellt.[7]
- 1996: Der Untergang der Cosa Nostra (USA), (2005 ins Deutsche übersetzt) Gravano wird von William Forsythe dargestellt.
- 1998: verfilmte Regisseur Thaddeus O’Sullivan die Gangsterkarriere von Gravano im Film The Mob – Der Pate von Manhattan (Originaltitel: Witness to the Mob).
- 2018: In der Filmbiografie Gotti wird Gravano von William DeMeo dargestellt.
Literatur
- Peter Maas: Underboss : Sammy the Bull Gravano's story of life in the Mafia, New York 1997, HarperCollins Publishing Company, ISBN 978-0-06-109664-8, OCLC 38229842
- Deutsche Übersetzung von Harald Riemann: Underboss: Ich war der zweite Mann ; die Lebensgeschichte des Mafia-Bosses Sammy „The Bull“ Gravano, München/Wien 1998, Bern/Scherz, ISBN 3-502-18430-5.
- Karen Gravano und Lisa Pulitzer: Mafiatochter – Aufgewachsen unter Gangstern (Mein Leben mit Vater Sammy "The Bull" Gravano). Hannibal Verlag, Höfen 2012, ISBN 978-3-85445-387-1 (Originalausgabe: Mob Daughter)