Sant’Elena (Venedig)

Kirchengebäude im Sestiere Castello, Venedig, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

Sant’Elena ist die am weitesten im Osten der Kernstadt Venedigs liegende Kirche. Zugleich gehört sie zum Sestiere Castello. Der Komplex aus Kloster und Kirche reicht bis in das späte 12. Jahrhundert zurück.

Außenfassade der Kirche, 2014
Die Kirche mit ihrem 51 m hohen[1] Campanile von Süden gesehen
Kloster
Altarretabel
Die Seitenkapelle der Namenspatronin
Saal in der Brera-Pinakothek zu Mailand, links das Werk Anbetung der Heiligen drei Könige mit der Heiligen Helena von Jacopo Palma dem Älteren, das unter Napoleon aus der Kirche Sant’Elena geraubt wurde

Geschichte

Gründung (um 1175), Patrozinium, Dominanz der Prioren

Wie bereits Flaminio Corner feststellte, ließ Vital Michieli, der Bischof von Castello um das Jahr 1175 auf eigene Kosten unter dem Patrozinium der hl. Helena ein Hospiz errichten, zu dem bereits ein Kloster gehörte. Dabei behielt der Bischof sich und seinen Nachfolgern das Recht vor, den Prior zu bestimmen. Er und die Bewohner waren später Regularkanoniker. Die Einrichtung wurde 1211 oder 1212 unter dem Dogen Pietro Ziani renoviert.

Im Hospiz lebten Arme und Pilger. Im Jahr 1233 überließ der Bischof von Castello, Marco Michiel, in Übereinstimmung mit seinem Kapitel, einem Demetrio, der zu dieser Zeit Prior war, die Führung (möglicherweise fand die obige Renovierung erst zu dieser Zeit statt). Das Recht, den neuen Prior jeweils zu bestätigen, behielten sich die Bischöfe vor, während der Prior für die Ansiedlung von Mönchen zuständig sein sollte. Dafür musste er zum Fest der Helena alljährlich eine Abgabe von zwei Amphoren Wein leisten. Zugunsten seiner Kanoniker kam es bald zu Übertragungen von Landbesitz um Treviso und Padua. Einer dieser Regularkanoniker namens „Aicardo“ brachte aus der Helenenkirche in der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel die Reliquien der Heiligen mit. Nach Flaminio Corner berichtete dies bereits Andrea Dandolo in seiner Chronik.[2]

Olivetani

Im Zuge des Avignonesischen Schismas erlitt der Klosterkomplex einen derartigen Niedergang, dass die Einnahmen nur noch für den Unterhalt des Priors genügten. 1407 änderte der Große Rat den Status der Einrichtung. So wurde der Prior dem Dogen unterstellt, das Kloster der Kongregation der Olivetanermönche überlassen (von Gregor XII. mit Urkunde vom 21. Oktober 1407 veranlasst), somit Benediktinern, die den Komplex am 23. Oktober des Jahres übernahmen. Zukünftig setzte der Doge, dem das Land als ewiges Lehen übertragen wurde, die zukünftigen Prioren durch feierliche Investitur des Klosters und seiner Einkünfte ein.

Nur durch die Unterstützung einer Reihe von Laien konnte das heruntergekommene Kloster wiederbelebt werden. Tommaso Talenti († 1403) überließ dem Haus in seinem Testament von 1397 die Summe von 7000 Dukaten, wofür er in der Kirche, einem Bau der Backsteingotik, beigesetzt wurde, ebenso wie seine Frau Margherita, die dem Kloster 1600 Dukaten hinerließ. Der großzügigste Spender war allerdings der Florentiner „Alessandro Borromæo“, der der hl. Helena eine eigene Seitenkapelle stiftete. Die Kirche wurde am 18. April 1515 vom Bischof von Kissamos auf Kreta, Domenico Aleppo, neu geweiht.

Das erneut verarmte Kloster am äußersten Rande Venedigs hatte Papst Alexander VI. im Jahr 1493 mit dem Kloster Santi Vito e Modesto di Spinea im Gebiet von Treviso vereint. 1561 kamen weitere Maßnahmen dieser Art, nämlich mit zwei Kirchen im Gebiet von Vicenza hinzu, deren Pfarrer der Abt und die Mönche von Sant’Elena nicht nur einsetzen, sondern auch absetzen konnten.

Napoleon, Serviten (1928–2016), Salesianer

Unter Napoleon, der 1807 zahlreiche geistliche Einrichtunggen auflösen und zusammenlegen ließ, wurde der Gebäudekomplex geschlossen. Die Urne der Helena wurde in die Basilika San Pietro di Castello überführt, und das Renaissanceportal an der Fassade der Kirche Sant’Aponal wieder aufgebaut.

Auf der Insel wurde biscotum, eine Art Schiffszwieback, für das nahegelegene Arsenal und seine Schiffsbesatzungen, vor allem aber die zahlreichen Schiffbauer, Kalfaterer usw. produziert. Dazu standen 34 Öfen bereit, die hauptsächlich von Bewohnern des Reiches (tedeschi) unterhalten wurden. Noch zu Cicognas Zeiten arbeiteten dort 29 Öfen. Dabei bestand eine Zweiteilung, denn im Bereich der Chiesa inferiore standen Mühlen, die das nötige Mehl bereitstellten, während an der Chiesa superiore ein großer Mehlspeicher angelegt wurde.[3]

Die Kirche wurde 1928 wieder für den Gottesdienst geöffnet und den Serviten anvertraut. Die besagte Urne wurde wieder im Inneren der Kirche aufgestellt. Der Glockenturm wurde nach einem Entwurf des Ingenieurs Forlati wieder aufgebaut. Auch das Portal wurde wieder von S. Aponal zurückgeholt. Nicht zurückgeholt wurde hingegen das ursprüngliche Retabel des Hauptaltars, das die Anbetung der Heiligen drei Könige mit der Heiligen Helena darstellte, ein Werk, das Jacopo Palma der Ältere geschaffen hatte und das in der napoleonischen Ära nach Mailand in die Pinacoteca di Brera gelangt war.

2016 verließen die Serviten die Pfarrei und die Kirche und übergaben sie den Salesianern Don Boscos, die in den benachbarten Pfarreien des Stadtteils schon länger tätig waren. Nordwestlich der Kirche befindet sich eine Grundschule mit dem Namen der Patronin, die Scuola dell’infanzia Sant’Elena, östlich der Kirche der kleine Hafen Marina Santelena.

Literatur

Commons: Sant’Elena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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