Gempenplateau

Landschaft/Naturdenkmal von nationaler Bedeutung in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Gempenplateau ist ein Hochland in der Nordwestschweiz, südöstlich von Basel.

Geografie

Gempenplateau mit Aussichtsturm

Das Plateau des Tafeljuras liegt in 600 bis 700 Metern Höhe und gehört zum Kanton Solothurn, der hier am weitesten nach Norden vorstösst. Auf weiten Strecken bilden steile Waldflanken und Fluhreihen (Felswände) die Grenze gegen die zum Kanton Basel-Landschaft gehörenden tieferen Gebiete. Nach Süden bildet der Seebach (Abfluss des Baslerweihers sowie des früheren Seewener Sees) eine natürliche Grenze.

Politisch ist das Hochland auf die Gemeinden Gempen und Hochwald sowie das nördliche Gemeindegebiet von Seewen aufgeteilt. Die solothurnischen Gemeinden Büren und Nuglar-St. Pantaleon gehören bereits zum Oristal; Dornach, das als Hauptort mit den anderen Gemeinden den östlichen Teil des Bezirks Dorneck bildet, gehört zum Birstal.

Vorgeschichte

Höhle beim Karussellplatz in der Ermitage von Arlesheim

Die geschützte Lage am Gempenplateau begünstigte die frühe Besiedlung des Gebietes. In den Höhlen Birseck-Ermitage und Hollenberg 3 wurden Funde des Magdalénien aus der Zeit um 10.000 v. Chr. entdeckt. Birseck-Ermitage wurde 1910 von Fritz Sartorius-Preiswerk (1862–1935) und Hollenberg 3 von Martin Herkert 1950 entdeckt.

Die Höhlen enthielten Spuren von Anhänger aus Schnecken- und Muschelschalen, Feuer und Speerspitzen aus Rentiergeweih. Aus dem späten Paläolithikum zeugen Feuersteinwerkzeuge und "Galets Colori", rotstreifig bemalte Kalksteinkiesel. Aus dem Mesolithikum (ca. 6000–5000 v. Chr.) wurden in der Birseck-Hermitage-Höhle und am Abri bei Hohlefels, der 1905 von Fritz Sarasin ausgegraben wurde, gefunden. Auch einige Grabbeigaben aus der Übergangszeit zwischen Mesolithikum und Neolithikum (um 5200 v. Chr.) wurden entdeckt. Mehrere Axtklingen wurden im gesamten Gemeindegebiet gefunden, insbesondere in der Dachsenhöhle und der Kleinen Höhle am Hohlefels, die 1952–1954 von Martin Herkert, Bernhard Hesse und Andreas Schwabe ausgegraben wurden. In der Kleinen Höhle fand man zudem Skelettreste von Kindern mit Grabbeigaben sowie eine typologische Feuerstein-Speerspitze. Keramikgefäße der Horgener Kultur (um 3000 v. Chr.) wurden ebenfalls entdeckt. Aus der Bronzezeit wurden nur wenige, zumeist generische Objekte gefunden. Bislang wurden keine Funde aus der Eisenzeit gemacht.

Strategische Bedeutung

Vom Gempenplateau hat man eine umfassende Aussicht in die umliegenden Täler. Deshalb waren in früherer Zeit, als der Kanton Solothurn noch ein selbständiger Staat war, auf der Schartenfluh, der Schauenburgerfluh (östlich des Plateaus, oberhalb von Liestal) und auf der Anhöhe südöstlich von Gempen sogenannte Hochwachten eingerichtet. In unsicheren Zeiten hielten hier Solothurner Mannschaften Ausschau und hatten nachts durch lodernde, tags durch rauchende Feuer wichtige Mitteilungen von Hochwacht zu Hochwacht weiterzugeben und die Bevölkerung zu alarmieren.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gempengebiet mit den Artilleriestellungen Gempenplateau massiv militärisch verstärkt. Hintergrund war das Manöver H, eine für den Fall eines deutschen Angriffs auf die Schweiz geplante französisch-schweizerische Militärkooperation. Dabei eignete sich das Gempenplateau als Verteidigungsstellung gegen eine Umgehung der französischen Maginot-Linie durch deutsche Truppen.[1] Zahlreiche Bunker und andere Fortifikationen haben sich bis heute erhalten. Ein Teil der vorbereiteten Stellungen eignet sich offensichtlich auch für die Benützung durch französische Artillerie.[2]

Aussichtsturm

Luftbild des Gempenplateaus von Süden

Die höchste Erhebung auf dem Gempenplateau ist der 760 Meter hohe Scharten. An dessen höchstem Punkt steht der 1897 erbaute Gempenturm mit seiner Aussicht über die ganze Region Basel. An klaren Tagen sieht man von dort die Vogesen, den Schwarzwald und manchmal die Schweizer Alpen. Aufgrund seiner unmittelbar südöstlich des Turmes gelegenen Fluh – der Schartenfluh – ist der Scharten von weither zu sehen. Er wird umgangssprachlich auch als «Gempenstollen» oder schlicht als «der Gempen» bezeichnet.

Wasserarmes Hochland

Das Hochland ist gewellt und in der Mitte von der Mulde von Gempen nach Hochwald durchzogen. Auf dem gesamten Plateau ist kein Bach zu finden und um die Dörfer und trockenen Felder, Wiesen und Weiden ist das Hochland stark bewaldet. Wegen des rauen Klimas regnet es hier zwar eher etwas mehr als in den Gebieten um Basel, aber die Geologie des Tafelberges ist für die Wasserarmut verantwortlich. Der Untergrund des Plateaus besteht aus Kalkstein und Ton. Die Schichten sind nicht gefaltet, sondern liegen waagrecht. Da der Kalkstein von Wasser aufgelöst wird, ist der Untergrund mit zahlreichen Spalten (Karst) durchzogen und wasserdurchlässig, so dass das Regenwasser versickert (Sickerwasser). Der Wassermangel auf dem Berg ist ein grosses Problem und es muss in Sodbrunnen oder unterhalb des Plateaus gefasst und hochgepumpt werden.

Naturschutz

Das Gempenplateau mit allen Gemeinden des östlichen Dornecks befindet sich im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN).

Dorneckberg

Gempenplateau ist ein naturräumlicher Begriff und das Gempenplateau ist nicht klar umgrenzt. Die einheimische Bevölkerung braucht im Allgemeinen die althergebrachte Bezeichnung Dorneckberg, mundartlich Dornechbäärg. Dies sind die Berggemeinden des solothurnischen Bezirks Dorneck, und somit gehört die Gemeinde Seewen auch zum Dorneckberg. Es gibt den «Zweckverband Primarstufe Dorneckberg», in Büren ist das «Oberstufenzentrum Dorneckberg» und in Hochwald das «Jugendhaus Dorneckberg». Die Bezeichnung Gempenplateau wurde durch den Schulunterricht populär und wird vor allem von Auswärtigen benutzt.[3][4]

Einzelnachweise

Literatur

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