Meeresschnecke

Schnecken, die im Meer leben From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Meeresschnecken oder Meerschnecken[1] werden jene Familien und Arten von Schnecken bezeichnet, die im Meer leben. Durch das salzhaltige Wasser haben sie teilweise eine von Süßwasser- und Landschnecken verschiedene Biochemie.[2]

Meeresschnecke (Euthria cornea) mit Eikapseln

„Meeresschnecke“ ist kein Taxon und schließt auch eine große Anzahl von Schnecken ein, die kein Gehäuse tragen, wie beispielsweise die Hinterkiemerschnecken. Anders als bei den einschaligen Napfschecken und den aquatischen Gehäuseschnecken, sind marine Nacktschnecken jedoch weniger erforscht, nicht zuletzt weil es keine Fossilien von ihnen gibt.

Geschichte

Stilleben mit Spanschachtel und Meeresschnecken, Jacques Linard, 17. Jahrhundert
Einige Napfschecken (Patellogastropoda)

Fossile Schnecken sind seit dem frühen Kambrium vor ca. 530 Millionen Jahren bekannt, wobei bei den ältesten Funden allerdings nicht endgültig geklärt ist, ob sie wirklich zur Klasse der Schnecken zu zählen sind. Diese ersten Arten lebten im Meer von Algen, möglicherweise auch von Schwämmen. Im Erdaltertum waren Arten der Gattung Bellerophon verbreitet. Echte Süßwasser- und Land-Lungenschnecken sind mit Sicherheit erst ab dem Erdmittelalter (Jurazeit) bekannt,[3] doch dürften in früheren Erdperioden (Trias, spätes Paläozoikum) durchaus auch schon Schnecken auf dem Festland oder im Süßwasser gelebt haben.

Da die Klasse der Schnecken aus dem Meer stammt, bilden die Meeresschnecken keine geschlossene systematische Gruppe. Die ersten Gastropoden ähnelten den heutigen Napfschnecken, Nixenschnecken, Lochschnecken und den Seeohren, die äußerlich wie Muscheln aussehen. Diese Arten haben dann eine verminderte Ausprägung der sonst bei Schnecken festzustellenden Rechts-Links-Symmetrie. Im Laufe der Zeit hat sich eine große Artenvielfalt entwickelt. Es gibt harmlose Weidegänger und giftige Räuber. Viele Schnecken bilden massive Gehäuse, um sich vor Feinden zu schützen. Die Nacktkiemer und die Seehasen verzichten auf eine Schale und schützen sich durch Tarnung oder mit Nesselzellen, die sie mit ihrer Nahrung aufnehmen und in fransigen Körperfortsätzen einlagern. Es gibt etwa 40.000 verschiedene marine Gastropoden, und an verschiedenen Stellen des Stammbaums zweigen im Süßwasser und an Land lebende Taxa ab.

Marine Lebensräume

Hypselodoris bullocki, eine aquatische Nacktschnecke aus der Familie der Prachtsternschnecken (Chromodorididae)

Die Meerestiere besiedeln alle Bereiche von der Brandungszone bis in die Tiefsee, von den Polen bis zum Äquator. Es gibt sie in Korallenriffen, auf Schwämmen, im Sandboden, an Felsen und Tangen und frei im Meer schwimmend.

Je nach Lebensraum und Ernährungsgewohnheiten haben Meeresschnecken sehr unterschiedliche Lebensweisen entwickelt, um sich an ihre jeweiligen Habitate anzupassen. Die Veilchenschnecke lebt unter einem selbstgebauten Floß aus Schleimblasen. Damit treibt sie über das Meer und frisst Quallen, wenn sie auf sie trifft. Sogar an den schwarzen Rauchern leben Schnecken. Die bekannteste ist die "Scaly Snail" mit ihren eisenhaltigen Körperschuppen.[4]

Nicht weniger bemerkenswert sind Wurmschnecken: Sie verwachsen mit dem Korallenriff und ernähren sich, indem sie Plankton mit einem Schleimnetz aus dem Wasser fangen. Kegelschnecken machen mit Giftpfeilen Jagd auf Fische. Sogar eher einfache Vertreter wie die Napfschnecken legen als revierbildende Weidegänger interessante Verhaltensweisen an den Tag.[5]

Gehäusetragende Arten

Schon in der Steinzeit fertigten Menschen Schmuckstücke aus den Gehäusen der Columbella rustica
Kegelschnecken der Gattung Conus, wie der Weberkegel, sind wegen ihrer prachtvollen Gehäuse auch bei Sammlern oder als exotisches Souvenir beliebt.

Bau und Form der Gehäuse

Die Gehäuse bilden sich ausgehend vom Mantelrand und besitzen vielfach kräftige Farben und innen manchmal Perlmuttglanz. Die Musterung gehäusetragender Meeresschecken entstehen meist durch das Deponieren von Abfallprodukten des Eiweiß-Stoffwechsels. Insgesamt ist die Färbunf gehäusetragender Arten überwiegend weniger auffällig, als die insgesamt deutlich weniger auffällig, als es bei Spezies ohne Gehäuse (z. B. bei Prachtsternschnecken) der Fall ist, die des Öfteren Signalfarben aufweisen.

Verwendung durch den Menschen

Die Gehäuse von Meeresschnecken dienen nicht nur in verschiedenen Kulturen der Herstellung Schneckenhörnern, sondern wurden von Menschen bereits seit der Steinzeit zur Herstellung von Schmuck – sowie später von Muschelgeld – verwendet.

Kulinarische Verwendung von Meeresschenecken

Gegrillte Turbanschnecken (Turbo sazae) gelten in Japan als Delikatesse

Viele Meeresschnecken werden von Menschen als Nahrungsquelle genutzt, wobei sie auch unter der Sammelbezeichnung „Meeresfrüchte“ angeboten werden. Bei einigen Arten hat die Verwendung als begehrtes Lebenmsmittel den Bestand bereits stark gefährdet.

Neben den Seeohren, die in der asiatische Küche sehr beliebt sind, betrifft dies z. B. die Purpurschnecken – allerdings wegen der Herstellung des seit dem Altertum beliebten Purpurs.[6]

Einige Arten, die als Nahrungsmittel verwendet werden (Auswahl): - Gemeine Napfschnecke (Patella vulgata) - Große Fechterschnecke (Aliger gigas) - Wellhornschnecke (Buccinum undatum) - Turbanschnecken (Turbinidae) - Seeohren (Haliotis)

Einzelnachweise

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