Zell (Kärnten)

Gemeinde im Bezirk Klagenfurt-Land, Kärnten From Wikipedia, the free encyclopedia

Zell, slowenisch Sele, ist eine im Norden der Karawanken gelegene zweisprachige Gemeinde mit 587 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Bezirk Klagenfurt-Land in Österreich, im Bundesland Kärnten.

Schnelle Fakten ZellSele, Wappen ...
Zell
Sele
WappenÖsterreichkarte
Wappen von ZellSele
Zell (Kärnten) (Österreich)
Zell (Kärnten) (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Kärnten Kärnten
Politischer Bezirk: Klagenfurt-Land
Kfz-Kennzeichen: KL
Hauptort: Zell-Pfarre/Sele-Fara
Fläche: 75,44 km²
Koordinaten: 46° 28′ N, 14° 23′ O
Höhe: 948 m ü. A.
Einwohner: 587 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 7,8 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9170
Vorwahl: 04227
Gemeindekennziffer: 2 04 41
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Zell-Pfarre 75
9170 Zell
Website: www.zell-sele.at
Politik
Bürgermeister: Heribert Kulmesch (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2021)
(11 Mitglieder)
5
5
1
5 5 1 
Insgesamt 11 Sitze
Lage von Zell
Sele im Bezirk Klagenfurt-Land
Lage der Gemeinde Zell (Kärnten) im Bezirk Klagenfurt-Land (anklickbare Karte)GrafensteinMagdalensbergMaria RainMoosburgZellKlagenfurt
Lage der Gemeinde Zell (Kärnten) im Bezirk Klagenfurt-Land (anklickbare Karte)
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Sele!/|BW]]
Zell-Pfarre und Koschuta

Geographie

Geographische Lage

Zell liegt in einem abgeschiedenen Seitental an der Nordseite der Karawanken an der slowenisch-österreichischen Staatsgrenze, ungefähr 20 km südlich von Klagenfurt und 6 km südlich von Ferlach. Die Seehöhe des Gemeindegebiets liegt zwischen 587 m (beim Zusammenfluss der Ribnitza mit dem Waidischbach) und 2139 m (Hochobir). Der Hauptsiedlungsraum am Talboden, der in Ost-West-Richtung verläuft, befindet sich in einer Höhe von ungefähr 950 m.

Zell wird von folgenden Bergen umrahmt: Ferlacher Horn (Grlovec, 1840 m) und Freiberg (Setiče, 1923 m) im Norden, Hochobir (2139 m) und Kuhberg (Kravji vrh, 2025 m) im Osten sowie Koschuta (Košuta) mit dem Koschutnikturm (Košutnikov turn, 2136 m) im Süden. Die Koschuta bildet auch die Grenze zu Slowenien. Ein Teil des Freibacher Stausees, der 1958 von der Kelag zur Stromgewinnung angelegt wurde,[1] liegt am Gemeindegebiet von Zell. Bevor aufgestaut wurde, gab es am Freibach in diesem Bereich ein paar Häuser und Sägen, die man heute noch bei Niedrigwasser sehen kann.

Zell-Pfarre
Peiner Kobla in Zell-Pfarre mit Koschuta im Hintergrund
Alte Sägemühle, noch in Verwendung, in Zell
Freibacher Stausee

Gemeindegliederung

Zell ist in die drei Katastralgemeinden Zell im Winkel (Sele v Kotu), Zell bei der Pfarre (Sele pri Cerkvi) und Zell bei Sonnegg (Sele pri Ženeku) gegliedert. Das Gemeindegebiet umfasst folgende 7 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2025[2]):

  • Zell-Freibach (Sele-Borovnica) (141)
  • Zell-Homölisch (Sele-Homeliše) (14)
  • Zell-Koschuta (Sele-Košuta) (0)
  • Zell-Mitterwinkel (Sele-Srednji Kot) (72)
  • Zell-Oberwinkel (Sele-Zvrhnji Kot) (67)
  • Zell-Pfarre (Sele-Cerkev, auch Sele-Fara) (193)
  • Zell-Schaida (Sele-Šajda) (100)

Weitere Ortsteile sind der Weiler Dražja vas und die Rotte Kobla.

Nachbargemeinden

Ferlach Sankt Margareten im Rosental Gallizien
Ferlach Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Eisenkappel-Vellach
Tržič

Geschichte

Zell-Mitterwinkel und Zell Oberwaidisch dürften als erste zwei Gemeindeteile während des 11. Jahrhunderts besiedelt worden sein.[3] Man vermutet, dass die erste Kirche um 1200 errichtet wurde. Wenige Jahrzehnte später erfolgte die erstmalige urkundliche Erwähnung von Cel (1280). Eine kleine Glocke stammt noch aus dem Jahre 1364, dem Jahr, in dem die Zellaner einen eigenen Friedhof erhielten. Damit verbunden war das Recht auf die Spendung der Sakramente und einen wöchentlichen Gottesdienst durch den Kaplan aus dem fünf Gehstunden entfernten Kappel an der Drau.[4] Im Jahr 1492 soll das heutige Gemeindegebiet von osmanischen Truppen durchzogen worden sein, der Türkeneinfall von 1492 ist historisch jedoch nicht belegt. 1524 vermeldete das älteste erhaltene „Hollenburger Urbar“ in Zell 43 Höfe. 1630 wurden die Bewirtschafter zweier Höfe im Sonnegger Bereich (Meležnik und Kališnik) als erste freie Bauern erwähnt.

Von 1732 bis 1733 bauten die Zeller auf eigene Kosten jedoch am Grund der Herrschaft Hollenburg ein Pfarrhaus.[5] 1787 wurde Zell zur eigenständigen Pfarre erhoben, die Bildung der Ortsgemeinde Zell aus den Katastralgemeinden Zell bei der Pfarre, Zell bei Sonnegg und Zell im Winkel folgte im Jahr 1850. Durch die Neuordnung des Österreichischen Staates im Jahr 1848 konnten die Ortsansässigen erstmals einen Bürgermeister wählen.[6] Der erste Bürgermeister war Thomas Ogris. Unter dem im Jahr 1895 gewählte Bürgermeister Janko Kelich wurde die Volksschule eröffnet.[7] Der Unterricht fand bis zur Eröffnung eines Schulgebäudes im Tanzsaal des Gasthauses Maschey (Zell Pfarre Nr. 13) statt. Unterrichtet wurde in einer Klasse sowie zweisprachig (utraquistisch) auf Slowenisch und Deutsch. Kelich führte 1895 die slowenische Sprache als Gemeindeamtssprache ein.[8] Davor wurden die Amtsgeschäfte ausschließlich deutsch abgehandelt. 1908 kam der Landbriefträgerdienst nach Waidisch und Zell, wo an geeigneten Orten Briefkästen aufgestellt wurden.[9]

Bei der Kärntner Volksabstimmung von 1920 stimmten die Einwohner von Zell mit 97 % für den Anschluss an Jugoslawien. In den ersten Jahren nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 setzten sich laut nationalsozialistischer Einschätzung etwa 20 Zellaner „Deserteure“[10] nach Slowenien ab, kehrten aber nach dem deutschen Einmarsch in Jugoslawien im April 1941 zurück und lebten in Ställen, Scheunen und Bunkern. Die wichtigsten Mitglieder der Widerstandsgruppe waren Thomas, Johann, Peter und Valentin Olip, Jernej und Jakob Orasche (Oraže), Franc Pristovnik und die Brüder Florjan und Urh Kelih. Nach der Erstürmung des Bunkers bei der Hlipoutschnik-(Hlipovčnik-)Säge am 2. Dezember 1942 kam es am 16. April 1943 am Landesgericht Klagenfurt „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Prozess vor dem Volksgerichtshof unter dem eigens dazu aus Berlin angereisten NS-Blutrichter Roland Freisler, in dem 12 Männer, davon 7 aus Zell, sowie die ebenfalls aus Zell stammende Maria Olip zum Tode verurteilt, „für immer ehrlos“ erklärt und am 29. April 1943 in Wien hingerichtet wurden.[11] Zu den Hingerichteten zählte auch der erst 17-jährige Janez Oraže.

Am 5. Juli 2012 wurde ein Felssturz beobachtet. Mehrere 1000 m³ Fels waren aus der Nordwand des Koschuta-Massivs gebrochen.[12]

Bevölkerung

Nach der Volkszählung 2001 hatte die Gemeinde Zell 703 Einwohner. Davon gaben 89,1 % Slowenisch als Umgangssprache an, 9,1 % waren deutschsprachig.[13] Zell ist damit die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Kärntner Slowenen und gleichzeitig die einzige Gemeinde mit einer mehrheitlich slowenischsprachigen Bevölkerung. 98,4 % der Bevölkerung besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft.

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 98,1 % der Gemeindebevölkerung, ohne religiöses Bekenntnis sind 1,7 % der Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung

Zell: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
991
1880
 
1.027
1890
 
1.070
1900
 
1.007
1910
 
1.027
1923
 
971
1934
 
1.025
1939
 
1.052
1951
 
1.019
1961
 
951
1971
 
845
1981
 
804
1991
 
738
2001
 
702
2011
 
624
2021
 
603
2025
 
587
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftssektoren

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten in den Wirtschaftssektoren:[14][15][16]

Weitere Informationen Wirtschaftssektor, Anzahl Betriebe ...
Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige
2021[17] 20112001 2021[17]20112001
Land- und Forstwirtschaft 1) 31 8998 323529
Produktion 0 00 000
Dienstleistung 16 1113 302427
Schließen

1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, Arbeitsstätten im Jahr 2021

Tourismus

Zell/Sele ist seit 2013 Teil der Bergsteigerdörfer-Initiative des ÖAV, die den nachhaltigen Tourismus im Sinne der Alpenkonvention fördern soll.[18] Durch das Gemeindegebiet zwischen Eselsattel und Schaidasattel verlaufen der Südalpenweg, der Kärntner Grenzweg, der Panoramaweg Südalpen und der Julius Kugy Alpine Trail, Etappe 2 und 3 (ÖAV/Landesverband Kärnten).[19][20]

Die Anzahl der Übernachtungen liegt bei rund 1000 im Jahr.[21]

Politik

Bei der Nationalratswahl 2008 gab es in Zell mit 25,3 % den höchsten Wähleranteil des LIF österreichweit und gleichzeitig mit 0,7 % den geringsten für die FPÖ.[22]

Die Nationalratswahl 2019 brachte in Zell für die SPÖ 40,0 %, für die ÖVP 27,0 %, für die GRÜNEN 20,0 %, für die NEOS 4,8 % und für die FPÖ 3,8 % Stimmenanteile.[23]

Zell unterhält eine Gemeindepartnerschaft mit Bischofslack in der Oberkrain.[24]

Gemeinderat

Weitere Informationen Jahr, SPÖ ...

Der Gemeinderat von Zell hat 11 Mitglieder.

Jahr SPÖ ÖVP FPÖ EL Link
Gemeinderatswahl 198561-4[25]
Gemeinderatswahl 19915114[25]
Gemeinderatswahl 199761-4[26]
Gemeinderatswahl 200361-4[27]
Gemeinderatswahl 200961-4[28]
Gemeinderatswahl 201561-4[29]
Gemeinderatswahl 202151-5[30]

 Mandate 
0246810121985199119972003200920152021FPÖELÖVPSPÖ
Schließen

Direkt gewählter Bürgermeister ist Heribert Kulmesch (SPÖ).[31]

Wappen

Das Wappen der Gemeinde zeigt symbolisiert die Silhouette des Koschuta-Massivs, das die Südgrenze des Gemeindegebiets bildet, mit dem Kotschutnikturm als höchstem Gipfel. Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 26. Juni 1995 verliehen, die Fahne ist Grün-Weiß mit eingearbeitetem Wappen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Jakob Oraže (1902–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Jernej Oraže (1902–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Florjan Kelih (1908–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Franc Pristovnik (1910–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Urh (Ulrich) Kelih (1912–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Thomas Olip (1913–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Janez Oraže (1925–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Gustav Januš (* 1939), Schriftsteller, Maler und Lehrer

Literatur

  • Hans M. Tuschar: Zell/Sele – Herz der Karawanken. Johannes Heyn, Klagenfurt 1993, ISBN 3-85366-731-7.
  • Hans M. Tuschar/Egon Wassner: Zell – Sele, Österreichischer Alpenverein, Innsbruck 2013, (online)
Commons: Zell (Kärnten) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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