Sen Sōshitsu XV.

japanischer Teemeister From Wikipedia, the free encyclopedia

Sen Sōshitsu XV. (japanisch 千 宗室; im Ruhestand: Sen Genshitsu (千 玄室), auch Daisōshō; * 19. April 1923 in Kyōto; † 14. August 2025 ebenda) war der 15. Iemoto (Großmeister) der Teezeremonie-Schule Urasenke (1964–2002) und ein internationaler Kulturvermittler, der die Idee der „Friedlichkeit durch eine Schale Tee“ weltweit verbreitete.[1][2][3][4]

Sen Sōshitsu, 2007

Leben

Sen wurde als ältester Sohn von Sen Sōshitsu XIV. (1893–1964) in Kyōto geboren.[5] Er studierte zunächst an der Dōshisha-Universität und wurde 1943 als Student zum Dienst bei den Marinefliegern eingezogen.[2][6] 1944 gehörte er zu einer Ausbildungseinheit für Spezialangriffe, wurde aber nicht eingesetzt; diese Kriegserfahrung prägte seine spätere pazifistische Haltung.[1][2]

Nach Kriegsende schloss er sein Studium an der Dōshisha-Universität ab und wandte sich verstärkt Zen und Tee zu.[6] 1949 erhielt er im Tempel Daitoku-ji den Zen-Namen Hōunsai (鵬雲斎).[7] Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1964 als Sōshitsu XV. die Leitung der Urasenke-Schule.[2][5] 1991 wurde ihm an der chinesischen Nankai-Universität ein philosophischer Doktortitel verliehen (Thema: Wirkung des »Chajing« auf die Entwicklung der Teezeremonie).[7]

Im Dezember 2002 übergab er die Amtsführung an seinen Sohn (Sōshitsu XVI.) und nahm den Namen Genshitsu an; seither führte er den Ehrentitel Daisōshō.[8] Er verstarb am 14. August 2025 im Alter von 102 Jahren in seinem Geburtsort Kyōto.[3][4]

Wirken

Sen verstand die Teezeremonie (Chadō) als wirksame Kultur- und Friedensdiplomatie und reiste im Lauf seines Lebens in mehr als 70 Länder, wo er unzählige Teezeremonien abhielt und Zweigstellen von Urasenke aufbaute; dafür galt er in den Medien auch als „fliegender Großmeister“.[1][9][10] Zu den international beachteten Auftritten gehörte eine Teeopfer-Zeremonie am USS Arizona Memorial in Pearl Harbor am 19. Juli 2011.[11][12]

Seine Lehre griff die klassischen vier Prinzipien der Teezeremonie – wa (Harmonie), kei (Respekt), sei (Reinheit) und jaku (Gelassenheit) – auf und betonte das Überwinden sozialer Unterschiede im Geist von „kein Gast, kein Gastgeber“ (無賓主, muhinshu).[1] In seinen Darstellungen hob er die Schlichtheit des Teehauses und den „Tauweg“ (露地, roji) hervor, der die Gäste zur inneren Sammlung führen solle.[1]

Seit 1971 leitete er an seinem Geburtstag am Nishinomiya-Schrein jährlich eine Teeopfer-Zeremonie; auch an seinem 100. Geburtstag 2023 zelebrierte er dort erneut.[13][14]

Neben seiner Arbeit für Urasenke nahm Sen zahlreiche öffentliche Funktionen wahr: 2012 wurde er zum UNESCO-Goodwill-Botschafter ernannt,[15][16] seit 2002 stand er der United Nations Association of Japan (日本国際連合協会) vor und war seit 2005 Japan-UN-Goodwill-Botschafter.[17][8]

Darüber hinaus war Sen von 2003 bis zu seinem Tod Präsident des japanischen Reitsportverbandes (Japan Equestrian Federation); 2025 wurde er – im Alter von 102 Jahren – erneut im Amt bestätigt, wobei eine satzungsmäßige Ausnahmeregel angewandt wurde.[18][19]

Auszeichnungen

Sen wurde 1989 als Person mit besonderen kulturellen Verdiensten geehrt und erhielt 1997 als erster Teemeister den japanischen Kulturorden.[20] 2020 wurde ihm der Rang eines Commandeur der französischen Ehrenlegion verliehen (nach Officier 1998).[21]

Schriften (Auswahl)

Zu Sens zahlreichen Veröffentlichungen zählen u. a. The Spirit of Tea (茶の精神) und The Truth of Tea (茶の真諦).[1]

Literatur

  • S. Noma (Hrsg.): Sen Sōshitsu; in: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993, ISBN 4-06-205938-X, S. 1348.

Einzelnachweise

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