Sieler & Vogel
Papiergroßhandlung in Leipzig
From Wikipedia, the free encyclopedia
Sieler & Vogel war über 120 Jahre eine bedeutende Papiergroßhandlung in Leipzig.

Geschichte

Am 1. September 1825 eröffneten in Leipzig Ferdinand Sieler (1795–1842) und Carl Vogel (1798–1869) in der Petersstraße eine „Handlung für Druck- und Schreibpapiere“, bestehend aus Verkaufsgeschäft und Lagerraum. Es war das zweite Geschäft dieser Art in Leipzig nach jenem der Brüder Flinsch von 1819. Die in Leipzig im Aufblühen begriffene graphische Industrie versprach gute Absatzmöglichkeiten. Da die Papiere von verschiedenen Papiermühlen herangeschafft werden mussten, war zur wunschgemäßen und pünktlichen Bedienung der Kundschaft bald eine größere Lagerhaltung erforderlich. Deshalb wurden schon 1829 größere Räumlichkeiten in Hohmanns Hof angemietet.
In den 1830er Jahren brachte das maschinell hergestellte und billigere Papier einen gewaltigen Aufschwung der graphischen Industrie und damit auch des Papierhandels, 1842 wurden Kontor und Verkaufsgeschäft in die Grimmaische Straße Ecke Universitätsstraße verlegt und Lagerräume in den benachbarten Universitätsbauten genutzt. 1842 starb Ferdinand Sieler und Carl Vogel übernahm die alleinige Leitung. Im gleichen Jahr stellte er den kaufmännisch gut ausgebildeten Adolph Schroeder (1818–1876) ein und machte ihn 1949 zum Teilhaber. 1855 zog sich Vogel krankheitsbedingt aus dem Geschäft zurück.

Wegen zunehmender Konkurrenz strebte Schroeder um 1860 eine eigene Papierfabrik an. In Golzern bei Grimma an der Mulde bot sich über einen Schwager die Gelegenheit zum Bau einer solchen, die 1862 das erste Papier lieferte und in der Folgezeit weiter ausgebaut wurde. Da sich in den 1860er Jahren mit zunehmendem Umsatz die Lagerung in den Universitätseinrichtungen als hinderlich erwies, wurde in der Talstraße 6 ein Grundstück erworben und nach Neubau von Lagerhalle und Kontor zog 1869 das Engrosgeschäft hierhin. Nur das Ladengeschäft blieb in der Grimmaischen Straße.
Nach Adolph Schroeders Tod 1876 übernahmen seine Söhne Max und Martin die Geschäfte, zu diesem Zeitpunkt 23 und 21 Jahre alt. Max Schroeders Bereich war vornehmlich die Papierproduktion in Golzern, weshalb er 1885 seinen Wohnsitz nach Grimma verlegte und sich dort die Gattersburg erbauen ließ. Martin ließ sich 1883 nach dem Entwurf des Architekten Karl Weichardt auf dem Gelände an der Talstraße Ecke Königstraße (seit 1947 Goldschmidtstraße) eine Villa, die Villa Schröder, errichten.[1]
- Villa Schröder (2014)
- Ehemaliges Papierlager (2026)
In den 1880er Jahren wurde durch Martin Schroeder der Vertrieb über Leipzig hinaus durch reisende Vertreter aktiviert und es wurden Niederlassungen mit Papierlagern 1882 in Berlin und 1889 in Hamburg gegründet, denen 1924 noch eine in München folgte. Auch in Leipzig wurde erweitert; zur Talstraße 6 kam die Talstraße 4 mit einem Lager im Hofgebäude. Auf einem dahinter liegenden Gartengrundstück wurde 1899 von Max Pommer ein fünfgeschossiges Lagerhaus mit 2800 m² Lagerfläche in Stahlbetonbauweise errichtet, das mit einer gelben Klinkerfront versehen wurde. Es ist heute zu einem Wohngebäude umgebaut (Goldschmidtstraße 29a).
In Golzern hatte die Papierfabrik im Jahr 1900 etwa 300 Beschäftigte. Für diese hatten die Brüder Schroeder verschiedene soziale Einrichtungen vorgesehen. Es gab eine Betriebskantine mit warmem Essen für 20 Pfennige und eine Pensionskasse aus der neben der staatlichen Rente eine Zusatzrente gezahlt wurde. Langjährig Beschäftigte erhielten Prämien. Auf der Gegenseite der Mulde waren in einer kleinen Siedlung Betriebswohnungen errichtet worden, die mietfrei genutzt werden konnten. Es gab eine Bibliothek und einen Betriebschor.
Die auf Max und Martin Schroeder folgenden Gesellschafter von Sieler & Vogel waren sämtlich Mitglieder der Familie Schroeder.[2] 1945 wurde das Unternehmen Sieler & Vogel enteignet. Die Papierfabrik wurde in der DDR-Zeit volkseigener Betrieb und nach 1989 privatisiert. Die Häuser Talstraße 4 und 6 wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Villa Schröder und das Wohngebäude im ehemaligen Papierlager sowie das ehemalige Tor zu selbigem stehen unter Denkmalschutz.[3][4]
Literatur
- Wolfgang Hocquél: Sieler & Vogel. In: Leipziger Blätter, Heft 66, 2015, S. 74–75
- Denkschrift zur Feier des fünfundsiebzigjährigen Jubiläums der Firma Sieler & Vogel in Leipzig (Digitalisat)
Weblinks
- Zur Geschichte der Schroederschen Papierfabrik Golzern. In: Sächsisches Staatsarchiv.
