Indische Narde

Art der Gattung Nardostachys From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Indische Narde (Nardostachys jatamansi), auch Nardenähre, Speichenähre sowie Speik genannt, ist die einige Art der Pflanzengattung Nardostachys in der Unterfamilie der Baldriangewächse (Valerianoideae) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Sie ist eine Nutz- und Heilpflanze aus dem Himalaya, deren Rhizom schon in der Antike bis in den Mittelmeerraum exportiert, zur Zubereitung kostbarer Öle und Salben verwendet wurde. Sie wird auch im 21. Jahrhundert in der asiatischen Medizin[1] benutzt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name der Gattung ...
Indische Narde

Indische Narde (Nardostachys jatamansi)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Unterfamilie: Baldriangewächse (Valerianoideae)
Gattung: Nardostachys
Art: Indische Narde
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Nardostachys
DC.
Wissenschaftlicher Name der Art
Nardostachys jatamansi
(D.Don) DC.
Schließen

Verwendete Namen

Genannt englisch Spikenard, lateinisch Spica nardi, auch Spica aromatica und Spica indica[2] genannt. Griechisch: nárdos, altpersisch: nárda, von sanskritisch nálada, direkt übersetzt „die Wohlriechende“.

Beschreibung

Die Indische Narde ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 50 Zentimetern erreicht. An der Stängelbasis sind „fibröse“, „buschige“ Blattscheidenreste.

Die einfachen Laubblätter sind ganzrandig, die langen, spatelförmigen Grundblätter sind gestielt und die kleinen, gegenständigen Stängelblätter sitzend mit Blattscheiden.

Die end- oder achselständigen, doldigen Blütenstände besitzen mehrere, zweireihig angeordnetete Deckblättern und viele Blüten.

Die und zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die dreieckigen Kelchzipfel sind klein. Die Blütenkronen sind anfänglich purpurfarben, später bläulich. Die Krone ist becherförmig verwachsen mit kurzen, ausladenden Kronlappen. Es sind vier unten in der Kronröhre angeheftete Staubblätter vorhanden, die die Blütenkrone überragen. Der unterständige Fruchtknoten befindet sich in einem behaarten Blütenbecher. Der schlanke Griffel ist relativ lang.

Die leicht behaarten Achänen besitzen einen kleinen Pappus (beständigem Kelchzipfel).

Ökologie

Die Indische Narde ist protogyn, also vorweiblich.[3]

Vorkommen und Gefährdung

Die Indische Narde wächst wild im Himalaya bis in Höhenlagen von 5500 Metern.[4] Sie kommt aus China (Gansu, Qinghai, Sichuan, Xizang, Yunnan) und Bhutan, Indien (Sikkim, Uttar Pradesh) und Nepal.[5]

Durch unkontrollierte Wildsammlung ist sie 2006 „vom Aussterben bedroht“[6] und darf z. B. aus Nepal nicht mehr als Rohware exportiert werden.[7] In Nordindien und Nepal gibt es Versuche, die Indische Narde zu kultivieren.

Taxonomie

Das Basionym Patrinia jatamansi wurde 1825 von David Don in Prodromus Florae Nepalensis: Seite 159 erstbeschrieben. Die Umstellung in die neu aufgestellte Gattung Nardostachys zu Nardostachys jatamansi wurde 1830 von Augustin-Pyrame de Candolle in Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis, Band 4 Seite 624 vorgenommen. Synonyme für Nardostachys jatamansi (D.Don) DC. sind Nardostachys grandiflora DC., Nardostachys gracilis Kitam. und Nardostachys chinensis Batalin. Eine andere Art ist Valeriana jatamansi Jones (Synonyme sind Valeriana wallichii DC., Valeriana spica Vahl), die ebenfalls medizinisch genutzt wird. Sie hat gezähnte Blätter und an der Stängelbasis keine buschigen Blattscheidenreste.[5][8]

Es gibt auch noch andere Pflanzen die ähnliche Rhizome aufweisen, z. B. Selinum vaginatum und Cortia candollei (Syn.: Selinum candollei) die als Verfälschung benutzt werden.[9]

Spikenard

Verwendung

In der Medizin

Die (Indische) Narde wird als Salböllieferant bereits im Alten Testament (Hohelied 1,12 und 4,13 f.) und im Neuen Testament (Joh 12,3 und Mk 14,3) erwähnt. Nardostachys jatamansi auct. (Nardostachys grandiflora DC.) ist eine auch vom Frühmittelalter[10] bis in die Neuzeit[11] zur Herstellung eines heilsamen Öls („Speiköl“, Nardenöl, Oleum nardinum) Verwendung findende Pflanze und auch eine der klassischen Extraktpflanzen im Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunde. Sie wird im Sanskrit Jatamansi[5] genannt und findet – ähnlich wie der Baldrian in der europäischen Pflanzenheilkunde – Anwendung als Beruhigungsmittel bzw. für vatagene Nervenstörungen. Darüber hinaus wird ihr im Ayurveda eine „den Geist stärkende und das Bewusstsein fördernde“ Wirkung zugeschrieben.[12]

Als Räucherwerk

Eine weitere Verwendung findet die Indische Narde bzw. deren auch Narde genanntes Rhizom[13] als Räucherwerk und wurde schon in den Tempeln des alten Ägyptens als Bestandteil von Räuchermischungen verbrannt.[14]

Kulturgeschichte

Im Periplus Maris Erythraei wird die Narde als Handelsgut aus dem indischen Hafen Barbarikon genannt. Ovid[15] und Horaz[16] berichten von Männern, die ihre Haare mit Nardenöl salben.

Nardenöl ist auch durch seine Erwähnung im Neuen Testament bekannt, aus der biblischen Erzählung von Jesu Salbung in Bethanien: Maria, die Schwester Marthas, salbte Jesus die Füße mit kostbarem Nardenöl. In der Bibel wird der Wert des dabei verwendeten Öls mit 300 Denar angegeben, was in etwa dem Jahreslohn eines Arbeiters entsprach. Als einer seiner Jünger, Judas Iskariot, dies kritisierte, wies Jesus ihn zurecht (Joh 12,1–7 EU). Zur Darstellung des Nardenöls in der christlichen Kunst siehe Echter Baldrian.

Im Lorscher Arzneibuch des ausgehenden 8. Jahrhunderts sind auf Blatt 69r zwei aus Indischer Narde und vielen weiteren Zutaten bestehende Zubereitungen von „Nardenöl“, wie sie in ähnlicher Form etwa auch bei Paulos von Aigina und Pedanios Dioskurides belegt sind, zu finden.[17]

Die Narde ist auch ein Bestandteil des Atraf al-tib, einer arabischen Gewürzmischung, die in Kochbüchern des 13. Jhdts. erwähnt wird.[18]

Siehe auch

Quellen

Related Articles

Wikiwand AI