Berlin-Spindlersfeld
Ortslage in Treptow-Köpenick, Berlin
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Spindlersfeld ist eine Ortslage im Berliner Ortsteil Köpenick des Bezirks Treptow-Köpenick, die aus einer Werkssiedlung der Firma W. Spindler entstand. Spindlersfeld liegt am linken Ufer der Spree unterhalb des Zusammenflusses mit der Dahme zwischen der Siedlung Oberspree von Niederschöneweide und der Köllnischen Vorstadt. Spindlersfeld hat 3754 Einwohner (Stand: 2022).[1]

Geschichte


Die Geschichte von Spindlersfeld beginnt mit der Gründung eines großen Zweigwerkes der Firma W. Spindler auf der Köpenicker Feldmark durch Wilhelm Spindler und seine Söhne. Sie nannten das Gebiet gegenüber der Köpenicker Altstadt Spindlersfeld – die Bezeichnung war jedoch noch nicht offiziell. Vor der Übergabe des Gutsbezirks Köpenick von der brandenburgischen Provinzialregierung an die Stadt Köpenick legte sich diese im Frühjahr 1873 darauf fest, dass das Areal keinen gesonderten Namen tragen solle. Spindlers Söhne setzten sich nach dem Tod ihres Vaters jedoch vehement dafür ein, dass der Name ‚Spindlersfeld‘ beibehalten würde. Sie argumentierten damit, dass das Spindlersche Unternehmen zu dem Zeitpunkt als W. Spindler – Wäscherei, Färberei und chemische Reinigung – Berlin C und Spindlersfeld bei Coepenick landesweit bekannt war, Spindlersfeld sich zu einem vollwertigen Stadtteil entwickle und deshalb auch einen eigenen Namen tragen solle. Am 29. Dezember 1873 bestätigte die brandenburgische Provinzialregierung den Namen Spindlersfeld.
Parallel zum Bau der Großwäscherei errichtete Spindler auch eine Arbeitersiedlung mit Gebäuden in der Mentzelstraße und in der Färberstraße, den Spindlerbauten (ursprünglich: Werksiedlung Spindler), von denen in der Färberstraße zwei Gebäude von 1887 sowie in der Mentzelstraße vier Gebäude von 1873 und eines von 1875 erhalten geblieben sind (Stand zu Beginn des 21. Jahrhunderts). Dort fanden bis zu 50 Arbeiterfamilien preiswerte Wohnungen direkt in der Nähe der Fabrik. Diese Arbeitersiedlung war die erste in Berlin, die durch ein Industrieunternehmen angelegt wurde. Heute stehen die Spindlerbauten unter Denkmalschutz. Ab Ende der 2010er Jahre soll der historische Werksstandort nach dem vom Senat von Berlin beschlossenen Stadtentwicklungsplan bis 2025 zu einem neuen Wohnquartier, der Wasserstadt Spindlersfeld, umgestaltet werden.[2]
Am 1. April 1892 fand die Eröffnung der vom Bahnhof Schöneweide an der Görlitzer Bahn ausgehenden Zweigbahn Schöneweide–Spindlersfeld statt, die durch die Firma W. Spindler finanziert wurde. Die Strecke wird aktuell von der S-Bahn befahren.
Spindlersfeld in der Literatur
In Theodor Fontanes Roman Der Stechlin werden in einer sozialkritischen Passage die Spindlerwerke Thema einer Unterhaltung zweier Protagonisten:
„An dem schon in Dämmerung liegenden östlichen Horizont stiegen die Fabrikschornsteine von Spindlersfelde vor ihnen auf, und die Rauchfahnen zogen in langsamem Zuge durch die Luft.
»Was ist das?« fragte die Baronin, sich an Woldemar wendend.
»Das ist Spindlersfelde.«
»Kenn' ich nicht.«
»Doch vielleicht, gnädigste Frau, wenn Sie hören, daß in eben diesem Spindlersfelde der für die weibliche Welt so wichtige Spindler seine geheimnisvollen Künste treibt. Besser noch seine verschwiegenen. Denn unsre Damen bekennen sich nicht gern dazu.«
»So, der! Ja, dieser unser Wohltäter, den wir − Sie haben ganz recht – in unserm Undank so gern unterschlagen. Aber dies Unterschlagen hat doch auch wieder sein Verzeihliches. Wir tun jetzt (leider) so vieles, was wir, nach einer alten Anschauung, eigentlich nicht tun sollten. Es ist, mein' ich, nicht passend, auf einem Pferdebahnperron zu stehen, zwischen einem Schaffner und einer Kiepenfrau, und es ist noch weniger passend, in einem Fünfzigpfennigbasar allerhand Einkäufe zu machen und an der sich dabei aufdrängenden Frage: ›Wodurch ermöglichen sich diese Preise?‹ still vorbeizugehen. Unser Freund in Spindlersfelde da drüben degradiert uns vielleicht auch durch das, was er so hilfreich für uns tut.«“[3]
Siehe auch
Literatur
- Günter Moser: 24. April 1873: Geburtstag von Spindlersfeld. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 4, 1996, ISSN 0944-5560, S. 64–65 (luise-berlin.de).
- Auke Creutz: Die Geschichte von Spindlersfeld. BoD, 2021, ISBN 978-3-7534-2369-2.
Weblinks
- Koepenick.net Info zu Spindlersfeld
- Einträge in der Berliner Landesdenkmalliste zu den Spindlerbauten: Mentzelstraße 12–23 und Färberstraße 17 und 19
- Berlins größtes Wohndenkmal vor der Sanierung. In: Der Tagesspiegel, 5. November 2011
- Spindlersfeld und seine Wohlfahrtseinrichtungen. In: Berliner Tageblatt, 28. Oktober 1902.