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Sternbrücke (Hamburg)

Eisenbahnbrücke in den Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und Sternschanze From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Sternbrücke ist eine seit 1893 diagonal über die Straßenkreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße führende Eisenbahnbrücke in den Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und Sternschanze. Über sie verlaufen je zwei Gleise der Fernbahn und der Hamburger S-Bahn. Die denkmalgeschützte[1] zweite Sternbrücke (Ersatzneubau von 1926) wurde im Juli 2026 abgerissen. Die dritte Sternbrücke ist eine Bogenbrücke und wurde am 31. August 2026 in Betrieb genommen.[2]

Dritte Sternbrücke von der Max-Brauer-Allee in Richtung Nordosten gesehen (August 2026)
Im Juli 2026 abgerissene zweite Sternbrücke von der Max-Brauer-Allee in Richtung Nordosten gesehen (2011)

Namensherkunft und Funktion

Die Brücke hat ihren Namen aufgrund des hier sternförmig zusammenlaufenden Verkehrs aus sieben Richtungen: Außer den Bahnlinien und den beiden überbrückten Straßen (der in Ost-West-Richtung verlaufenden Stresemannstraße und der von Südwest nach Nordost verlaufenden Max-Brauer-Allee) endet die aus Süden kommende Wohlers Allee an diesem verkehrsreichen Ort. Deren Einmündung ist durch einen Fußgängerweg überbaut und für den Autoverkehr gesperrt.

Geschichte

Der sternförmige Kreuzungsbereich entstand zwischen 1846 und 1848 mit dem Bau der Allee, die später in Max-Brauer-Allee umbenannt wurde. Sie kreuzte hinter den Feldern des sogenannten Lammerskamps die Landstraße nach Bahrenfeld, heute Stresemannstraße, an der Stelle, in die seit 1836 die Wohlers Allee mündete. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie zwischen Hamburg und Altona im Jahr 1866 wurde die Bahntrasse dieser Verbindungsbahn, ebenerdig vom damaligen Bahnhof Schulterblatt kommend, diagonal über die Kreuzung geführt, so dass aus dem fünf- ein siebenstrahliger Stern wurde.

Beschrankte Bahnübergänge regelten die Vorfahrt für den Personen- und Güterverkehr auf der Schiene, doch bereits Ende des 19. Jahrhunderts führte die Zunahme sowohl des Bahn- als auch des Straßenverkehrs zu langen Staus vor den immer häufiger geschlossenen Schranken. Altona und Hamburg einigten sich schließlich, parallel zum notwendigen vierspurigen Ausbau der Eisenbahntrasse die gesamte Streckenführung der Verbindungsbahn auf einen Bahndamm hochzulegen und die kreuzenden Straßen, insbesondere den Stern, zu überbrücken.[3]

Erste Brücke von 1893

Erste Sternbrücke von 1893

Die erste Brücke wurde 1893 im Zuge der Trassierung der Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn erbaut. Diese Vollwandbalken- und Fachwerkbogenbrücke hatte reich verzierte Geländer.[4] In den Brückengewölben wurden schon damals Gewerbebetriebe untergebracht. So eröffnete zur Stresemannstraße hin (bei der heutigen Hausnummer 116) ein Restaurant, in dem Offiziere der nahe gelegenen Viktoria-Kaserne einkehrten.[3]

Zweite Brücke von 1925/26

Neubau der zweiten Brücke 1926, darunter noch die alte Bogenbrücke von 1893

Nach wenigen Jahrzehnten konnte die Brücke die steigenden Verkehrslasten nicht mehr tragen, so dass 1925/1926 ein Neubau erforderlich war. Unter Leitung der Reichsbahndirektion-Altona und deren Reichsbahnoberrat Hans Kilian und Reichsbahnrat Otto Blunck[5] führte die Louis Eilers Stahlbau GmbH & Co aus Hannover ab Mai 1925 den Abriss der Brücke, wobei Ende November 1925 der Neubau mit Hilfe von 24 Arbeitern und Drahtseilen seitlich eingeschoben wurde.[6][7] Die neue stählerne Balkenbrücke wurde aus dem höherfesten Stahl St 48 gebaut. Sie war 75 Meter lang und 17 Meter breit und hatte zwei Brückenelemente mit jeweils 400 Tonnen Gewicht und je zwei Gleisen.[8] Das Vorhaben galt aufgrund der beengten Platzverhältnisse durch die Wohnbebauung und insbesondere durch die Inbetriebhaltung des Eisenbahnverkehrs mit 300 Fern- und 400 Stadtbahnzügen täglich, des Straßenverkehrs und der zahlreichen Versorgungsleitungen als kühn.[4] Die wachsende Verkehrsbelastung seit der Nachkriegszeit, insbesondere der Ausbau der Stresemannstraße zu einer Hauptverkehrsachse bei gleichzeitig enger Wohnbebauung, machte die Sternbrückenkreuzung weiterhin zu einem neuralgischen Verkehrsknoten. Eine im Hamburger Generalverkehrsplan vom Ende der 1960er Jahre vorgesehene, aufgeständerte Schnellstraße über Stresemannstraße und Sternbrücke hinweg wurde nicht realisiert. Die Überbauten hatten eine Höhe von 2,80 Metern und ein Gesamtgewicht von 888 Tonnen. Die Brücke lag auf vier einfachen und zwei doppelten Stahlstützen im Straßenraum sowie zwei Widerlagern.[4] Für die Vergrößerung der Durchfahrtshöhe auf vier Meter legte man um 1970 das Straßenniveau tiefer und ständerte die Stahlstützen um bis zu 50 Zentimeter auf. In den Brückengewölben waren Gewerberäume.

Eintrag in die Denkmalliste

In der Liste der Kulturdenkmäler in Hamburg-Altona-Altstadt des Denkmalschutzamtes Hamburg ist die Anlage der zweiten Sternbrücke als Ensemble eingetragen, bestehend aus der Bahnbrücke mit Widerlagern sowie den anschließenden bzw. integrierten Gewerbebauten. Das Denkmal mit der Objekt-ID 43768 hat die Adressen Max-Brauer-Allee 200, 202, 204, 219, 221, Stresemannstraße o. Nr., 114, 119.[9]

Abriss der zweiten Sternbrücke

Herausgetrenntes Teilstück der Sternbrücke auf der Stresemannstraße (25. Juli 2026)

Nach Angaben der Bahn machte der bauliche Zustand der Bestandsbrücke deren Abriss im Jahr 2026 erforderlich. Zudem verwies die Stadt Hamburg auf verkehrliche Vorteile einer stützenfreien Konstruktion, insbesondere für den Fuß-, Rad- und Busverkehr sowie die Beseitigung einer Unfallhäufungsstelle.

Gegen einen Neubau gab es kontinuierliche Proteste von Anwohnern, dem Denkmalverein Hamburg, sowie eine abgewiesene Klage der Vereine Initiative Sternbrücke und Prellbock Altona. Kritikpunkte waren die Größe des Neubaus und der Wegfall von Gewerberäumen, deren Schutzwürdigkeit als historisches Ensemble nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.[10][11][12][13][14]

Am 24. Juli 2026 wurde damit begonnen, die alte Sternbrücke in einzelne Teile zu zerlegen und herauszuheben.[15]

Dritte Brücke von 2026

Dritte Sternbrücke bei der Vormontage auf Brammerfläche im Schanzenviertel, Juli 2026
Neue Sternbrücke auf Self-Propelled Modular Transporter von Mammoet an der Altonaer Straße vor der Fahrt zum Einhubort (30. Juli 2026)

Seit etwa 2005 plante die Deutsche Bahn einen Neubau der Brücke.[16] Nach einem Entwurf des belgischen Ingenieur- und Architekturbüros Ney & Partner wurde im Herbst 2022 der geplante Neubau vorgestellt.[17][18] Mit Verzögerungen wurden im Januar 2023 die Vorarbeiten für den Neubau begonnen.[19] Die denkmalgeschützte zweite Sternbrücke sollte durch eine 108 Meter lange, stützenfreie und 21 Meter hohe Stabbogenbrücke ersetzt werden.[20] Die bestehenden Kasemattenanlagen wurden dafür verfüllt, einige Nachbargebäude mussten abgerissen werden. Erwartet wurden Kosten von 125 Millionen Euro, die sich Bund und Stadt teilten.[21][22] Das Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle Hamburg/Schwerin, erließ am 13. Februar 2024 den Planfeststellungsbeschluss für die Erneuerung der Sternbrücke. Das neue Tragwerk wurde als Stabbogenbrücke mit sogenannten gekippten Bögen ausgeführt.[23] Die bis dahin im Straßenraum vorhandenen Stützen entfielen. Die Stützweite wurde auf 108 Meter vergrößert; die Breite wiederum auf 24,30 m bei einer Höhe von 21 m und einem Gewicht von ca. 3.600 t.

Nach dem Abriss der zweiten Sternbrücke wurde die auf der sogenannten Brammerfläche an der Max-Brauer-Allee 256 vormontierte neue Sternbrücke mit Self-Propelled Modular Transportern (SPMT) auf 1088 Rädern über eine Strecke von rund 500 Metern zur Einbaustelle an der Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße transportiert.[24][25][26]

Technische Daten

Weitere Informationen erste Brücke, zweite Brücke ...
Vergleich der drei Brückengenerationen
erste Brückezweite Brückedritte Brücke
Gesamtlänge des
Brückenüberbaus
75 m mit Stützpfeilern
im Straßenraum
108 m frei tragend
Breite 17 m
4 Gleise
24,30 m
4 Gleise
Höhe 21 m
Gewicht 888 t3.600 t
Schließen

Verkehr

Auf den vier Gleisen der Brücke verkehren pro Tag etwa 1000 Züge des Nah- und Fernverkehrs, nachts auch Güterzüge.[27] Die Straßenkreuzung unter der Brücke wird täglich von etwa 48.000 Fahrzeugen passiert. Die sonst vierstreifige, vom LKW-Fernverkehr als Verbindung zwischen den Bundesautobahnen 7 und 24 genutzte Stresemannstraße war durch die Brückenpfeiler hier auf drei Streifen verengt und geriet so zu einem Flaschenhals.

An der Kreuzung liegt außerdem die Bushaltestelle Sternbrücke mit den HVV-Linien 3 auf der Stresemannstraße und 15 auf der Max-Brauer-Allee. Die Situation für Fußgänger und Radfahrer ist unübersichtlich und galt als gefährlich. Verkehrstechnische Lösungen wurden seit Jahren gesucht, sollten jedoch erst mit dem Neubau der Brücke realisiert werden.

Infrastruktur und Kultur

Kasematten hinter dem Brückenlager (2013)
Astra-Stube im nordöstlichen Widerlager (2013)

Die zu den Liegenschaften der vormaligen Deutschen Bundesbahn bzw. der heutigen Deutschen Bahn gehörenden Widerlager, Brückengewölbe und Kasematten der Sternbrücke wurden von jeher gewerblich genutzt. Seit Jahrzehnten befand sich im südwestlichen Widerlager ein Ladengeschäft für Tabakwaren und Zeitschriften. In den sich anschließenden Kasematten war bis in die 1990er Jahre das Fundbüro der Bundesbahn untergebracht, in dem regelmäßig Fundsachen versteigert wurden.[28] Seit etwa 1998 etablierten sich hier zunehmend Szeneclubs wie Astrastube, Fundbureau und Waagenbau (seit März 2003, zuvor war hier seit 1933 die Firma Altonaer Waagenbau Artz & Richter[29]), deren Existenz durch den geplanten Neubau der Brücke jedoch zeitlich beschränkt ist.[30] 2019 wurden die Mietverträge der Clubs bis Ende 2022 verlängert.[31]

Insgesamt gruppierten sich an der Kreuzung rund zwanzig Läden und Geschäfte, neben den Kneipen und Musikclubs sind dies hauptsächlich Kioske und Imbisse unterschiedlicher Küche. Die Sternbrücke ist auf dem Cover des 2009 erschienenen Albums Wir Kinder vom Bahnhof Soul von Jan Delay abgebildet. Einige Szenen von Fatih Akıns Film Soul Kitchen wurden unter der Brücke und in der Astrastube gedreht. Die Brücke ist mitsamt Straßenkreuzung und angrenzenden Gebäuden auch ein detailgetreu abgebildeter Schauplatz in dem Comic Rast(h)aus von Wolfgang Sperzel aus dem Jahr 1991.[32] Im April 2022 erhielt Regisseur und Autor Christian Hornung für die Umsetzung seines Filmprojekts Sternbrücke – Der letzte Sommer eine Filmförderung in Höhe von 120.000 Euro durch die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Der Film sollte ein letztes Porträt der Eisenbahnbrücke zeichnen, bevor das historische Bauwerk im Jahr 2026 abgerissen wurde.[33]

Literatur

  • Otto Blunck: Umbau der Sternbrücke in Altona. Ein Hamburger Denkmal zwischen Abriss und Erhalt. In: Stahl und Eisen. Band 47, 1927.
  • Sven Bardua: Brückenmetropole Hamburg. Baukunst-Technik-Geschichte bis 1945. Hrsg.: Museum der Arbeit, Hamburgische Ingenieurkammer - Bau, Hamburgisches Architekturarchiv. Hamburg 2009, ISBN 978-3-937904-88-7.
  • Merle Dierks, Sally Wichtmann: Die Sternbrücke. Ein Hamburger Denkmal zwischen Abriss und Erhalt. Hamburg 2021, ISBN 978-3-00-071063-6.
  • Heinrich Wimmer: Sternbrücke. Szenen zwischen Kiez und Schanze. Hamburg 2021, ISBN 978-3-7526-2075-7.
  • Stephan Pflug, Axel Bühler, Kristina Sassenscheidt: Die Sternbrücke. Hamburgs letzter urbaner Ort. Hamburg 2024, ISBN 978-3-96060-580-5.
Commons: Sternbrücke – Sammlung von Bildern

Siehe auch

Einzelnachweise

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