Amidosulfonsäure

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Amidosulfonsäure ist eine farblose kristalline Verbindung, die in Analogie zum Sulfamid – dem Diamid der Schwefelsäure – als das Monoamid der Schwefelsäure aufgefasst werden kann. Die Salze der Amidosulfonsäure werden Amidosulfonate oder Sulfamate genannt.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Amidosulfonsäure
Allgemeines
Name Amidosulfonsäure
Andere Namen
  • Amidoschwefelsäure
  • Aminosulfonsäure
  • Sulfamidsäure
  • Sulfamsäure
  • Sulfaminsäure
Summenformel H2NSO3H[1]
Kurzbeschreibung

farb- und geruchlose, orthorhombische Kristalle[2] oder Pulver[3]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 5329-14-6
EG-Nummer 226-218-8
ECHA-InfoCard 100.023.835
PubChem 5987
Wikidata Q412304
Eigenschaften
Molare Masse 97,09 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[2]

Dichte

2,13 g·cm−3[4]

Schmelzpunkt

205 °C (Zersetzung ab 209 °C)[4]

Dampfdruck

0,78 Pa (20 °C)[4]

pKS-Wert

~1[2]

Löslichkeit
  • leicht löslich in Wasser (181,4 g·l−1 bei 20 °C)[4], Ammoniak, Formamid und DMSO[2]
  • in den meisten organischen Lösungsmitteln schlecht löslich[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[5] ggf. erweitert[3]
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 315319412
P: 264273280302+352305+351+338332+313[3]
Toxikologische Daten

3160 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[3]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
Schließen

Herstellung

Die Herstellung von Amidosulfonsäure erfolgt aus Harnstoff, Schwefelsäure und Dischwefelsäure:[1]

Eigenschaften

Amidosulfonsäure bildet farblose bis weißlich gelbe Kristalle, die bei 205 °C unter beginnender Zersetzung und heftiger Rauchentwicklung schmelzen und sich gut in Wasser lösen. Die Lösung reagiert sauer. Aufgrund der Säureeigenschaften wirkt sie bei Direktkontakt reizend und ätzend auf Augen und Haut. Amidosulfonsäure ist nicht hygroskopisch und daher als Urtitersubstanz einsetzbar.

Die Struktur der Amidosulfonsäure kann durch die Formel +H3N–SO3 beschrieben werden. Sie liegt somit als Zwitterion vor. Die tautomere Form H2N–SO2(OH) existiert nicht im Festkörper.

Amidosulfonsäure als Zwitterion (rechts)

Verwendung

Handelsübliche Entkalker mit Amidosulfonsäure aus dem Drogeriemarkt

Amidosulfonsäure in Konzentrationen von 10 bis 15 % (oft 14 %) ist (meist neben Phosphorsäure oder Citronensäure) ein Bestandteil von Entkalkern und Sanitärreinigern, im Labor wird sie als Urtitersubstanz und zum Zerstören von Nitrit verwendet:

In der Galvanotechnik dient Amidosulfonsäure zum Einstellen des pH-Wertes von Nickelsulfamatbädern auf pH 3,9 bis 4,2. Auch wird eine Lösung aus Amidosulfonsäure mit Natriumlaurylsulfat bei 35 bis 40 °C zum Aktivieren einer Nickelschicht benutzt.

Durch Reaktion von Amidosulfonsäure mit Cyclohexylamin wird Natriumcyclamat, ein künstlicher Süßstoff, hergestellt.

Das Ammoniumsulfamat ist ein wichtiges Flammschutzmittel.

Bestimmung

Der Gehalt einer wässrigen Amidosulfonsäurelösung kann mittels Titrationsanalyse bestimmt werden. Die Reaktionsgleichung dieser Säure-Base-Titration lautet:

Umweltrelevanz

Amidosulfonsäure entsteht aus Acesulfam-K als Abbauprodukt und ist ebenfalls persistent und schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.[6][7]

Commons: Amidosulfonsäure – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI