Super universas

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Super universas ist eine Päpstliche Bulle, die am 12. Mai 1559 von Papst Paul IV. erlassen wurde. Sie bildete die kirchenrechtliche Grundlage für eine umfassende Neuordnung der Bistümer in den habsburgischen (bzw. spanischen) Niederlanden. Diese Reorganisation, initiiert von König Philipp II., war eine der tiefgreifendsten Veränderungen der kirchlichen Landschaft in der Region und gilt als ein wesentlicher politischer Katalysator für den Ausbruch des Achtzigjährigen Krieges.

Vorgeschichte

Die Bistümer vor der Neuorganisation

Nach dem Tod Karls des Kühnen im Jahr 1477 fielen die burgundischen Niederlande an das Haus Habsburg, infolge der Heirat Marias von Burgund mit Maximilian von Österreich, zunächst an deren Sohn Philipp den Schönen und dann an deren Enkel Karl von Habsburg. Karl, der 1515 die Herrschaft über die Niederlande erlangte, wurde 1516 König von Aragon und Kastilien und 1519 zum Kaiser gewählt. Er nahm den Namen Karl V. an und folgte Maximilian auf den Thron. Zudem erbte er die österreichischen Besitzungen des Hauses Habsburg. Mit dem Frieden von Madrid (1526) beendete er auch die Oberherrschaft des französischen Königs über Artois und Flandern.

Im Oktober 1555 dankte er in Brüssel zum ersten Mal ab und verzichtete auf die Herrschaft über die Niederlande, die an seinen ältesten Sohn Philipp überging, dem er kurz darauf (im Januar 1556) auch die spanischen Kronen abtrat.

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entsprach die kirchliche Einteilung der Niederlande nicht mehr den politischen, sprachlichen und demografischen Realitäten. Die Diözesen gingen auf die Merowingerzeit zurück. Das bevölkerungsreiche Gebiet war auf nur wenige, sehr große Diözesen aufgeteilt (wie Utrecht, das Hochstift Lüttich, Hochstift Utrecht, Herzogtum Geldern, Tournai, Arras und Cambrai). Erschwerend kam hinzu, dass diese Bistümer weitgehend Kirchenprovinzen unterstanden, deren Metropoliten sich im Ausland befanden (wie das Erzbistum Köln im Heiligen Römischen Reich und das Erzbistum Reims in Frankreich). Es umfasst lediglich sechs Diözesen: Thérouanne, Cambrai, Tournai, Arras, Lüttich und Utrecht, deren Jurisdiktion nicht mit bestehenden politischen Einheiten übereinstimmt. Mit Ausnahme von Utrecht liegen diese Diözesen in den südlichen Niederlanden und im französischsprachigen Raum.

König Philipp II. strebte nach einer besseren administrativen Kontrolle über die lokale Kirche. Sein Ziel war eine effektivere Seelsorge und insbesondere die systematische Bekämpfung der sich ausbreitenden Reformation (vor allem des Calvinismus). Eine kleinteiligere Bistumsstruktur mit loyalen, universitär ausgebildeten Theologen als Bischöfen sowie die Schaffung rein „niederländischer“ Kirchenprovinzen sollten den Einfluss ausländischer Prälaten beenden.

Inhalt der Bulle

Karte der neuen Diözesanstruktur in den habsburgischen Niederlanden nach der Neuordnung durch Super universas (1559)

Die Bulle ordnete die Errichtung von vierzehn neuen Bistümern an und erhob drei bestehende Sitze zu Erzbistümern. Damit entstanden insgesamt 18 Bistümer, die in drei neuen Kirchenprovinzen organisiert wurden. Deren Grenzen stimmten nun weitgehend mit den Herrschaftsgrenzen der Spanischen Niederlande überein. Das Hochstift Lüttich blieb zwar erhalten, verlor aber erhebliche Territorien an die neuen Diözesen.

Die neue Struktur umfasste:

Die Diözesanreform in den Niederlanden betraf auch Frankreich: Das ehemalige Bistum Thérouanne wurde zwischen den neuen niederländischen Bistümern Ypern und Saint-Omer und dem neuen französischen Bistum Boulogne aufgeteilt. Der Bischofssitz von Thérouanne erlosch (offiziell 1567), da die Stadt 1553 von Karl V. zerstört worden war.

Finanzierung und politischer Widerstand

Um die neuen Bistümer, die über keine historischen Pfründen verfügten, finanziell auszustatten, bediente sich die Krone des Inkorporationssystems. Die neuen Bischöfe wurden de facto gleichzeitig als Äbte in die jeweils reichsten und bedeutendsten Abteien ihres Bistums eingesetzt (sogenannte Bistumsdotation). Die Einkünfte dieser Klöster flossen fortan an den Bischof, und die Mönche verloren ihr traditionelles Recht auf die freie Abtwahl.

Diese kirchenpolitische Maßnahme, forciert durch den unbeliebten Antoine Perrenot de Granvelle (der zum ersten Erzbischof von Mecheln und Kardinal ernannt wurde), rief eine enorme Oppositionshaltung im Land hervor:

  • Der hohe Adel (darunter Wilhelm von Oranien und der Graf von Egmont) fühlte sich von der Macht verdrängt. Die neuen Bischöfe waren meist bürgerliche, direkt von der Krone ernannte Beamte, die nun einflussreiche Sitze in den niederländischen Generalstaaten einnahmen, welche zuvor von adligen Prälaten oder Äbten besetzt waren.
  • Die Klöster und der Klerus protestierten scharf gegen den Verlust ihrer Autonomie und ihrer finanziellen Mittel zugunsten des Episkopats.
  • Das Bürgertum und die Städte fürchteten, dass die neuen, strenggläubigen Bischöfe eine verschärfte Form der Inquisition nach spanischem Vorbild einführen würden.

Folgen

Der Widerstand gegen die Umsetzung von Super universas verschmolz mit den allgemeinen Unruhen über die Steuerlast und die Zentralisierungspolitik Philipps II. Die Bistumsreform war somit eine der wesentlichen Ursachen, die kurz darauf zum Niederländischen Aufstand führten.

Während die Bistumsstruktur in den nördlichen, überwiegend protestantisch werdenden Provinzen (der späteren Republik der Sieben Vereinigten Provinzen) nach dem Ausbruch der Rebellion schnell wieder zusammenbrach, setzte sie sich in den katholisch gebliebenen Südlichen Niederlanden (dem heutigen Belgien) dauerhaft durch und überdauerte bis zu den Umwälzungen im Gefolge der Französischen Revolution und dem Konkordat von 1801.

Siehe auch

Literatur

  • Michel Dierickx: De oprichting der nieuwe bisdommen in de Nederlanden onder Filips II. 1559–1570. N.V. Standaard-Boekhandel, Antwerpen/Utrecht 1950 (niederländisch).
  • Jonathan I. Israel: The Dutch Republic: Its Rise, Greatness, and Fall 1477–1806. Clarendon Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-873072-1, S. 74–79 (englisch).

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