Canon 155 TRF1
Feuerwaffe
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Die Canon 155 TRF1 ist eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus Frankreich, die in den späten 1970er-Jahren entwickelt wurde. Weitere Bezeichnungen lauten TRF1, TR-F1 oder TR 155 F1.
| Canon 155 TRF1 | |
|---|---|
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| |
| Allgemeine Angaben | |
| Militärische Bezeichnung | TRF1 |
| Herstellerbezeichnung | Canon 155 TRF1 |
| Entwickler/Hersteller | Giat Industries (heute KNDS France) |
| Entwicklungsjahr | 1977 |
| Produktionszeit | 1989 bis 1993 |
| Stückzahl | ~155 |
| Waffenkategorie | Feldhaubitze |
| Mannschaft | 7 |
| Technische Daten | |
| Gesamtlänge | 10 m (feuerbereit) |
| Rohrlänge | 6,2 m |
| Kaliber | 155 mm |
| Kaliberlänge | L/39 |
| Gewicht in Feuerstellung |
10.750 kg |
| Kadenz | 2–6 Schuss/min |
| Höhenrichtbereich | −6°–66 Winkelgrad |
| Seitenrichtbereich | rechts 38°, links 27° |
| Ausstattung | |
| Verschlusstyp | Keilverschluss |
| Ladeprinzip | halbautomatisch |
| Munitionszufuhr | halbautomatisch |
| Antrieb | Hilfsmotor mit 28,7 kW |
| Energieversorgung | Hilfsmotor |
Entwicklung
Die Canon 155 TRF1 entstand auf Grund einer Bedarfsforderung der Französischen Streitkräfte. Diese beabsichtigten die Obusier de 155 mm modèle 1950 der französischen Feldartillerie-Abteilungen zu ersetzen. Die Entwicklung der Canon 155 TRF1 begann 1977 bei Giat Industries. 1978 wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwischen 1981 und 1987 wurden Feldtests und Truppenerprobungen bei der Armée de terre durchgeführt. Im Jahr 1989 begann die Serienfertigung im Arsenal de Bourges und 1990 war die TRF1 bei den französischen Streitkräften operationell. Ab dann erfolgten auch Exporte an weitere Streitkräfte. Anfang der 1990er-Jahre entstanden basierend auf der TRF1 Prototypen mit Geschützrohren mit 45 Kaliberlängen (L/45) und 52 Kaliberlängen (L/52), welche aber nicht in Serie gingen. Die Produktion der TRF1 endete im Jahr 1993 und bis 2003 wurde das Geschütz auf dem Exportmarkt angeboten. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Preis für ein TRF1-Geschütz rund 546.000 US-Dollar.[1][2]
Technik
Die Canon 155 TRF1 ist eine konventionelle Feldhaubitze mit Kraftzugsystem. Sie zeigt das Muster einer zweirädrigen Spreizlafette mit zwei Holmen sowie einem Hilfsmotor zum kurzzeitigen Eigenantrieb. Beim Straßentransport sind die Holme zusammengeklappt und ruhen mit einem Kupplungsauge auf der Anhängerkupplung vom Zugfahrzeug. Dabei ist das Geschützrohr um 180° über die Holme gedreht. Das Geschütz wiegt Schussbereit 10.750 kg und beim Straßentransport 10.770 kg. Die Länge der Kanonenhaubitze variiert zwischen 8,75 m in gezogener und 10 m in feuerbereiter Stellung. Die Höhe beträgt in der feuerbereiten Stellung 1,65 m. Die Breite auf der Fahrbahn liegt bei 3,09 m und die Bodenfreiheit beträgt 400 mm. Mit gespreizten Holmen beträgt die Breite 8,4 m. Zum Straßentransport können schwere oder mittelschwere Lastkraftwagen wie der TRM 10000 verwendet werden. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit auf der Straße beträgt 80 km/h. Die maximale Wattiefe beträgt 1,5 m und die maximale Steigfähigkeit 60 %.[3][4][5]
Geschütz
Das Geschützrohr mit 39 Kaliberlängen (L/39) besteht aus hochfestem Stahl und ist durchgehend autofrettiert. Das 6,2 m lange Geschützrohr ist auf der zweiachsigen Lafette untergebracht. Vorne an der stählernen Lafette ist ein Hilfsmotor mit Hilfsmotor mit 28,7 kW verbaut. Der Hilfsmotor dient zum Speisen der drei Hydrauliksysteme, zum Heben der Holmenden beim Abkuppeln, zum Lenken der Stützräder und zu ihrem Heben beim Kraftzugbetrieb, sowie zum Spreizen und Schließen der Holme. Auch kann das Geschütz mit dem Hilfsmotor über kurze Distanzen mit bis zu 8 km/h in die Feuerstellung gefahren werden. An den Holmenden ist jeweils ein ausfahrbares und lenkbares Stützrad verbaut. Mit diesen wird bei Fahrten mit dem Hilfsmotor das Geschütz gesteuert. Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei hydropneumatische Rohrbremsen und Rückholeinrichtungen montiert. Hinten am Rohr befindet sich die Ladungskammer mit einem horizontalen Keilverschluss. Hinter dem Verschlussblock ist eine halbautomatische Ladehilfe angebracht. Diese führt die Geschosse zu und setzt sie im Rohr an. Danach werden vom Ladeschützen die Treibladungen und Treibladungsanzünder geladen und zugeführt. An der Rohrmündung ist eine Zweikammer-Mündungsbremse montiert, welche die Rückstoßkraft mindert. Der Seitenrichtbereich beträgt links 27° und rechts 38°. Der Höhenrichtbereich liegt bei −6 bis +66°. Neben der Rohrwiege ist auf der linken Seite ein Sitz für Kanonier verbaut. Dort befinden sich ein Lenkrad, die Visiereinrichtung für indirektes Feuer, ein Zielfernrohr die weiteren Bedienelemente für das Geschütz. Weiter steht optional ein Ladekran zur Verfügung, mit welchem jeweils drei Geschosse vom Boden in die Ladeschale gehoben werden können. Als weitere Option stehen eine Wetterstation und ein Navigationssystem zur Verfügung.[1][2][6]
Um die TRF1 feuerbereit zu machen, benötigt die sieben-köpfige Bedienmannschaft in einer vorgängig eingemessenen Feuerstellung rund zwei Minuten. Danach kann das Geschütz von drei bis vier Mann bedient werden. Beim Schießen sind die Haupträder angehoben und die TRF1 stützt sich vorn auf eine von der Unterlafette abgesenkte Schießplattform. Am Ende der Holme sind zwei selbsteingrabende Erdsporne angebracht, welche die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiten. Nach dem Schießen werden rund 2 Minuten benötigt, um das Geschütz wieder fahrbereit zu machen.[2][4][6]
Mit der Ladehilfe können innerhalb von 18 Sekunden drei Schuss abgefeuert werden. Danach können während zwei Minuten 12 Schuss innerhalb einer Minute abgefeuert werden. Somit kann eine Batterie mit vier TRF1 innerhalb einer Minute rund 2,6 Tonnen Munition ins Ziel bringen. Die TRF1 kann innerhalb einer Stunde rund 120 Schuss abfeuern. Mit dem Zielfernrohr können Ziele auf eine Entfernung von 2 km im Direktschuss bekämpft werden.[1][2][6]
Munition
Mit der TRF1 wird getrennt geladene Munition mit variablen Treibladungsbeuteln (Zonenladungen) verwendet. Das heißt, das Geschoss und die Treibladung werden nacheinander geladen. Von Giat, bzw. Nexter und aktuell von KNDS France wird eine breite Munitionspalette für das Geschütz angeboten:[1][7][8][9]
| Name | Geschosstyp | Gewicht | Füllung | Schussdistanz |
|---|---|---|---|---|
| M107/LU107 | Sprenggranate | 43,1 kg | 6,6 kg TNT | 18 km |
| M56 / Mle 56 | Sprenggranate | 43,7 kg | 8,9 kg Composition B | 23 km |
| OE 155 F1 / CrTA/TA-68 | Sprenggranate mit Hohlboden | 43,7 kg | 8,8 kg Composition B | 24 km |
| LU111 HB | Sprenggranate mit Hohlboden | 42,6 kg | 8,8 kg Composition B | 23,3 km |
| LU111 BB | Sprenggranate mit Base-Bleed | 43,6 kg | 8,2 kg Composition B | 29,1 km |
| NR 173 | ERFB-Geschoss | 46,7 kg | 8,2 kg TNT | 26 km |
| NR 265 | ERFB-Geschoss mit Base Bleed | 47,2 kg | 8,2 kg TNT | 33 km |
| OGRE 155 G1 | Cargogeschoss mit Base-Bleed | 45,3 kg | 63 OGRE-Hohlladungs-Bomblets | 28,5 km |
| OMI 155 | Cargogeschoss | 46,9 kg | 6 Panzerabwehrminen | 18 km |
| BONUS | Suchzünder-Munition | 44,6 kg | 2 Suchzünder-Streumunition | 27 km |
| F2A OFUM | Rauch/-Brandgranate | 44,3 kg | 8,7 kg Weißer Phosphor | 24 km |
| F1 OECL | Leuchtgranate | 43,5 kg | Leuchtkörper | 19,3 km |
Kriegseinsätze
Die TRF1 kam bei der Opération Daguet, der französischen Beteiligung am Zweiten Golfkrieg (1991) zum Einsatz. Dabei wurden 16 Geschütze in der französischen Division Daguet eingesetzt.[10]
Die TRF1 wird von der Ukraine im Russisch-Ukrainischen Krieg eingesetzt. Die wurden im Rahmen der Auslandshilfen für die Ukraine aus französischen Beständen geliefert. Gemäß OSINT-Analysen des Militärblogs Oryx hat die Ukraine mit Stand Juni 2026 mindestens vier Geschütze verloren.[11]
Nutzerstaaten
Frankreich – 106
Saudi-Arabien – 28
Senegal – 9
Ukraine – 20 im Rahmen der Auslandshilfen für die Ukraine aus französischen Beständen geliefert.
Zypern – 12
Galerie
- TRF1 in gezogener Stellung
- TRF1 wird in Stellung gebracht.
- TRF1 in schussbereiter Stellung
- TRF1 der Armée de terre beim Feuern
Literatur
- Christopher Chant: A Compendium of Armaments and Military Hardware. Routledge Revivals, Vereinigtes Königreich, 2014, ISBN 0-415-71072-3.
- Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011–2012. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2960-9.
- T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. Motorbuch Verlag, Deutschland, 1996, ISBN 3-613-01758-X.
- Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2006, ISBN 0-7106-2746-7.