Zhong Bin
chinesischer Piratenkapitän, oberster Mandarin von Amoy
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Zhong Bin (Hànzì 鍾斌; in niederländischen Quellen Tautsailak, Toutsaylacq oder Touseijlack,[1] gest. 1631) war ein chinesischer Piratenführer und später oberster Mandarin von Amoy.[2] Er agierte im Machtfeld der maritimen Konflikte zwischen der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC), der chinesischen Küstenverwaltung und konkurrierenden Seeräuberverbänden in der Taiwanstraße. Zhong Bin gehörte zur zweiten Generation jener Piratenführer, die aus den Gefolgschaften Zheng Zhilongs hervorgegangen waren, nachdem sich dieser 1628 in den Dienst der Ming-Regierung gestellt hatte.
Zhong Bin war ursprünglich ein führender Kommandeur des Seeräubers Li Kuiqi, der sich gegen Zheng Zhilong aufgelehnt hatte. Ende 1629 vertrieb Kuiqi Zhilong mit einer Flotte von 400 Dschunken aus Amoy und unterbrach den Handel mit Taiwan. Die Niederländer entschieden sich daraufhin, Zhilong zu unterstützen, da sie annahmen, ein Sieg über Kuiqi würde sowohl ihre Handelsinteressen sichern als auch ihren Ruf in China stärken.[3]
Am 9. Februar 1630 wechselte Zhong Bin in der entscheidenden Phase des niederländisch-chinesischen Bündnisses gegen Kuiqi die Seiten. In der Seeschlacht in der Bucht von Amoy führte er seine Gefolgschaft um die Bucht herum und positionierte sich hinter Kuiqis Flotte, sodass die Niederländer Kuiqis Schiffe einkesseln konnten. Dieser taktische Schachzug erwies sich als ausschlaggebend für den überwältigenden Sieg über Kuiqi, der gefangen genommen wurde. Am 20. März 1630 ehrte man die Sieger in Amoy mit Medaillen und einem Triumphzug. Die Niederländer zeigten jedoch kein Interesse an diesen Auszeichnungen, sondern drängten auf Handelsprivilegien. Als klar wurde, dass Zhong Bin, der ebenfalls geehrt werden sollte, nicht erschienen war, verließ der zuständige Beamte Amoy überstürzt, sodass die Niederländer ohne Zugeständnisse zurückblieben.[4]
Zhong Bin kehrte rasch zur Seeräuberei zurück. Er übernahm die Kontrolle über Amoy, plünderte Fuzhou und kaperte im Juni 1630 mehrere niederländische Schiffe und setzte die Besatzungen gefangen, wobei er von der VOC verlangte, sich ihm gegen Zhilong anzuschließen. Die Kompanie gab vor, Zhong Bins Forderungen zu erfüllen, verhandelte jedoch weiterhin mit Zhilong. Doch dann nahmen die Ereignisse eine unerwartete Wendung: Die Küstenverwaltung entschied, Zhong Bin die bisher von Zhilong bekleidete Position in Amoy anzubieten, während Zhilong einen neuen Posten nördlich von Fuzhou erhalten sollte.[5] Zhong Bin ließ sich auf das Angebot ein, wodurch erneut ein Seeräuber den Sprung vom Geächteten zum Beamten vollzog – sehr zum Missfallen der Niederländer, die die Situation akzeptieren und ein Handelsabkommen mit ihm schließen mussten. Dieses blieb allerdings ohne Wirkung, denn bereits zwei Wochen nach dem Abschluss des Vertrags griff Zhilong Zhong Bin an, schlug ihn vernichtend und konnte so mit Unterstützung eines übergelaufenen Vizeadmirals die Kontrolle über die Taiwanstraße zurückerlangen.[6] Daraufhin beging Zhong Bin Suizid.[7]