Tunesische Landschildkröte

Unterart der Art Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Tunesische Landschildkröte (Testudo graeca nabeulensis) ist eine Unterart der Maurischen Landschildkröten. Sie wurde 1989 ursprünglich als neue Art beschrieben und sogar in eine eigene Gattung eingeordnet.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Tunesische Landschildkröte

Testudo graeca nabeulensis auf der Halbinsel Kap Bon, Tunesien

Systematik
Ordnung: Schildkröten (Testudines)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Paläarktische Landschildkröten (Testudo)
Art: Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)
Unterart: Tunesische Landschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Testudo graeca nabeulensis
(Highfield, 1990)
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Die Tunesische Landschildkröte gilt als die deutlich kleinste Unterart der Maurischen Landschildkröte und eine der kleinsten Landschildkrötenarten überhaupt. Sie erreicht dabei eine durchschnittliche Rückenpanzerlänge von etwas über 13 cm und ein Gewicht von maximal 600 g.[1]

Das Verbreitungsgebiet dieser Unterart umfasst Tunesien, den Osten Algeriens sowie Sardinien und Sizilien, wo sie vermutlich eingeführt wurde.[2]

Systematik

Die Tunesische Landschildkröte wurde 1989 von Highfield und Martin zunächst als eigene Landschildkrötenart unter dem Namen Testudo nabeulensis beschrieben. Highfield setzte 1990 die Art aufgrund einer unterschiedlichen Knochenstruktur in eine neue Gattung, die er Furculachelys nabeulensis nannte.[2][3]

Untersuchungen, darunter Analysen mitochondrialer DNA, konnten eine deutliche genetische Abgrenzung von anderen Formen der Maurischen Landschildkröte nicht bestätigen. Die Tiere aus Tunesien bilden zwar eine klar erkennbare geographische Linie, unterscheiden sich jedoch genetisch nicht ausreichend, um als eigene Art zu gelten. Daher benannte Highfield ebenfalls 1990 die Tunesische Landschildkröte zu Testudo graeca nabeulensis, was auch heute noch ihr wissenschaftlicher Name ist.[4]

Der Name nabeulensis bezieht sich auf die Stadt Nabeul in Tunesien, in deren Umgebung das Typusmaterial gesammelt wurde und die daher als Terra typica gilt.[2]

Lebensraum

Verbreitungsgebiet

Die Tunesische Landschildkröte bewohnt warme, sonnenreiche Regionen Nordafrikas, vor allem in Tunesien und dem Osten Algeriens, aber auch Sardinien und Sizilien, wo sie vermutlich menschlich eingeführt wurde.[5] In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet herrschen jährlich rund 2500 bis 3000 Sonnenstunden, wodurch die Tiere ihre notwendige Körpertemperatur von etwa 33 bis 35 °C durch Sonnenwärme erreichen können. Da sie wechselwarme Tiere sind, müssen sie ihre Körpertemperatur durch die Außentemperatur gewinnen. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 70 bis 75 % in ihrem Habitat. Wenn die Luft zu trocken ist, kann das die Entwicklung von Atemwegserkrankungen begünstigen.[6]

Der Lebensraum ist hauptsächlich eher nährstoffarm.[7]

Merkmale

Die Tiere zeigen eine gelbe Grundfärbung mit kontrastreichen, schwarzen Zeichnungselementen auf den Hornschildern. Kopf, Beine und Schwanz sind meist sandfarben bis gelb, häufig mit dunklen Spitzen an den Schuppen. Charakteristisch ist eine leuchtend gelbe Fleckenzeichnung am Kopf, direkt zwischen den Augen.[1] Das Gularschild (Kehlschild) ist im Vergleich zu anderen Unterarten Nordafrikas deutlich breiter und höher.[8]

Gewicht und Wachstum

Jungtiere der Tunesischen Landschildkröte schlüpfen mit einem Gewicht von etwa 8 g, selten bis zu 12 g, und wachsen in den ersten Lebensjahren vergleichsweise langsam. Eine Verdoppelung des Gewichts erfolgt im ersten Jahr, während sich das Wachstum in den Folgejahren um etwa 50 % pro Jahr verringert. Ab dem Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren verlangsamt sich das Wachstum deutlich und beträgt nur noch rund fünf bis zehn Prozent pro Jahr.

Erwachsene Männchen erreichen ein Gewicht von etwa 230 bis 300 g, Weibchen werden mit 400 bis 500 g deutlich schwerer und können in Ausnahmefällen bis zu 600 g wiegen. Diese Endgewichte werden in freier Wildbahn meist erst nach rund 20 bis 25 Jahren erreicht. Die tunesischen Landschildkröten gelten als eine der kleinsten Landschildkrötenarten weltweit.

Ein zu schnelles Wachstum ist ungesund, da es zu Deformationen des Panzers (Höckerbildung) sowie zu Leber- und Nierenerkrankungen führen kann. In der Natur wird das Wachstum durch die karge Vegetation und das je nach Jahreszeit begrenzte Futterangebot reguliert. In der Haltung außerhalb ihres natürlichen Lebensraums kann ein übermäßiges Nahrungsangebot dagegen zu unnatürlich schnellem Wachstum führen.[9]

Geschlechter

Die Geschlechtsbestimmung ist bei Tunesischen Landschildkröten erst bei Tieren ab etwa 130–150 g Körpergewicht sicher möglich. Jüngere Tiere lassen sich äußerlich kaum unterscheiden.

Ausgewachsene Männchen besitzen einen deutlich dickeren und längeren Schwanz. Weibchen haben einen kürzeren und dünneren Schwanz. Zudem wirken sie insgesamt etwas größer und massiger als Männchen und sind für ihr Alter oftmals schwerer.[10]

Lebensweise

Ernährung

Tunesische Landschildkröte in ihrem natürlichen Lebensraum

Die Tunesische Landschildkröte ist, wie alle mediterranen Landschildkröten, ein reiner Pflanzenfresser. Ihr Verdauungssystem ist auf faserreiche Pflanzennahrung spezialisiert, die mithilfe von Darmbakterien und Einzellern im Dickdarm und Blinddarm, welcher sehr gut ausgebildet ist, fermentiert wird.

Die Ernährung besteht aus verschiedenen Wildkräutern, Gräsern und sukkulenten Pflanzen, die in den trockenen, nährstoffarmen Habitaten Nordafrikas wachsen. Diese Pflanzen sind reich an Ballaststoffen, Mineralien und Spurenelementen, enthalten jedoch nur wenig Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate.

Im Allgemeinen lebt die tunesische Landschildkröte in einem sehr nährstoffarmen Habitat. Sie verwertet die Nahrung daher sehr effizient und kommt mit wenig Nahrung und Wasser gut aus. In der Natur muss die tunesische Landschildkröte manchmal mehrere Tage nach Nahrung suchen.[7]

Fortpflanzung

Die Tunesische Landschildkröte kann sich ganzjährig fortpflanzen. Paarungen werden häufig nach warmem Regen beobachtet. Das Paarungsverhalten ist dabei sehr aktiv und teilweise stürmisch.

Die Weibchen legen bis zu vier Gelege pro Jahr, meist zwischen dem späten Frühjahr und dem Hochsommer. Jedes Gelege besteht in der Regel aus ein bis drei, meist zwei ovalen Eiern.[11]

Jahreszeiten

Das Tier hält keinen für europäische Landschildkröten typischen Winterschlaf. In Tunesien werden die Winter typischerweise nicht so kalt, sodass dies nötig wird und daher ist der Körper nicht darauf ausgelegt. Bei zu kalten Temperaturen können sie jedoch trotzdem ihre Aktivität etwas herunterfahren.

Im Sommer geht das Tier jedoch bei zu hohen Temperaturen in eine Sommerruhe über, in welcher es weniger aktiv ist.[12]

Haltung

Haltung in Europa

Die Haltung in der EU ist nur mit gültigem CITES-Bescheinigung und einer lückenlosen Fotodokumentation gestattet. Die Tiere müssen aus der Zucht stammen und dürfen nicht aus der Natur entnommen worden sein.

Die Tunesische Landschildkröte benötigt ein warmes, sonnenreiches Klima und kann in Mitteleuropa wenn überhaupt nur während der Sommermonate im Freien gehalten werden, allerdings sollte sie im Optimalfall eher nur im Innengehege oder im Terrarium gehalten werden. Das Tier ist aufgrund seiner kleinen Größe geeignet für Terrarien, welche allerdings ausreichend groß sein müssen (für zwei 15 cm große Tiere wird eine Mindestfläche von 2 m² empfohlen).[13]

Im Terrarium ist eine UVB-Wärmelampe erforderlich, um die Bildung von Vitamin D zu ermöglichen, welche wichtig für den Panzerwachstum ist. Durch die Lampe sollte an einem Wärmespot eine Temperatur von rund 35 bis 40 Grad ermöglicht werden.[14]

Der Bodengrund sollte im Optimalfall aus lehmiger Erde bestehen, da dieser eher trocken ist. Ein zu feuchter Boden kann zu Atemwegsproblemen führen.

Außerdem darf man das Tier unter keinen Umständen in einen Winterschlaf versetzen, da der Körper nicht darauf ausgelegt ist.

Illegaler Import aus Nordafrika

Ein großes Problem ist, dass Touristen und Tierhändler illegalerweise die Tiere einsammeln und verkaufen oder nach Europa bringen, um sie dort aufzuziehen.[2][15][16][17]

Commons: Testudo graeca nabeulensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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