Kopfiger Gamander
Art der Gattung Gamander (Teucrium)
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Der Kopfige Gamander (Teucrium capitatum)[1] ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gamander (Teucrium) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der niedrige, aromatische Halbstrauch ist vom Mittelmeerraum bis Zentralasien verbreitet.
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Kopfiger Gamander (Teucrium capitatum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Teucrium capitatum | ||||||||||||
| L. |
Beschreibung


Vegetative Merkmale
Der Kopfige Gamander ist ein an der Basis verholzter, graufilziger, aromatischer Halbstrauch, der Wuchshöhen von 5 bis 45 Zentimetern erreicht. Die mehr oder weniger sitzenden Laubblätter sind 7 bis 10 Millimeter lang, 2,5 Millimeter breit, länglich oder schmal verkehrt eiförmig, am Rande umgerollt und gekerbt mit zwei bis fünf Einkerbungen an jeder Seite. Oft sind die Blätter auch büschelig gehäuft.[1][2]
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von April bis August.[1] Die Stängel tragen im oberen Teil einen zusammengesetzten Blütenstand mit meist mehr als fünf weich behaarten Blütenköpfchen, von denen jedes einen Durchmesser von bis zu zehn Millimetern hat und viele Blüten trägt. Der 4 bis 7 Millimeter lange, glockige Blütenkelch ist dicht und weich behaart. Die bis zu 4,5 Millimeter lange, weiße bis cremefarbene Blütenkrone hat einen gelben Schlund. Die Unterlippe besitzt kleine, mehr oder weniger dreieckige Seitenlappen, die vom Mittellappen deutlich überragt werden. Die blassen Staubfäden mit den roten Staubbeuteln ragen weit aus der Krone heraus.[1][2]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13; es tritt Diploidie, Triploidie und Tetraploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 26, 39 und 52 auf.[3]
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Kopfigen Gamanders erstreckt sich vom Mittelmeerraum über Südosteuropa, die Ukraine, Vorderasien und Zentralasien bis nach Afghanistan.[4][2] Er besiedelt trockene Felstriften, Phryganas und offene Wälder bis in Höhenlagen von 900 Metern.[1][5] Auf Sizilien kommt er häufig gemeinsam mit dem Kopfigen Thymian, dem Wilden Fenchel und dem Weißlichen Wegerich in kalkhaltigen Garrigues vor.[6]
Taxonomie und Systematik
Die Erstveröffentlichung von Teucrium capitatum erfolgte im Jahr 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 566.[7][4] Das Artepitheton capitatum bedeutet „mit Kopf“ oder „kopfförmig“[8] und bezieht sich hier auf die dichten, kugeligen Blütenköpfchen. Synonyme für Teucrium capitatum L. sind Chamaedrys capitata (L.) Raf., Polium capitatum (L.) Mill. und Teucrium polium subsp. capitatum (L.) Arcang.
Früher wurden zwei Unterarten (subsp. gracillimum und subsp. majoricum ) von Teucrium capitatum berücksichtigt. Sie sind im südöstlichen Spanien und auf den Balearen beheimatet. Seit 2024 werden diese der Gamanderart Teucrium valentinum Schreb. zugeordnet.[9] Phylogenetische Analysen zeigen, dass der Kopfige Gamander eng mit dem Polei-Gamander, dem Berg-Gamander und dem Gold-Gamander verwandt ist.[10]
Verwendung
In Griechenland werden die Laubblätter als Gewürz verwendet und zu einem Erfrischungsgetränk verarbeitet, das durch das Aufgießen mit kochendem Wasser und die Zugabe von Zucker entsteht. Im Libanon wird ein Aufguss aus den oberirdischen Teilen der Pflanze bei Diabetes, Schlaflosigkeit, neurologischen Störungen und Bauchkrämpfen verwendet. In der Region Palästina wird die Pflanze aufgrund ihrer blutdrucksenkenden, schmerzstillenden, antibakteriellen und antidiabetischen Wirkung eingesetzt. Außerdem dient sie in der Tiermedizin zur Behandlung von Durchfall, Koliken, Blutungen, Krätze und Blähungen.[11]
Die durch Wasserdampfdestillation aus dem Kopfigen Gamander gewonnenen ätherischen Öle enthalten einen hohen Anteil an Monoterpenen, darunter α- und β-Pinen, Limonen und Myrcen. In geringerer Menge sind auch sauerstoffhaltige Terpenoide wie trans-Pinocarveol und Terpinen-4-ol vorhanden.[6] Die Zusammensetzung der Öle variiert jedoch je nach geografischer Herkunft und lokalen Umweltbedingungen (Küsten- oder Bergregion) stark. Dadurch unterscheiden sich auch deren antibakterielle und antimykotische Eigenschaften.[12][13]
Literatur
- Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-10742-3, S. 266.