Tezer Özlü

deutsch-türkische Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Tezer Özlü Kıral (* 1943 in Anatolien; † 18. Februar 1986 in Zürich) war eine türkische literarische Übersetzerin und Schriftstellerin, die auch in Deutschland gewirkt hat.

Leben und Wirken

Tezer Özlü ist eine Schwester von Demir Özlü und Sezer Duru. Sie besuchte in Istanbul das katholische, österreichische St. Georgs-Kolleg. Ab 1963 war sie als Verfasserin von Prosa sowie als literarische Übersetzerin tätig, unter anderem übersetzte sie Werke von Italo Svevo, Franz Kafka und Cesare Pavese ins Türkische. Zu den von ihr ins Türkische übertragenen Autoren gehörte auch Heinrich Böll.[1] Sie war langjährige Mitarbeiterin des Türkisch-Deutschen Kulturbeirats bzw. Goethe-Instituts in Istanbul. Anfang der 1980er-Jahre kam sie als DAAD-Stipendiatin nach West-Berlin.[2]

Bei dem 1980 in West-Berlin durchgeführten Deutsch-Türkischen Autorentreffen übernahm Özlü gemeinsam mit Wolfgang Riemann vier Tage lang, nahezu pausenlos, die Rolle der Simultandolmetscherin und Übersetzerin, da die Stadt Berlin aus finanziellen Gründen keinen Dolmetscher für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte.[3]

In Deutschland verfasste Özlü mit Auf den Spuren eines Selbstmords (1982) einen deutschsprachigen Roman, für den sie mit dem Literaturpreis der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet wurde. In diesem Text folgt sie den Spuren von Schriftstellern, die sie verehrte, und verbindet Reiseeindrücke unter anderem aus Prag (Kafka), Triest (Svevo) und Turin (Pavese) mit Erinnerungsarbeit.[1] Das Werk entstand 1982 und erschien erst 2024 erstmals auf Deutsch als Buchausgabe.[1]

Ihr türkischer Roman Çocukluğun soğuk geceleri wurde von dem Turkologen Wolfgang Riemann ins Deutsche übersetzt und erschien 1985 in dem Berliner Spezialverlag EXpress-Edition. Im gleichen Jahr erschien in dem Utrechter Verlag Sjaloom eine Übersetzung ins Niederländische. 1989 gab die EXpress Edition eine deutsche Taschenbuchausgabe heraus. Der autobiographische Roman fand Anerkennung bei der Kritik und beim Publikum. Der Roman ist auf knapp 100 Seiten in einer Montage aus Erinnerungsbruchstücken erzählt und führt dabei unter anderem nach Anatolien, Istanbul, Paris und Berlin.[1] Thematisch verhandelt der Text unter anderem das Aufwachsen in patriarchalen Familienstrukturen sowie frühe Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken.[1] Der Stil wurde als knapp und elegisch beschrieben, mit abrupten Wechseln von Zeit, Tempo und Ort sowie dramatischen Dialogen.[1] Die 2025 bei Suhrkamp erschienene Neuübersetzung von Deniz Utlu enthält ein Nachwort des Übersetzers und lässt einzelne türkische Begriffe bewusst unübersetzt.[1]

Özlü wurde in den 1980er-Jahren neben Aysel Özakin, Tomris Uyar, Pınar Kür und Nazlı Eray zu den wichtigen jüngeren Vertreterinnen einer türkischen Frauenliteratur gezählt.[4] Michael Krüger widmete der Autorin noch zu Lebzeiten das Gedicht Istanbul, das in seinem Gedichtband Aus der Ebene (1982) erschien.

Tezer Özlü starb im Februar 1986 in Zürich. Sie starb an Brustkrebs.[1]

Werke (Auswahl)

  • Meist ist Tezer Kıral als Tezer Özlü gelistet, da sie den Namen ihres zweiten Mannes abgelegt hatte.[5]
  • Soweit nicht anders angegeben, sind die nachfolgend aufgeführten Werke in türkischer Sprache erschienen.

Romane

Erzählbände

  • Eski Bahçe-Eski Sevgi. Ada Yayinları, Istanbul 1978, 8. Auflage, Yapı Kredi Yayınları, Istanbul 2003, ISBN 975-363-190-1.

Aufzeichnungen

Briefwechsel

  • Leyla Erbil’e Mektuplar. Yapı Kredi Yayinları, Istanbul 1995, ISBN 975-363-259-2; 2. Auflage, Yapı Kredi Yayınları, Istanbul 2001, ISBN wie Erstauflage.

Drehbücher

Einzelnachweise

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