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Thaddäus Rinderle

deutscher Mathematiker, Astronom, Benediktiner und Priester From Wikipedia, the free encyclopedia

Thaddäus Rinderle OSB (eigentlich: Mathias Rinderle) (* 3. Februar 1748 in Staufen; † 7. Oktober 1824 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Mathematiker, Benediktiner und Priester.

Geographisch-astronomische Uhr (1787)
Deutsches Uhrenmuseum
Grabmal von Thaddäus Rinderle auf dem Friedhof von Staufen

Leben

Rinderle stammte aus einfachen Verhältnissen; er war der Sohn eines Landpächters und wurde am 3. Februar 1748 in seinem Elternhaus in Staufen geboren. Sein Vater Johannes und seine Mutter Anna Maria Rinderle tauften ihren Sohn noch am gleichen Tag in der St. Martinskirche auf den Namen Matthias. Von 1763 bis 1766 war er Schüler im Klostergymnasium St. Peter im Schwarzwald. Im Alter von 19 Jahren trat er in den Benediktinerorden in St. Peter im Schwarzwald ein und nahm seinen Mönchsnamen Thaddäus an. Später wurde er Mathematikprofessor an der Universität Freiburg im Breisgau. Er sollte der letzte Professor dieser Universität sein, der noch im Mönchshabit lehrte.

Seine Profess legte er am 28. Oktober 1767 ab und empfing am 21. September 1771 die Diakonats-[1] und am 27. September 1772 die Priesterweihe.[2] Vom Abt Philipp Jakob Steyrer wurde er zur Ausbildung in der Mathematik an die Universität Salzburg geschickt.[3] Zurückgekehrt zeichnete er sich durch Erfindungen optischer und mechanischer Instrumente aus, wie Rechnungs- und Nivellierungsmaschinen sowie Astronomischer Uhren. In Zusammenarbeit mit Pater Landolin fertigte er zwei mächtige Globen.

Zunächst unterrichtete er Mathematik im Heimatkloster St. Peter, bei den Benediktinern in Villingen sowie den Zisterziensern in Salem, bevor er dann 1788 als Professor der angewandten Mathematik und praktischen Geometrie an die Universität Freiburg berufen wurde.[4] Neben seinen Arbeiten als Uhrmacher wurde Rinderle regelmäßig als mathematisch-technischer Sachverständiger herangezogen. So entwarf er eine hölzerne Konstruktion zum Hochwasserschutz am Rhein.[5]

Nach dem Tod des Abtes Philipp Jakob Steyrer stand Rinderle bei der Abtwahl im Kloster St. Peter im Jahr 1795 selbst kurz vor der Wahl zum Abt, ehe die Entscheidung schließlich auf Ignaz Speckle fiel. Zeitlebens pflegte Rinderle, trotz seiner dauerhaften Professur, ein sehr enges Verhältnis zu seinem Mutterkloster. Das in der älteren Geschichtsschreibung maßgeblich durch den Aufklärer Johann Kaspar Ruef geprägte Bild, Rinderle habe das Klosterleben abgelehnt, gilt in der neueren Forschung als historisch unzutreffend und widerlegt.[6]

Vor seiner Versetzung in den Ruhestand am 14. Januar 1819 wurde aufgrund einer Erkrankung sein Lehramt für angewandte Mathematik vertretungsweise auf Gustav Friedrich Wucherer übertragen.[7] Obwohl Rinderle über Jahrzehnte an der Universität lehrte, veröffentlichte er keine eigenständigen theoretisch-mathematischen Schriften.[8]

Der Uhrenpater

Rinderle, der sich seit jeher für Technik und speziell für den Uhrenbau interessiert hatte, konstruierte 1787 eine geographisch-astronomische Uhr,[9] die 1859 als erstes nachweislich käuflich erworbenes Objekt in den Besitz der Uhrmacherschule Furtwangen, der Vorgängerinstitution des Deutschen Uhrenmuseums überging. Rinderle wird im Tagebuch seines Abtes Speckle oft als Uhrenpater bezeichnet. Er gab sein Wissen an die Bevölkerung der umliegenden Dörfer weiter.

Grabstein

Rinderle wurde auf dem Alten Friedhof in Freiburg begraben. Dort befindet sich eine um 1986 erstellte Replik seines Grabsteins[10], während das Original unter dem Dach der Einsegnungshalle des Friedhofs in Staufen erhalten blieb. Die Grabinschrift lautet: Vieles hat er bestimmt mathematisch/mit Ziffer und Buchstab/Aber die Stunde des Tods/bleibt unbekannter als x. Es ist vermutet worden, er habe dieses Epigramm, das sein Leben als Mönch unberücksichtigt lässt, selbst verfasst.[11] Kurt Schmidt konnte jedoch nachweisen, dass Julius Franz Borgias Schneller der Verfasser war, seit 1823 Professor der Philosophie in Freiburg, der es seiner Gedächtnisrede auf Rinderle voranstellte.[12]

Ehrungen

Nach seinem Tod ehrte ihn die Philosophische Fakultät der Universität Freiburg im Rahmen einer akademischen Totenfeier.[13] Seit 1978 ist eine Grundschule in Staufen nach ihm benannt. Sein Geburtshaus in Staufen befand sich am heutigen Durchgang von der Rathausgasse in die Meiergasse. Es wurde im Jahr 1910 abgerissen.[14] Zum 200. Todestag errichtete der Arbeitskreis Staufener Stadtbild im Oktober 2024 in der Nähe des Hauses eine Gedenktafel.[15]

Literatur

  • J. Lüroth: Thaddäus Rinderle, in: Badische Biographien. Bd. 2. Winter, Heidelberg 1875, Seite 188 (Digitalisat)
  • Kurt Schmidt: Thaddäus Rinderle (1748–1824), Mönch und Mathematiker. Bayerische Benediktinerakademie, München; EOS-Verlag, St. Ottilien 1981, ISBN 3-88096-625-7
  • Julius Franz Schneller: Rede auf Thaddäus Rinderle, Professor der Mathematik, bei dessen akademischer Todtenfeier in dem Münster zu Freiburg am 10. November 1825, Freiburg 1826 online
  • Werner Schäffner: Thaddäus Rinderle aus Staufen – Mathematikprofessor an der Albertina in Freiburg. Erschienen im Selbstverlag: Werner Schäffner, St.-Martin-Allee 7, Staufen im Breisgau 2014.
Commons: Thaddaeus Rinderle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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