Thomas-Institut
Universität in Deutschland
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Das Thomas-Institut ist ein mit dem Philosophischen Seminar der Universität zu Köln verbundenes wissenschaftliches Forschungsinstitut mit Schwerpunkt in der philosophischen Mediävistik. Der Lehrstuhlinhaber für Mittelalterliche Philosophie ist in Personalunion Direktor des Instituts. Als Präsenzbibliothek stellt das Institut Gästen seine Literaturbestände zur Verfügung.
Geschichte
Die Errichtung des Thomas-Instituts geht auf Joseph Karl Koch zurück, der 1948 nach Köln kam und das Institut zwei Jahre später mit dem Ziel gründete, eine hochspezialisierte Fachbibliothek zur mittelalterlichen Geistesgeschichte aufzubauen. Nachfolger in der Leitung des Instituts waren Paul Wilpert (1954–1967), Albert Zimmermann (1967–1993), Jan A. Aertsen (1993–2003) und Andreas Speer (seit 2004).
Forschung
Die wissenschaftliche Haupttätigkeit des Institus liegt in der quellenkritischen Erschließung mittelalterlicher Texte. Hierzu werden kritische Editionen zu philosophischen und theologischen Werken verschiedener Autoren des lateinischen, byzantinischen, arabischen und hebräischen Mittelalters erstellt. Zu den beforschten Autoren gehören dabei unter anderem Averroes, Thomas von Aquin, Nikolaus von Kues, Durandus von St. Pourçain, Meister Eckhart und Ibn Bāǧǧa. Zwar liegt der Schwerpunkt der Forschung des Instituts eindeutig in der mittelalterlichen Philosophie, jedoch wird auch im Bereich der antiken und zum Teil auch der neuzeitlichen Philosophie geforscht. Textkritische Editionen werden überdies über verschiedene digitale Plattformen zur Verfügung gestellt - hierzu zählen etwa das Digital Averroes Research Environment (DARE), das Meister-Eckhart-Archiv oder das Digital Durandus Research Portal (DDRP).
Veranstaltungen
Das Thomas-Institut organisiert regelmäßig stattfindende wissenschaftliche Veranstaltungsformate, von denen die Kölner Mediävistentagung und die Philosophie kontrovers-Reihe herauszuheben sind. Daneben ist es auch an der Albertus-Magnus-Professur, dem Meister-Eckhart-Preis, dem Köln-Bonner Kolloquium und der Schedula diversarum artium beteiligt.
Kölner Mediävistentagung
Die Kölner Mediävistentagungen sind internationale Wissenschaftstagungen, die alle zwei Jahre unter einem neuen Leitthema stattfinden. Damit fördert das Institut seit seiner Gründung interdisziplinären Austausch und Zusammenarbeit unter den mediävistischen Fachdisziplinen. Die erste abgehaltene Tagung reicht noch in das Gründungsjahr 1950 zurück - seither folgten zahlreiche weitere. Die letzte Tagung aus dem Jahr 2024 galt dem Thema "Konstellationen".
Philosophie kontrovers
Philosophie kontrovers ist der Titel des Vortragsforums des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln. Jedes Semester wird unter einem ausgesuchten Leitthema eine philosophische Fragestellung mit gesellschaftspolitischer Relevanz im Rahmen eines Hauptvortrages, einer Respondenz und einer Publikumsdiskussion erörtert und diskutiert. So widmete sich etwa die letzte Veranstaltungsreihe aus dem Wintersemester 2025/26 dem Thema "Intelligenz".
Albertus-Magnus-Professur
Die Albertus-Magnus-Professur ist nach dem mittelalterlichen Universalgelehrten Albertus Magnus benannt, der von 1248 bis 1254 in Köln am Generalstudium der Dominikaner lehrte. Die Universität zu Köln errichtete in enger Zusammenarbeit mit dem Thomas-Institut diese Professur, bei der eine Persönlichkeit von internationaler Geltung berufen wird, die für einige Tage in öffentlichen Vorlesungen und Seminaren Fragen von allgemeiner Bedeutung behandelt.
Literatur
- Josef Koch: „Das Thomas-Institut. Forschungsstelle für besondere philosophische Aufgaben an der Universität Köln“. In: Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 4 (1955): 8-14.
- Erich Meuthen: „Das Thomas-Institut. Vor- und Gründungsgeschichte“. In: Ende und Vollendung. Eschatologische Perspektiven im Mittelalter. Hrsg. Von Jan A. Aertsen und Martin Pickavé, mit einem Beitrag zur Geschichte des Thomas-Instituts der Universität zu Köln anläßlich des 50. Jahrestages der Institutsgründung. Berlin, New York: de Gruyter, 2002. 3-20.
- Andreas Speer: „50 Jahre Kölner Mediaevistentagungen: ein Überblick“. In: Ende und Vollendung. Eschatologische Perspektiven im Mittelalter. Hrsg. Von Jan A. Aertsen und Martin Pickavé, mit einem Beitrag zur Geschichte des Thomas-Instituts der Universität zu Köln anläßlich des 50. Jahrestages der Institutsgründung. Berlin, New York: de Gruyter, 2002. 36-47.
- Andreas Speer: Das Meister-Eckhart-Archiv am Thomas-Institut der Universität zu Köln. Die Kontinuität der Forschungsaufgaben. In: Bulletin de philosophie médiévale Bd. 37 (1995), S. 149–174.