Marienplatz 1 (München)

denkmalgeschütztes Gebäude in München From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Haus Marienplatz 1 in München ist ein Wohn- und Geschäftshaus. Es ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[1]

Thomass-Eck

Lage

Das Haus liegt am westlichen Ende des Marienplatzes in der Münchner Altstadt. Es ist ein Eckbau, seine Südseite liegt an der Kaufingerstraße. Das Haus bildet eine bauliche Einheit mit dem benachbarten Haus Marienplatz 2.

Geschichte

Der älteste bekannte Name des Hauses ist Greifeneck. Er ist in einem Gerichtsbuch-Eintrag von 1522 genannt. Weitere historische Bezeichnungen sind Riegereck nach der vom 16. bis zum 18. Jahrhundert dort lebenden Familie Rieger und Vogelmarkteck, weil vor dem Haus der Vogelmarkt abgehalten wurde. Nachdem Erwerb des Hauses durch Carl Thomass hieß es auch Thomass-Eck.[2]

Marienplatz, Merian, 1642

Eine Ansicht des Marienplatzes von Matthäus Merian aus dem Jahr 1642 zeigt das Eckhaus als viergeschossigen Bau im gotischen Stil mit Pultdach und Arkaden im Erdgeschoss zum Platz hin. Ein Eckerker in seinem obersten Geschoss trug einen spitzen Helm. Das Haus war über Jahrhunderte im Besitz von Kornmessern. Die Arkaden seines Erdgeschosses dienten als Kornmarkt.[3]

Hauptwache, Lebschée, 1868

1769 erwarb die Stadt München das Haus. Sie ließ es bis 1771 zur Unterbringung der städtischen Hauptwache von François de Cuvilliés d. J teils neu- und teils umbauen. Der Um- und Neubau umfasste auch das nördlich angrenzende Haus. Nach dem Umzug der Hauptwache in das Neue Rathaus verkaufte die Stadt das Haus 1865 an den Juwelier und Unternehmer Carl Thomass. Er ließ es 1870 gemeinsam mit dem nördlich angrenzenden Nachbarhaus Marienplatz 2 um zwei Geschosse aufstocken und unter einem gemeinsamen einseitigen Walmdach zusammenfassen. Die Fassade des Eckhauses wurde teils im Stil der Neorenaissance umgestaltet und erhielt eine Sgraffito-Bemalung.[3]

Im Zweiten Weltkrieg brannten die oberen drei Geschosse aus, auch die darunter liegenden Geschosse erlitten Schäden. 1950 erfolgte ein vereinfachter Wiederaufbau. Dabei wurden die Sgraffiti und Teile der Gliederung beseitigt und im Erdgeschoss Fußgängerarkaden mit Rechtecköffnungen eingebaut.[3]

Beschreibung

Thomass-Eck

Das Haus ist ein sechsgeschossiger Eckbau mit einer quadratischen Grundfläche von etwa 17 Metern Seitenlänge. Es trägt gemeinsam mit seinem Nachbarhaus Nr. 2 ein einseitiges Walmdach. Die zum Marienplatz zeigende Ostfassade hat acht Fensterachsen, die zur Kaufingerstraße zeigende Südfassade sieben, wobei die mittlere verbreitert ist. Das erste bis dritte Obergeschoss weist Stuckdekor im Stil des Rokoko auf. An der Ostfassade erstreckt sich ein Balkon im zweiten Obergeschoss über vier Fensterachsen. Die Südfassade hat einen Balkon in der mittleren Fensterachse des vierten Obergeschosses. Das Erdgeschoss, das weiterhin das Juweliergeschäft Thomass beherbergt, hat breite Fußgängerarkaden mit Rechtecköffnungen.

Literatur

  • Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 555.
  • Helmuth Stahlecker: Riegereck. In: Haus- und Straßennamen der Münchner Altstadt. Hugendubel, München 1992, ISBN 3-88034-640-2, S. 400 f.
Commons: Thomass-Eck (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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