Die drei Tage des Condor

Film von Sydney Pollack (1975) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die drei Tage des Condor (Originaltitel: Three Days of the Condor) ist ein US-amerikanischer Politthriller bzw. Agentenfilm aus dem Jahr 1975 nach James Gradys kurz zuvor erschienenem Roman Die 6 Tage des Condor. Produziert wurde der Film von Stanley Schneider, Regie führte Sydney Pollack. Der Film verstieß gegen übliche Genre-Konventionen und dekonstruierte den klassischen Thriller, in dem Staatsdiener gegen Gesetzesbrecher kämpfen. Hier wurden staatliche Autoritäten infrage gestellt, sodass dieser Film dem „New Hollywood“ zuzurechnen ist.[2]

TitelDie drei Tage des Condor
OriginaltitelThree Days of the Condor
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Die drei Tage des Condor
Originaltitel Three Days of the Condor
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1975
Länge 113 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Sydney Pollack
Drehbuch Lorenzo Semple Jr., David Rayfiel
Produktion Stanley Schneider
Musik Dave Grusin
Kamera Owen Roizman
Schnitt Don Guidice, Fredric Steinkamp
Besetzung
Schließen

Handlung

Joseph Turner ist einer von acht Mitarbeitern des Nachrichtendienstes CIA, die in einer als American Literary Historical Society getarnten New Yorker Dienststelle arbeiten. Sie sind damit befasst, internationale Literatur zu sichten und danach auszuwerten, ob darin Strategien und Hinweise enthalten sind, die für die CIA von Nutzen sein könnten.

Als Turner – Deckname „Condor“ – eines Tages in der Mittagszeit von einer kurzen Besorgung ins Büro zurückkehrt, findet er dort sämtliche Kollegen erschossen und die Räume in völliger Verwüstung vor. Aus der Schublade der Empfangssekretärin nimmt er deren Pistole an sich und verlässt das Büro. Den wegen Krankheit nicht anwesenden siebten Kollegen findet er erschossen zu Hause in dessen Wohnung. Die Rückkehr in seine eigene bricht er ab, als er von seiner Vermieterin, die er vor dem Haus antrifft, beiläufig darüber informiert wird, dass zwei Freunde in seiner Wohnung auf ihn warten. Er muss nun, bevor man ihn als einzigen Überlebenden der Gruppe ebenfalls beseitigen wird, herausfinden, wer diesen Anschlag durchgeführt hat und warum. Bei dem Versuch, mit dem Hauptquartier der CIA in Langley Verbindung aufzunehmen, um Anweisungen und Schutz zu erhalten, entkommt Turner nur knapp einem Mordanschlag. Dabei schießt er den ihm unbekannten Attentäter an, und dieser wiederum erschießt einen zur Vertrauensbildung mitgebrachten und Turner bekannten Kollegen namens Sam – Turner flüchtet. Spätestens jetzt stellt sich also heraus, dass CIA-Agenten für den Anschlag verantwortlich sind.

Turner, der keine Erfahrung im Außendienst hat, muss improvisieren und zwingt ein Zufallsopfer, die Fotografin Kathy Hale, mit seiner Waffe, ihn in ihrem Wagen mitzunehmen, um sich vorläufig in ihrer Wohnung in Brooklyn verstecken zu können. Nach kurzer Ruhepause fesselt und knebelt er sie, lässt sie in ihrer Wohnung zurück und nimmt sich ihr Auto. Als er die infolge der bisherigen Vorgänge ebenfalls gefährdete und noch ahnungslose Frau des erschossenen Kollegen befragen und in Sicherheit bringen will, steht er dem auf ihn angesetzten Mörder im Aufzug gegenüber und wird von diesem sogar freundlich angesprochen. Er erkennt instinktiv die von dem Mann ausgehende Gefahr und kann mit viel Glück und einer List in Kathys Auto entkommen. Der Mörder liest jedoch mit einem Zielfernrohr dessen Kennzeichen. Turner kehrt in Hales Wohnung zurück, befreit sie und zwingt sie dazu, am Telefon ihren auf sie in Vermont zum Skifahren wartenden Freund zu vertrösten. Turner und Hale beginnen eine Liebesbeziehung. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht erscheint am nächsten Morgen ein als Paketbote getarnter Killer in Kathys Wohnung. Er wird nach einem heftigen Kampf von Turner getötet.

Kathy hilft ihm herauszufinden, wer die Person innerhalb der CIA ist, mit der Turner Kontakt aufgenommen hat. Sein Name ist Higgins, ein undurchsichtiger hoher Mitarbeiter der CIA in New York. Kathy und Turner entführen ihn aus einem Restaurant und befragen ihn mit mäßigem Ergebnis. Higgins versucht danach, von innerhalb der CIA die Vorgänge zu verstehen. Schließlich findet Turner heraus, dass die Auslöschung der American Literary Historical Society von Leonard Atwood veranlasst wurde, einem anderen hohen CIA-Mitarbeiter in Langley. Als Turner diesen in seiner Wohnung aufsucht und zur Rede stellt, erfährt er, dass Atwood in einer von Turner verfassten Literaturanalyse eine Gefahr für seine Planspiele einer Invasion der USA in Ölstaaten des Nahen Ostens oder in Venezuela sah. Überraschend erscheint dort auch Joubert, der auf Turner angesetzte Auftragsmörder, der Turner zwar entwaffnet, dann aber nicht ihn, sondern Atwood, seinen früheren Auftraggeber, erschießt, der inzwischen selbst in Ungnade gefallen ist. Joubert drückt dem toten Atwood anschließend seine Pistole in die Hand, so dass es wie Selbstmord aussieht. Joubert lässt Turner unbehelligt und rät ihm, nach Europa zu gehen, das wäre jedenfalls seine Wahl. Weil Turner aber in den USA bleiben will, gibt er ihm dessen Pistole zurück.

Turner, der aufgrund seiner Erkenntnisse nach wie vor in Lebensgefahr ist, kontaktiert wieder Higgins und trifft sich in New York mit ihm auf offener Straße. Er eröffnet ihm, dass er die ganze Geschichte an die New York Times weitergegeben habe. Higgins fragt, ob er sich sicher sei, dass die Zeitung den Artikel auch tatsächlich veröffentlichen werde. Turner bejaht, verlässt Higgins und verschwindet im Straßengetümmel. Die Unsicherheit bleibt.

Produktion und Veröffentlichung

Um wieder mit seinem Lieblingsregisseur und Freund Sydney Pollack zusammenarbeiten zu können, machte Robert Redford ihm eine Buchverfilmung schmackhaft. Er soll gesagt haben: „Warte mal, Sid! Ich hab‘ da gerade ‘ne Sache gelesen, mit der wir sofort loslegen können. Das Ding ist große Scheiße, aber genau das, wovon wir immer gesprochen haben, nichts mit Tiefgang und so. Ein Popcornfilm, ein Thriller!“[3]

Redford nahm den Dreh nicht besonders ernst und war gedanklich schon beim Nachfolger Die Unbestechlichen. Pollack schätzte jedoch die Professionalität, mit der Redford das Projekt beendete.[3]

Im Gegensatz zu Redford wurde die als „äußerst schwierig“[4] empfundene Faye Dunaway immer wieder mit Einwänden und Vorschlägen vorstellig,[3] denn sie kam sich in ihrer Rolle eher wie ein „Kleiderständer“ vor.[4] Sie bewirkte trotzdem, „aus einer stereotypen Rollenbeschreibung eine Figur aus Fleisch und Blut gemacht zu haben“.[4]

Anders als im Buch spielt die Story in New York City, wo die Dreharbeiten Ende Oktober 1974 begannen.[4]

Der fertige Film war mit seinem Einspielergebnis von 20 Millionen Dollar allein in den USA einer der größten Kinoerfolge 1975.[4]

Ein weniger bekannter Veröffentlichungstitel ist Treffpunkt Mitternacht C.I.A.

Drehorte

Three Days of the Condor wurde an folgenden Orten gedreht (Angabe nach Filmchronologie; sofern nicht anders angegeben in Manhattan, New York):[5][6]

Soundtrack

Wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, stammen alle Titel von Dave Grusin.

  1. Condor! (Theme from 3 Days of the Condor) – 3:35
  2. Yellow Panic – 2:15
  3. Flight of the Condor – 2:25
  4. We’ll Bring You Home – 2:24
  5. Out to Lunch – 2:00
  6. Goodbye for Kathy (Love Theme from 3 Days of the Condor) – 2:16
  7. I’ve Got You Where I Want You (Grusin/Bahler; sung by Jim Gilstrap) – 3:12
  8. Flashback to Terror – 2:24
  9. Sing Along with the C.I.A. – 1:34
  10. Spies of a Feather, Flocking Together (Love Theme from 3 Days of the Condor) – 1:55
  11. Silver Bells (Livingstone/Evans; Vocal: Marti McCall) – 2:37
  12. Medley: a) Condor! (Theme); b) I’ve Got You Where I Want You – 1:57

Kritiken

Weitere Informationen Quelle, Bewertung ...
Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes (Tomatometer) 87 %[7]
Schließen

Halliwell’s Film Guide charakterisiert den Film als unterhaltsamen New-York-Thriller. Er imitiere schamlos die Wendungen aus Die 39 Stufen. Die Handlung sei gerade noch nachvollziehbar, immerhin seien die Dialoge geistreich. Der Film erhielt zwei von vier möglichen Sternen.[8]

Das Lexikon des internationalen Films gibt an, dass der „ebenso intelligente wie spannende Polit-Thriller […] auf die fragwürdige Rolle eines Geheimdienstes, der Gefahr läuft, den Staat, den er eigentlich schützen sollte, mit totalitären Tendenzen zu verseuchen“ verweise.[9]

In Das große Film-Lexikon schrieb Mitautor Sönke Krüger, der Film beziehe „den Hauptteil seiner Spannung vor allem daraus, daß er den Zuschauer bis zum Schluß im Ungewissen“ belasse, „ihm Informationen regelrecht“ vorenthalte. Gleichwohl sei er „ein anerkennenswerter Versuch darzustellen, daß Macht und Moral auch und gerade in einer sich demokratisch nennenden Gesellschaft wenig gemein haben“.[10]

Die Website des Senders rbb Fernsehen bewarb den Film mit den Zuschreibungen „Paranoia-Meisterwerk des New-Hollywood-Kinos“ beziehungsweise „klassischer Spionagethriller, der allen Anforderungen des Genres gerecht wird“. Als Ingredienzen wurden genannt: „atemberaubende Spannung, überraschende Wendungen und eine zarte Liebesgeschichte“. „Mit seiner Thematik von Verschwörung, Verrat und Agentenmorden innerhalb des CIA-Netzwerkes“ habe der Film „Anfang der 70er Jahre in den USA den Nerv der Zeit“ ähnlich zahlreicher anderer Filme getroffen. „Der subtile, bissige Plot“ habe „das Misstrauen der amerikanischen Bevölkerung gegenüber den Sicherheitsbehörden und der Regierung nach der Watergate-Affäre“ aufgegriffen und reflektiere „auf kritische Weise die undurchsichtige Haltung politischer Institutionen.“[11]

Das Handbuch IX der Katholischen Filmkritik für die Jahre 1971 bis 1976 bezeichnet den Film als „[i]ntelligent gemachte[n] Thriller“, der auf „spannende Weise unterhaltend“ sei. Zudem spiegele er „eine in den USA aktuelle Verunsicherung gegenüber dem Wirken der dortigen Staatssicherheits-Organe“.[12]

Die Filmzeitschrift Cinema urteilte knapp: „Ein Klassiker des 70er-Paranoiakinos.“[13]

In der Robert-Redford-Biografie des Heyne-Verlages bewertete Autor Thomas Jeier den Film schlecht. Es sei ein spannender Film geworden, er lasse aber erwartungsgemäß den Tiefgang vermissen.[3]

Auszeichnungen

Fernsehserie

Im Jahr 2018 wurde die zehnteilige Fernsehserie Condor ausgestrahlt, die auf dem Buch und dem Film basiert.

Literatur

  • James Grady: Die 6 Tage des Condor. Roman. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-596-28116-4 (englisch: Six Days of the Condor. Übersetzt von Boris und Anna Savinelli).

Von "Condor" sind bisher (Stand 2025) 6 Bände von Autor James Grady erschienen:

  • (1) "Die 6 Tage des Condor" (USA 1974), verfilmt als "Die drei Tage des Condor" (USA 1975)
  • (2) "Der Schatten des Condor" (USA 1975), deutsche Ausgabe erschien 1980 im FISCHER Verlag
  • (3) "Die letzten Tage des Condor" (USA 2015), deutsche Ausgabe erschien 2016 im SUHRKAMP Verlag
  • (4) "Next Day of the Condor" (USA 2015), Kurzgeschichte, bisher keine deutsche Ausgabe
  • (5) "Condor" (USA 2018), Taschenbuch zur TV-Serie (USA 2018ff), bisher keine deutsche Ausgabe
  • (6) "Condor: The Short Takes" (USA 2019), Kurzgeschichten, bisher keine deutsche Ausgabe

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI