Etappe der Tour de France 2023
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Die 6. Etappe der Tour de France 2023 fand am 6.Juli 2023 statt und endete mit der ersten Bergankunft der 110.Austragung. Die Strecke startete in Tarbes und führte über 144,9Kilometer nach Cauterets, wo sich das Ziel am Ende der Route de Cambasque auf einer Höhe von 1355Metern befand. Mit dem Col d’Aspin und Col du Tourmalet wurden zuvor zwei Pyrenäen-Pässe überquert. Nach der Zielankunft hatten die Fahrer insgesamt 1073,8Kilometer absolviert, was 31,5% der Gesamtdistanz der Rundfahrt entspricht.
Das Team Jumbo-Visma eröffnete das Finale bereits im Anstieg des Col du Tourmalet. Jonas Vingegaard (Jumbo-Visma) und Tadej Pogačar (UAE Team Emirates) distanzierten die anderen Gesamtklassement-Fahrern und nahmen gemeinsam den Schlussanstieg in Angriff. Auf den letzten Kilometern setzte sich Tadej Pogačar von Jonas Vingegaard ab und gewann die Etappe. Jonas Vingegaard übernahm das Gelbe Trikot von Jai Hindley (Bora-hansgrohe).
Streckenführung
Der neutralisierte Start erfolgte in Tarbes vor der Halle Marcadieu unweit der Paroisse Sainte Thérèse. Vorbei am Jardin Massey mit dem Musée Massey führte die Strecke in Richtung Norden, ehe das Peloton über Aureilhan nach Séméac gelangte. Nach dem Ortsgebiet wurde das Rennen auf der D21 einer kurzen Steigung nach 7,8Kilometern freigegeben.
Nach dem offiziellen Start führte die Strecke vorbei am Lac de l’Arrêt Darré in Richtung Westen, ehe die Fahrtrichtung gen Süden drehte und über Tournay zur Côte de Capvern-les-Bains (602m) führte, die bei Kilometer29,9 erreicht wurde und als Bergwertung der 3.Kategorie klassifiziert worden war. Sie war 5,6Kilometer lang und wies eine durchschnittliche Steigung von 4,8% auf. Im Anschluss führte die Strecke über Capvern und Hèches nach Sarrancolin, wo nach 49,2Kilometern der Zwischensprint ausgefahren wurde. Die Fahrer befanden sich nun im Valle d’Aure, ehe sie den Col d’Aspin in Angriff nahmen. Mit einer Länge von 12Kilometer und einer Durchschnittsteigung von 6,5% führte dieser Anstieg der 1.Kategorie auf eine Höhe von 1490Metern. Die Kuppe wurde nach 68,1Kilometern überquert und es folgte eine rund 10Kilometer lange Abfahrt nach Sainte-Marie de Campan, das am Fuß des Col du Tourmalet liegt. Nun begann die Straße allmählich zu steigen und führte für 17,1Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,3% bergauf zur Passhöhe. Die zweite Hälfte des Anstiegs ist deutlich anspruchsvoller, da die Kilometerschnitte hier kaum unter 9% fallen. Auf dem ColduTourmalet wurde auf einer Höhe von 2115Metern eine Bergwertung „hors catégorie“ abgenommen und es wurde das Souvenir Jacques Goddet vergeben. Die Kuppe wurde 47Kilometer vor dem Ziel überquert, ehe eine 18,5Kilometer lange Abfahrt nach Luz-Saint-Sauveur führte. Nun folgte die Strecke dem Gave de Gavarine stromabwärts und verlief dabei leicht abschüssig nach Pierrefitte-Nestalas, wo der Schlussanstieg nach Cauterets begann.
Die Auffahrt nach Cauterets war 15,9Kilometer lang und wies eine durchschnittliche Steigung von 5,4% auf. Die ersten elf Kilometer führten bei moderaten Steigungsprozenten von teils weniger als 5% ins Ortsgebiet von Cauterets, ehe die Fahrer die Route de Cambasque erreichten. Auf den letzten fünf Kilometern wurden Kilometerschnitte von mehr als 10% erreicht, wobei die Straße auf den letzten 1500Metern etwas abflachte und mit rund 6% im Schnitt zum Ziel führte. Im Ziel wurde auf einer Höhe von 1355Metern eine Bergwertung der 1.Kategorie abgenommen.[1]
Nachdem zunächst die Bora-hansgrohe-Mannschaft um den gesamtführenden Jai Hindley das Tempo bestimmt hatte, übernahm im oberen Teil des Col d’Aspin die Jumbo-Visma-Mannschaft. In der Ausreißergruppe sorgte Wout van Aert dafür, dass sich der Vorsprung bei rund drei Minuten stabilisierte, wodurch mehrere Fahrer der Fluchtgruppe auf dem ersten Pass zurückfielen. Die Bergwertung auf dem Cold’Aspin gewann Neilson Powless vor Ruben Guerreiro und schlüpfte somit virtuell ins Bergtrikot. Am Fuße des Col du Tourmalet zog sich das Team Jumbo-Visma kurzzeitig zurück, ehe es mit Christophe Laporte und Nathan Van Hooydonck das Tempo erneut forcierte. Mit Michael Woods (Israel-Premier Tech) fiel der Gesamtelfte bereits früh zurück und mit Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe) verblieb nur noch ein Helfer an der Seite von Jai Hindley. Bei La Mongie, das rund vier Kilometer vor der Passhöhe erreicht wurde, übernahm Wilco Kelderman (Jumbo-Visma) die Tempoarbeit, wodurch das Hauptfeld endgültig zerfiel. Einzig Jonas Vingegaard, der Kapitän der Jumbo-Visma-Mannschaft, sein Teamkollege Sepp Kuss und Tadej Pogačar (UAE Team Emirates) konnten der neuerlichen Tempoverschärfung folgen, während Jai Hindley nach nur wenigen Metern das Hinterrad der Angreifer verlor. Nachdem Wilco Kelderman und Sepp Kuss ihre Arbeit getan hatten, griff Jonas Vingegaard an, konnte Tadej Pogačar jedoch anders als am Vortag nicht distanzieren. Auf der Passhöhe des Col du Tourmalet betrug der Rückstand der beiden auf die Ausreißergruppe weniger als eine Minute. Die weiteren Gesamtklassement-Fahrer hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits rund zwei Minuten hinter sich gelassen. Kurz nach der Kuppe schlossen Jonas Vingegaard und Tadej Pogačar zu Wout van Aert auf, der nach der Überquerung des Col du Tourmalet auf seinen Kapitän gewartet hatte. Unter dem Tempodiktat des Belgiers war die Ausreißergruppe im Anstieg zerfallen und mit Ruben Guerreiro, Tobias Halland Johannessen, Michał Kwiatkowski und James Shaw hatten ihm nur vier Fahrer bis auf die Passhöhe folgen können. Im Sprint um die Bergwertung hatte sich Tobias Halland Johannessen vor Ruben Guerreiro durchgesetzt und zugleich das Souvenir Jacques Goddet gesichert. In der Abfahrt schloss Wout van Aert mit Jonas Vingegaard und Tadej Pogačar am Hinterrad die Lücke zu der Spitzengruppe, wobei sich mit Neilson Powless auch ein ehemaliger Fahrer der Ausreißergruppe zurückkämpfte. Rund zwei Minuten dahinter formierte sich eine große Gruppe um Jai Hindley in der mit Ausnahme von Giulio Ciccone und Mattias Skjelmose Jensen (beide Lidl-Trek) alle Fahrer vertreten waren, die in der Gesamtwertung auf den ersten zehn Plätzen lagen. Auf dem Weg zum Schlussanstieg baute Wout van Aert den Vorsprung der Spitzenreiter weiter aus, während Emanuel Buchmann die Nachführarbeit in der Verfolgergruppe übernahm.
Im Schlussanstieg nach Cauterets hielt Wout van Aert das Tempo im unteren Teil weiter hoch, ehe er rund vier Kilometer vor dem Ziel nach getaner Arbeit zurückfiel. Jonas Vingegaard griff erneut an, konnte Tadej Pogačar jedoch wieder nicht distanzieren. Rund drei Kilometer vor dem Ziel holte der Slowene schließlich zum Gegenschlag aus und konnte innerhalb von wenigen Metern eine kleine Lücke zum Vorjahressieger öffnen. Auf den letzten Metern baute er seinen Vorsprung weiter aus und gewann mit 24Sekunden Vorsprung seine zehnte Tour-de-France-Etappe. Hinter Jonas Vingegaard belegte Tobias Halland Johannessen den dritten Rang. In der Verfolgergruppe setzten sich Carlos Rodríguez (Ineos Grenadiers) und Jai Hindley von den restlichen Fahrern ab, ehe auch Simon Yates (Jayco AlUla) auf den letzten Metern zu ihnen stieß. Das Trio wies im Ziel einen Rückstand von zwei Minuten und 39Sekunden auf den Etappensieger auf. Die weiteren Gesamtklassement-Fahrer verloren weitere 30Sekunden.
In der Gesamtwertung übernahm Jonas Vingegaard das Gelbe Trikot von Jai Hindley. Der Däne lag nun 25Sekunden vor Tadej Pogačar, während Jai Hindley als Dritter bereits einen Rückstand von einer Minute und 34Sekunden aufwies. Dahinter folgte Somon Yates mit über drei Minuten Rückstand, ehe die Fahrer bis zum neunten Gesamtrang deutlich knapper zusammenlagen. Giulio Ciccone, Mattias Skjelmose Jensen und Emanuel Buchmann fielen aus den Top10, während Romain Bardet (DSM-Firmenich), Thomas Pidcock (Ineos Grenadiers) und Sepp Kuss (Jumbo-Visma) in diese vorrückten. Neilson Powless übernahm die Führung in der Bergwertung, während Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) das grüne Trikot der Punktewertung verteidigte. In der Nachwuchs- und Mannschaftswertung kam es zu keinem Führungswechsel. Alle 172Starter erreichten das Ziel im vorgegebenen Zeitlimit, wobei Wout van Aert zum zweiten Mal in Folge zum kämpferischsten Fahrer gewählt wurde.[2][3]
Der portugiesische Fahrer Ruben Guerreiro wurde nach dem Rennen von der Renn-Jury für sein Fahrverhalten am ColduTourmalet bestraft: beim Sprint um die Bergwertung drängte er den Norweger Tobias Halland Johannessen von der Straße weg, um als Erster die Kuppe zu erreichen. Infolgedessen bekam Ruben Guerreiro 5Punkte Abzug in der Bergwertung und wurde bei dieser Bergwertung auf dem letzten Platz seiner Ausreißergruppe gesetzt. Zudem musste er ein Bußgeld in Höhe von 500CHF bezahlen.[4]