Das Fahrerfeld umrundete die Gebirge Massif des Arves und Grandes Rousses
Gleich zu Beginn der Etappe, am Fuß des Col de la Croix de Fer, hatte sich bereits eine sechsköpfige Ausreißergruppe vom restlichen Fahrerfeld abgesetzt und einen Vorsprung von mehr als 1Minute herausgefahren. Schon auf den ersten Kilometern des Anstiegs gerieten zahlreiche Fahrer aus dem Feld unter Druck und mussten den Kontakt abreißen lassen. Im Peloton wurde das Tempo anschließend mehrfach verschärft, wodurch der Abstand zur Ausreißergruppe kleiner wurde. Rund 16Kilometer vor dem Gipfel folgte die nächste Tempoverschärfung von Juan Ayuso (Lidl-Trek), die im Peloton zu einer weiteren Selektierung führte. Das Peloton zerfiel in mehrere Gruppen, wobei das Peloton selbst auf etwa 25Fahrern schrumpfte. Das kleine Peloton wurde nun mehr eine Klassementgruppe, während die ursprüngliche Ausreißergruppe schließlich von mehreren Verfolgern eingeholt wurde. Infolge dieses Angriffs bildete sich eine neue Spitzengruppe aus 14Fahrern:
Etwa 3,5Kilometer vor dem Gipfel des Col de la Croix de Fer war es Carapaz, der aus der Spitzengruppe heraus zur Attacke ansetzte und sich mit einem entschlossenen Antritt deutlich von seinen Begleitern lösen konnte. Carapaz setzte sich an die Spitze des Rennens, erreichte den Gipfel als Erste. Nur Paret-Peintre vermochte ihm zunächst zu folgen und überquerte die erste Bergwertung des Tages mit einem Rückstand von etwa 20Sekunden. Die übrigen Fahrer der Spitzengruppe erreichten den Gipfel erst mit ungefähr einer Minute Rückstand. In der anschließenden langen Abfahrt gelang ihnen jedoch wieder die Zusammenführung. Die Klassementgruppe folgte ihrerseits mit einem Abstand von mehr als 2Minuten. Derweil hatte sich Mads Pedersen (Lidl-Trek) wenige Kilometer vor dem Gipfel aus der Klassementgruppe gelöst, um noch vor dem Zwischensprint den Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen. Auch ihm gelang dieses Vorhaben in der langen Abfahrt, sodass sich die führende Gruppe nun aus 15 Fahrern zusammensetzte. Den Zwischensprint, der 104,4Kilometer vor dem Ziel ausgetragen wurde, entschied Pedersen für sich und machte damit rechnerisch das Grüne Trikot endgültig sicher. Der Rückstand der Klassementgruppe belief sich zu diesem Zeitpunkt auf etwa 2:30Minuten, während in der Abfahrt weitere Fahrer wieder zur Klassementgruppe aufschließen konnten.
Die Spitzengruppe fährt durch die Gemeinde Saint-Martin-d’Arc (rund 95 Kilometer vor dem Ziel) und nimmt Kurs auf den Col du Télégraphe. Auf letzter Position befindet sich der spätere Etappensieger Richard Carapaz (im Gepunkteten Trikot)
Rund 10Kilometer später erreichte die Spitzengruppe den beginnenden Anstieg zum Col du Télégraphe. Zunächst ließ sich Jorgensen aus der Spitzengruppen fallen, kurz darauf musste auch Pedersen abreißen lassen. Wenig später konnten zudem Paret-Peintre und Armirail dem Tempo nicht mehr folgen. Etwa 6Kilometer vor der Bergwertung war schließlich auch Braz Afonso nicht mehr in der Lage, mitzuhalten. Den Col du Télégraphe überquerte Carapaz schließlich als Erster. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Vorsprung auf die Klassementgruppe bereits mehr als 4Minuten. Nach der kurzen Abfahrt folgte direkt der 17,7 Kilometer lange Anstieg zum Col du Galibier. Rund 13Kilometer vor dem Gipfel forcierte Healy in der Spitzengruppe noch einmal das Tempo, woraufhin Foss und Piganzoli den Anschluss verloren. Weitere 6Kilometer später wurde schließlich auch Healy selbst abgehängt. Etwa 5Kilometer vor dem Gipfel setzte Carapaz erneut zur Attacke an und konnte sich zunächst von seinen Begleitern absetzen, ehe Kuss, Hindley und Riccitello ihn wieder einholten. Dennoch erreichte Carapaz den Gipfel des Col du Galibier als Erster. Der Vorsprung auf die Klassementgruppe lag inzwischen bei über 5Minuten. In der Klassementgruppe erhöhte unterdessen das UAE Team Emirates-XRG das Tempo. Wenige Kilometer vor dem Gipfel übernahm schließlich Tadej Pogačar selbst die Führungsarbeit. Nur die Top-5-Klassementfahrer Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe), Isaac Del Toro (UAE Team Emirates-XRG), Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious) konnten dem hohen Tempo des Slowenen noch folgen. Durch Pogačars Tempoverschärfung verringerte sich der Rückstand zur Spitzengruppe allmählich.
Zu Beginn der rund 30Kilometer langen Abfahrt wurde Riccitello abgehängt, während Ayuso den Anschluss an die Spitzengruppe wieder herstellen konnte. Am Fuße des Col de Sarenne, etwa 27 Kilometer vor dem Ziel, verfügte das Quartett nur noch über einen Vorsprung von etwas mehr als 3Minuten auf die fünfköpfige Klassementgruppe. Im folgenden Anstieg wurde das Rennen erneut von zahlreichen Angriffen geprägt. Immer wieder versuchten die Fahrer an der Spitze, sich mit kurzen Tempoverschärfungen voneinander zu lösen, doch durch das wechselseitige Neutralisieren kam zunächst niemand entscheidend weg. Erst 25Kilometer vor dem Ziel konnte Kuss sich vom Rest der Spitzengruppe lösen. Ayuso fiel dabei rasch zurück, während Hindley und Carapaz nur wenige Sekunden hinter dem Solisten blieben. Nach einer etwa 6Kilometer langen Verfolgung gelang es den beiden Fahrer, wieder zu Kuss aufzuschließen. Zwei Kilometer später setzte sich Kuss erneut ab und erreichte den Gipfel des Col de Sarenne schließlich als Erster. Zu diesem Zeitpunkt lag Carapaz bereits rund 20Sekunden zurück, Hindley folgte mit etwa 1Minute Rückstand, und die Klassementgruppe hatte knapp zwei MinutenRückstand. Seixas wiederum konnte dem Tempo nicht mehr folgen und fiel aus der Klassementgruppe heraus. In der Abfahrt stürzte Kuss innerhalb einer Minute zweimal. Wobei Kuss beim zweiten Sturz, rund 6Kilometer vor dem Ziel, beinahe in den steilen Abhang hinuntergestürzt wäre. Nur durch die kniehohe Straßenbegrenzung und einem Fangnetz konnte er sich auf der Straße halten und das Rennen fortsetzen. Kurz nach diesem zweiten Sturz wurde er schließlich von Carapaz überholt. Der Ecuadorianer nutzte die Situation konsequent, baute seinen Vorsprung weiter aus und steuerte entschlossen auf den Etappensieg zu, während Kuss zunehmend den Kontakt zum Führenden verlor.
Unterdessen startete Evenepoel aus der Klassementgruppe einen Angriff und konnte sich erfolgreich absetzen. Del Toro war dem hohen Tempo zunächst nicht mehr gewachsen, erhielt jedoch Unterstützung von seinem Teamkapitän Pogačar. Gemeinsam gelang es ihnen, den Rückstand auf Evenepoel auf knapp eine halbe Minute zu begrenzen.
Carapaz gewann die Etappe mit einem Vorsprung von 26Sekunden vor Evenepoel, der Kuss auf dem letzten Kilometer noch überholen konnte. Kurz darauf erreichten Pogačar und Del Toro das Ziel gemeinsam, mit einem Rückstand von 1:05Minuten. Pogačar konnte damit seine Führung in der Gesamtwertung verteidigen sowie auch Del Toro in der Nachwuchswertung. Nur 2Sekunden später folgte Martinez im Ziel. Seixas belegte Rang10, mit einem Rückstand von 2:55Minuten auf den Etappensieger, und behauptete damit nicht nur seinen 4.Platz in der Gesamtwertung, sondern auch seine Position als bester Franzose im Gesamtklassement sowie den 2.Platz in der Nachwuchswertung. Durch seine Erfolge während der Etappe sicherte sich Carapaz zudem das Gepunktete Trikot, während sich Kuss in der Bergwertung von Rang15 auf Rang4 verbesserte. In den übrigen Wertungen kam es zu keinen Veränderungen. Sepp Kuss wurde von der Renn-Jury als kämpferischster Fahrer der Etappe gekürt.[2][3][4]
Ilan Van Wilder (Soudal Quick-Step): wegen Verletzungen und Schürfwunden, die er sich beim Sturz bei der Abfahrt vom Col de la Croix de Fer zuzog, während der Etappe aufgegeben.[5][7]