Ringelschwanzgleiter

Art der Beuteltiere From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Ringelschwanzgleiter (Tous ayamaruensis) ist eine Beutelsäugerart aus der Familie der Ringbeutler (Pseudocheiridae), die auf der Vogelkophalbinsel im Westen von Neuguinea und auf der Insel Misool vorkommt. Die Art gilt als Beispiel für den Lazarus-Effekt, da sie zuerst anhand von etwa 6000 Jahre alten Subfossilien beschrieben und erst zwanzig Jahre später als heute noch lebende Art erkannt wurde.

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Ringelschwanzgleiter

Ringelschwanzgleiter (Tous ayamaruensis)

Systematik
Unterklasse: Beuteltiere (Marsupialia)
Überordnung: Australidelphia
Ordnung: Diprotodontia
Familie: Ringbeutler (Pseudocheiridae)
Gattung: Tous
Art: Ringelschwanzgleiter
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Tous
Flannery & Helgen, 2026
Wissenschaftlicher Name der Art
Tous ayamaruensis
(Aplin, 1999)
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Merkmale

Der Ringelschwanzgleiter ist eine auffallend kleine Ringbeutlerart und erreicht ein Gewicht von etwa 300 Gramm, wogegen der verwandte Lemuren-Ringbeutler (Hemibelideus lemuroides) ein Gewicht von etwa 1 kg erreicht und die ebenfalls verwandten Riesengleitbeutler (Petauroides) 1 bis 2 kg schwer werden. Wie die Riesengleitbeutler besitzt der Ringelschwanzgleiter eine gut entwickelte Gleitmembran und hat sichelförmige, deutlich gebogene Krallen. Der sich zum Ende hin verjüngende Schwanz ist dagegen nicht buschig und hat bessere Greiffähigkeiten als der Schwanz der Riesengleitbeutler. Die Schnauze ist kürzer, mit dichter zusammenstehenden Zähnen. Auch das Fell ist kürzer. Es ist bräunlich bis grau gefärbt. Die Ohren sind unbehaart. Hinter den Ohren befindet sich ein dunkler Fleck. Die Augen sind relativ groß und nach vorn gerichtet. Die deutlich ausgeprägten Augenringe sind dunkel. Auf dem ersten Oberkiefermolar befindet sich ein sehr ausgeprägter Parastyl (Nebenhöcker).[1]

Lebensweise

Nach Aussagen zweier Stammesältesten sind die Tiere geschickte Springer und sie können mit einem einzigen Sprung weite Strecken zurücklegen. Ringelschwanzgleiter ernähren sich von Baumsäften, Blättern und möglicherweise auch von Früchten und Wirbellosen. Zur Gewinnung der Baumsäfte werden Baumrinden mit den scharfen Krallen angeritzt. Die Beuteltiere sind nachtaktiv und verbringen den Tag in Baumhöhlen in hohen, alten Bäumen. Sie sollen jährlich nur ein einzelnes Jungtier aufziehen.[1]

Entdeckungsgeschichte und Systematik

Die Ringbeutlerart wurde 1999 durch den australischen Zoologen Ken Aplin unter dem wissenschaftlichen Namen Petauroides ayamaruensis erstmals wissenschaftlich beschrieben. Aplin ordnete die Art damit den Riesengleitbeutlern zu, war sich aber unsicher. Unter anderem bemerkte er die Kleinheit der Art, verglichen mit den rezenten Riesengleitbeutlern. Grundlage der Beschreibung waren das Fragment eines rechten Unterkiefers, einige Zähne und einige Knochen der Gliedmaßen, die aus der Kirahöhle auf der Vogelkophalbinsel stammen und auf das frühe Holozän (vor 6000 bis 7500 Jahren) datiert wurden. Die Artbezeichnung ayamaruensis verweist auf die Umgebung des Fundorts, da die Höhle nordöstlich der Ayamaru-Seen liegt.[2] Da nur subfossile Überreste bekannt waren, hielt man die Art für ausgestorben. Der US-amerikanische Zoologe Kristofer M. Helgen vermutete jedoch schon 2007, dass sie möglicherweise noch existiert aber bisher nicht entdeckt wurde. Im Jahr 2015 wurde ein bisher unbekanntes Säugetier in der Region Sorong fotografiert, das der niederländische Biologe Erik Meijaard 2019 als lebendes Exemplar von Petauroides ayamaruensis bestimmen konnte. 2022 und 2023 wurden weitere Subfossilien der Art gefunden und 2023 konnte ein weiteres lebendes Exemplar von der Insel Misool fotografiert werden und ein im September dort erlegtes Exemplar konnte näher untersucht werden. Dabei zeigte sich, dass P. ayamaruensis sich sowohl von den Riesengleitbeutlern als auch vom Lemuren-Ringbeutler deutlich unterscheidet. Für die Art wurde deshalb im Jahr 2026 die Gattung Tous neu eingeführt. Tous ist auch die Bezeichnung der lokalen Bevölkerung für die Tiere. Neben Tous ayamaruensis umfasst die Gattung noch eine weitere Art, die jedoch tatsächlich ausgestorben ist. Tous stirtoni[1] wurde 1970 durch die US-amerikanischen Wirbeltierpaläontologen William D. Turnbull und Ernest Lundelius als Pseudocheirus stirtoni beschrieben.[3] Die auf das Pliozän datierten Fossilien wurden in den australischen Bundesstaaten Victoria und New South Wales[4] gefunden. Ebenfalls der Gattung zugeordnet werden Fossilien aus dem Mittelpleistozän von Queensland, für die noch keine Art beschrieben wurde.[5][1]

Einzelnachweise

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