Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten
Überblick über diplomatische Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika
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Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) spielen sich vor allem im ökonomischen und politischen Bereich ab. Beide Machtblöcke vertreten bei internationalen Konflikten oft eine ähnliche Meinung, was einerseits an den historischen Gegebenheiten liegt, andererseits daran, dass sowohl die USA als auch der Großteil der EU-Mitgliedsstaaten in der NATO sind.
| EU | Vereinigte Staaten |
Die Kooperation wird auch als Transatlantische Beziehungen bezeichnet.
Geschichte
Der überwiegende Teil der weißen US-Bevölkerung stammt von Einwanderern der jetzigen EU-Staaten ab. Speziell im 19. Jahrhundert wanderten viele Menschen aus Teilen Europas in die USA aus.
Die USA waren eine der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. US-Truppen besetzten 1944/45 Teile Deutschlands und verwalteten die Amerikanische Besatzungszone. Der Kalte Krieg zwischen westlichen Ländern und der Sowjetunion bzw. dem Ostblock veranlasste die US-Regierung Truman, mit zehn europäischen Ländern und Kanada die NATO zu gründen (der NATO-Vertrag wurde am 4. April 1949 unterschrieben). Westdeutschland wurde später in die westliche Welt und in die NATO integriert.
Die USA und die 1951 gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGKS (Vorläufer der EU) begannen 1953 diplomatische Beziehungen. Die EU-Kommission eröffnete 1954 in Washington ihre erste diplomatische Vertretung und das US-Außenministerium folgte 1961 seine Vertretung in Brüssel. Die EU-Vertretung in Washington gilt nicht nur einer stärkeren Kooperation mit der US-Regierung, sondern auch an anderen Internationalen Organisation mit Sitz in der US-Hauptstadt, wie dem Internationalen Währungsfonds. Die Kommission entsandte 1957 einen weiteren Vertreter nach New York, um ihren Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen wahrzunehmen.
Im November 1990 wurde eine transatlantische Erklärung zwischen den beiden Partnern geschlossen. Seitdem pflegen die Präsidenten der EU-Kommission und der USA auf regelmäßigen Gipfeln die Beziehungen zueinander. Ein großer Schritt zu einer engeren politischen Zusammenarbeit wurde im Dezember 1995[1] auf dem europäisch-amerikanischen Gipfel in Madrid gemacht: der damalige EU-Kommissionspräsident Jacques Santer und US-Präsident Bill Clinton unterzeichneten die Neue Transatlantische Agenda (NTA). Hauptpunkte der Agenda sind:

- Förderung von Frieden und Stabilität, Demokratie und Entwicklung
- Bewältigung globaler Herausforderungen
- engere wirtschaftliche Beziehungen und Förderung der Zunahme des Welthandels (Globalisierung)
Auf dem Gipfel 1998 in London wurde die Gründung der Transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft beschlossen.[2] Die EU und die USA schlossen im Rahmen dieser Partnerschaft in den folgenden Jahren mehrere Abkommen, um Zölle abzubauen und Handelshemmnissen zu beseitigen.
Im Jahr 2002 wurde ein Abkommen zur Luftsicherheit unterzeichnet mit dem Ziel, die Vorschriften der beiden Partner anzugleichen. Die EU-Verordnung zur Festlegung gemeinsamer Vorschriften für die Zivilluftfahrt wurde berücksichtigt. Der damalige EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot sagte, durch dieses Abkommen seien zusätzlich 17 Millionen Fluggäste pro Jahr zu erwarten und durch Bürokratieabbau seien Einsparungen in Höhe von 5 Mrd. € möglich. Ein ähnlicher Vertrag wurde zu Vorschriften von Schiffsausrüstung geschlossen.
Auf dem EU-USA-Gipfel 2003 in Washington wurde die Schaffung des offenen Luftraums (englisch Open Aviation Area) beschlossen. Beim Gipfel 2004 in Dublin wurde beschlossen, die Satellitensysteme Galileo (EU) und GPS (USA) gemeinsam aufeinander abzustimmen und kombinierte Signale zu verwenden.
Im Jahr 2013 begannen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, US-Präsident Barack Obama und EU-Handelskommissar Karel de Gucht Gespräche über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP). Im Juni 2021 wurde der gemeinsame Trade and Technology Council zur engeren Koordination der Zusammenarbeit im Bereich Handel und Technologie gegründet.[3]
Donald Trump trat am 15. Januar 2025 seine zweite Amtszeit als US-Präsident an. Er sagte eine Woche später:
- “The EU is very bad for us. They treat us very badly. They don’t take our cars or our agricultural products. In fact they don’t take much at all”, said the US President, who added “so they’re good for tariffs”.
Damit setzte Trump seine Anti-EU-Rhetorik während seiner ersten Amtszeit fort.
Er behauptete unter anderem, die USA hätten ein Handelsdefizit von 350 Milliarden US-Dollar gegenüber der EU. Der Handelsbeauftragte der USA (USTR) bezifferte dieses Defizit für das Jahr 2023 mit rund 131 Milliarden US-Dollar. Trump behauptete, die EU würde „überproportional“ von diesem Handelsdefizit profitieren. Deutschland, Frankreich, Irland und Italien wären Hauptverursacher dieses Ungleichgewichts.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, die EU wolle mit Regierung Trump II verhandeln. Sie warnte vor der Gefahr eines globalen Abwärtswettbewerbs, wenn Instrumente wie Zölle zum Einsatz kämen.[4] Trump und von der Leyen vereinbarten im Juli 2025 bei einem Treffen in Schottland einen Basiszoll von 15 Prozent für die meisten Waren-Exporte aus EU-Ländern in die USA – auch auf Halbleiter, Pharmaprodukte und auf Autos.[5]
Wirtschaftsbeziehungen
Die Europäische Union und die USA sind traditionell wirtschaftlich eng verflochten. Die US-Regierung Truman beschloss den Marshallplan und gewährte nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 bis 1952 zahlreichen westeuropäischen Staaten Finanzhilfen, um dort den Wiederaufbau zu fördern.
2011 entfielen nach Angaben des Auswärtigen Amtes etwas über 4 Prozent des weltweiten Warenhandels auf den Warenhandel zwischen der EU und den USA; beim Dienstleistungshandel lag der Anteil bei gut 11 Prozent.[6] 2012 wurden Waren im Wert von knapp 500 Milliarden Euro gehandelt. Dabei exportierte die EU Waren im Wert von 291,9 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 205,8 Milliarden Euro aus den USA.[7] Den Handel zwischen den EU-Staaten herausgerechnet, bilden beide Wirtschaftsblöcke den jeweils größte Handelspartner untereinander.[8]
Während der ersten Präsidentschaft von Trump erhoben die USA Strafzölle gegen einzelne Waren aus EU-Ländern, worauf die EU mit Vergeltungszöllen reagierte. Unter Trumps Nachfolger Joe Biden wurden die Strafzölle in beiderseitigem Einvernehmen ausgesetzt.[9] Während der zweiten Präsidentschaft von Trump schlossen die EU-Kommission und die Regierung Trump im Juli 2025 ein Abkommen, mit dem für fast alle Waren-Importe aus der EU in die USA Zölle in Höhe von 15 Prozent festgelegt wurden. Zuvor hatte Trump die Zölle auf manche Produkte aus EU-Ländern auf 25 Prozent und mehr angehoben. Zu manchen Produkten, bei denen zuvor gegenseitige Zölle bestanden hatten, vereinbarten beide Vertragsparteien, die Zölle gänzlich fallen zu lassen. Mit dem Abkommen erklärte sich die EU außerdem bereit, Investitionen in Höhe von 600 Milliarden US-Dollar in den USA zu tätigen und für 750 Milliarden US-Dollar Energie aus den USA zu kaufen.[10] Stand 14. Februar 2026 hat die EU keines ihrer stärkeren Instrumente (Blocking Statute, eigenen Sanktionen und Anti-Coercion Instrument) eingesetzt, sich gegen Trumps wiederkehrende Zölle bzw. Zolldrohungen zu verteidigen.[11]
Literatur
- Anthony Luzzatto Gardner: Stars with Stripes: The Essential Partnership between the European Union and the United States. Springer International. Cham 2020, ISBN 978-3-030-34820-5.
Weblinks
- Barbara Lippert, Stefan Mair (Hg.): Mit, ohne, gegen Washington: Die Neubestimmung der Beziehungen Europas zu den USA. Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), veröffentlicht am 22. Januar 2026, 92 Seiten, doi:10.18449/2026S03