Tuz Gölü

Salzsee in der Türkei From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Tuz Gölü (türkisch für „Salzsee“, in der Antike lat. als Lacus Tatta bekannt) ist ein Salzsee in der Türkei und nach dem Vansee der zweitgrößte See des Landes. Mit 32,9 Prozent Salzanteil ist er einer der salzhaltigsten Seen der Welt. In den letzten Jahren hat sich der Tuz-See zu einem beliebten Reiseziel für Touristen entwickelt.

Schnelle Fakten
Tuz Gölü
Satellitenaufnahme (NASA) des Tuz Gölü
Geographische Lage Konya, Aksaray, Ankara (Türkei)
Zuflüsse Peçenek Deresi, Melendiz Çayı
Abfluss abflusslos
Orte am Ufer Şereflikoçhisar
Daten
Koordinaten 38° 46′ N, 33° 21′ O
Tuz Gölü (Türkei)
Tuz Gölü (Türkei)
Höhe über Meeresspiegel 925 m
Fläche 1 500 km²
Länge 100 km
Breite 50 km
Maximale Tiefe 2 m
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Gleichnamige Seen liegen (u. a.) auf der Halbinsel Gelibolu[1][2] und auf der Ägäis-Insel Gökçeada (Tuz Gölü).

Beschreibung

Der Tuz Gölü ist mit einer Fläche von (je nach Wasserstand) ca. 1.665 km² der zweitgrößte See der Türkei und einer der größten hypersalinen Seen der Welt. Er liegt im in einer tektonischen Senke im trockenen Hochland von Zentralanatolien, 105 km nordöstlich von Konya, 150 km süd-südöstlich von Ankara und 57 km nordwestlich von Aksaray. Südwestlich liegt die Sommersiedlung Ilıca Yaylası (Bolluk Gölü).

Abhängig vom Winkel des einfallenden Lichts kann die Oberfläche des Sees verschiedene Farben annehmen. Den besten Ausblick auf den See hat man von Şereflikoçhisar an der Hauptstraße D750 von Ankara nach Aksaray.[3] Der See ist von Ackerland umgeben, außer im Süden und Südwesten, wo sich eine ausgedehnte, saisonal überflutete Salzsteppe erstreckt.

Der Salzsee hat keinen Abfluss und wird durch zwei Zuflüsse, Niederschläge (250 mm im Jahr) und Grundwasser gespeist. An den Stellen, an denen Kanäle und Bäche in den See münden, haben sich Brackwassersümpfe gebildet.

Den größten Teil des Jahres über ist der See sehr flach (Tiefe ca. 0,4&nnbsp;m). Im Winter löst sich ein Teil des Salzes im Süßwasser auf, das durch Niederschläge und Oberflächenabfluss in den See gelangt; der Salzgehalt beträgt dann etwa 32–34 %. Im den trockeneren Sommermonaten entsteht durch Verdunstung wird im August eine durchschnittlich 30 cm dicke kristalline Salzschicht freigelegt. Dieser Mechanismus bildet die Grundlage für den Betrieb der Salzminen im See. Die drei im See betriebenen Minen produzieren etwa 63–70 % des in der Türkei konsumierten Salzes. Dieser Salzabbau sorgt für industrielle Aktivität in der Region, die hauptsächlich mit der Salzverarbeitung und -raffination zusammenhängt. In den letzten Jahren gab es ein Projekt zur Speicherung von Erdgas unter dem Salzsee.

Nachdem der See bereits in den Jahren 2008 und 2016 vorübergehend ausgetrocknet war, trocknete er wieder im Oktober 2021 vorübergehend vollständig aus. Dies wird auf den Klimawandel und nicht nachhaltiger Bewässerungspraktiken zurückgeführt.[4][5]

Geologie

Entstehung

Die tektonische Absenkung im unteren Tuz-Gölü-Becken erfolgte während der späten Oberkreide (oberes Senoniums) bis zum unteren Mitteleozän. Das untere Tuz-Gölü-Becken bildete dadurch zusammen mit der Region Haymana eine einzige, sich nach Norden hin erstreckende Senke. Später folgte eine Regression (Zurückbildung), die im Obereozän einsetzte und bis zum Ende des Oligozäns andauerte. Das Haymana-Becken, das sich nach der Ablagerung der von Nummuliten-Kalkstein im mittleren Eozäns hob, trennte das Tuz-Gölü-Becken durch eine Verwerfungszone entlang des östlichen Randes der Karacadağ-Hebung ab.[6]

Die Verbindung des Tuz Gölü mit dem nord-nordöstlich gelegenen Çankırı-Becken entstand im Pliozän und bestand während des mittleren Eozäns bis zum Oligozän fort, als sich das Becken des Sees zu einem Graben entwickelte, der von den nordwestlichen und nordöstlichen Verwerfungszonen begrenzt wurde. Nach der Hauptverformung im späten Oligozän oder Miozän bildeten sich im Neogen lokale Ablagerungsbecken, in denen vulkanisches Gestein unterschiedlicher Mächtigkeit sowie terrestrische Sedimente (darunter Kalkstein des Sees), abgelagert wurden. Spannungsbewegungen im Neogen bis ins Pliozän führten zu vulkanischen Aktivitäten, die bis in historische Zeiten reichen.[6]

Geoloische Struktur

Die geologische Struktur des Sees weist eine Salzschicht unterschiedlicher Dichte auf, die sich über eine Länge von ca. 1 km durchgehend erstreckt. Diese Schicht gewährleistet die Kontinuität der Salzgewinnung rund um den See, indem sie eine lange wirtschaftliche Lebensdauer der regionalen Salzindustrie garabntiert.[6]

Im Tuz-Gölü-Becken reicht die 10 km mächtige Abfolge von Gesteinsschichten in ihrem Alter von der Oberkreide bis zur Gegenwart. Während sich in den tiefen Bereichen des Beckens Einheiten wie Schiefer, Sandstein, Rundkiesel (englisch pebble stone und Kalkstein ablagerten, die im Allgemeinen Flysch-Charakter aufweisen und vertikal sowie lateral miteinander in Wechselwirkung stehen, gibt in den Randbereichen des Beckens nachweislich auch terrestrische und flachmarine Ablagerungen.[6]

Konglomerate und Sandsteine (zu deren Entstehung hohe Energie nötig sind), wurden in flachen marinen und terrestrischen Umgebungen abgelagert; Schiefer, Kalkstein, Gips und Anhydrit konnten sich dagegen in ruhigen Perioden bilden. Die Grundgesteinseinheiten – die Formationen Temirözü und Mollaresul, der Ankara-Komplex und der kristalline Kırşehir-Komplex finden sich im Norden und Nordosten des Tuz-Gölü-Beckens, die niedriggradig metamorphen Gesteine bildeten sich dagegen im Westen und Südwesten.[6]

Ökologie

Am Seerand wachsen Binsen (Juncus sp.). Mit etwa 500 Brutpaaren befindet sich hier die zweitgrößte Kolonie von Armeniermöwen (Larus armenicus ) in der Türkei.[3]

Ein großer Teil der türkischen Rosaflamingos (Phoenicopterus roseus) nistet hier. Im Sommer 2021 erlosch diese Population jedoch weitestgehend, aufgrund Wassermangels während einer Dürre und nachdem im Laufe von Jahrzehnten immer mehr Wasser zwecks landwirtschaftlicher Bewässerung umgeleitet worden war.[7][8][4][5] Um erneutes vollständiges Austrocknen zu verhindern, wurden in den folgenden Jahren Naturschutzmaßnahmen getroffenen. Im Sommer 2026 wurden diese von Erfolg gekrönt, als dort wieder 12.800 Flamingoküken schlüpften. Damit konnten die Verluste aus früheren Jahren mehr als ausgeglichen werden, so Fahri Tunç, Vorsitzender des Vereins „Doğaya Kuş Bakışı ve Ekoloji(Natur und Ökologie aus der Vogelperspektive)“[9][10]

Commons: Tuz Gölü – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

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