Tympanon (Architektur)

Schmuckfläche in Giebeldreiecken From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Tympanon oder Tympanum (Plural Tympana; von altgriechisch τύμπανον týmpanon, ursprünglich ‚Handtrommel‘) ist in der Architektur eine Schmuckfläche in Giebeldreiecken oder im Bogenfeld von Portalen oder ganzen Gebäuden. Es ist von Gesims umschlossen und meist zurückgesetzt.

Tympanon des griechischen Tempels von Segesta (Sizilien)

Geschichte

Antike

In der antiken Architektur, insbesondere dem Tempelbau, ist das Tympanon die dreieckige Giebelfläche, die schon wegen ihrer Größe und Frontalität hervorgehoben war und mit figürlichem oder ornamentalem Dekor versehen wurde. Dieser Dekor besteht an griechischen Tempeln oft aus vollplastischen Figuren. Anfangs waren die Giebel mit mächtigen Reliefs gefüllt, wie etwa am bald nach 600 v. Chr. errichteten Artemistempel in Kerkyra, dessen Westgiebel mittig die Gorgo Medusa mit ihren Kindern, flankiert von Panthern einnimmt. Ganz in die Zwickel des Giebelfeldes verschoben finden kleinere Szenen ihre Darstellung, etwa ein Blitze schleudernder Zeus im Kampf gegen Giganten. Beinahe freiplastisch, aber immer noch von sich gegenüberstehenden Löwen geprägt ist auch der um 570 v. Chr. entstandene Giebelschmuck des ersten Ringhallentempels auf der Athener Akropolis, in dessen Zwickeln unter anderem Herakles gegen Triton kämpft. Nach der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. ändert sich das Kompositionsschema und die Tiergruppen werden nun ihrerseits in den Zwickeln untergebracht, bevor sie ganz aus den Giebeln verschwinden. Die zentrale Komposition wird jetzt von Götterkämpfen oder aufgereihten Figurengruppen eingenommen. Die Wertschätzung, die man diesen Figurengiebeln entgegenbrachte, zeigt sich am Fund der Figuren des spätarchaischen Apollontempels in Delphi, dessen Giebelskulpturen nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 373 v. Chr. regelrecht bestattet wurden.

Als Thema der einzelnen Giebeldarstellungen tritt immer stärker der lokale Bezug hervor. So zeigt der Ostgiebel des Zeustempels in Olympia die Vorbereitungen für das Wagenrennen zwischen Pelops und Oinomaos, dem mythischen Herrscher des bei Olympia gelegenen Pisa; es ist der Ursprungsmythos des Heiligtums selbst, der hier an hervorgehobenster Position dargestellt wird. Und ähnlich verhält es sich mit der Geburt der Athena im Ostgiebel des Parthenon oder dem Streit um das attische Land zwischen Athena und Poseidon auf dessen Westseite. Am Giebel des jüngeren Kabirentempels in Samothrake aus dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. schließlich wurde vermutlich eine rein lokale Kultsage des Heiligtums dargestellt, die von keinem übergeordneten Interesse für Griechenland war.

An römischen Tempeln treten die Giebelfiguren zugunsten eines Reliefs zurück oder die Giebelfelder bleiben schmuck- und figurenlos, wie etwa am Pantheon in Rom.

In frühchristlichen Byzanz sind Kirchenbauten vorwiegend mit Mosaiken geschmückt (Ravenna), auch Giebelfelder, vermutlich schon im 4. und 5. Jahrhundert.

Mittelalter

Im christlichen Kirchenbau befindet sich das Tympanon als halbkreis- oder spitzbogenförmiges Bogenfeld über den Portalen. Dieser Ort wird zum Schwerpunkt des bauplastischen Schmucks an den romanischen und gotischen Kirchen. Nach Vorläufern am Ende des 11. Jahrhunderts in Spanien entstehen in Südfrankreich schnell die ersten Höhepunkte der romanischen Reliefkunst an den Tympana von Saint Sernin in Toulouse (Porte Miègeville, um 1115), von Saint Pierre in Moissac mit seiner visionären Ausdrucksmacht und seiner erregten Stilisierung, dann in Burgund: das riesige, bis auf minimale Fragmente zerstörte Tympanon von Cluny III, in dessen Nachfolge Sainte Madeleine in Vézelay mit einer Aussendung der Apostel, ebenfalls sehr bewegt in seinen Formen, sodann das von Autun mit den zierlicheren, seelenvolleren Figurationen in einem Jüngsten Gericht.

Romanische Tympanonreliefs weisen überwiegend Majestas-Domini-Motive in einer von geflügelten Engeln getragenen bzw. von den vier Evangelisten oder deren Symbolfiguren begleiteten Mandorla oder Weltgerichtsdarstellungen auf. In seltenen – vor allem im Norden der Auvergne vorkommenden – Fällen ist ein giebelförmiges Tympanon dem eigentlichen Halbrund einbeschrieben, z. B. am Südportal der Prioratskirche Thuret oder an den Westportalen der Kirchen Saint-Savinien in Melle (Deux-Sèvres) und Saint Martin in Bellenaves. Ein beliebtes Bildschema bei kleineren Bildfeldern ist die von Heiligen (besonders Petrus und Paulus) flankierte Christusgestalt.

Im deutschen Raum bleiben, zum Beispiel bei norddeutschen Feldsteinkirchen, Tympana überwiegend schmucklos. Figürliche Darstellungen treten erst um 1230 mit dem Übergang von der Romanik zur Gotik auf. Herausragende frühe deutsche Tympana: Freiberger Dom, Goldene Pforte (um 1230), Straßburger Münster, Südquerschiffportal (um 1230), Bamberger Dom, Fürstenportal (um 1230–1240).

Bei gotischen Kirchen – vor allem in Deutschland und Frankreich – werden die Tympana über den Portalen reich mit Reliefs versehen, auch vollplastische Figuren kommen vor. Das Themenspektrum weitet sich aus: mariologische Darstellungen, wie die der Himmelfahrt Mariens oder der Marienkrönung treten hinzu (bevorzugt an Nordportalen), gegen Ende des Mittelalters auch biblische Geschehnisse und Heiligenlegenden, die Darstellungsweise wandelt sich entsprechend vom Symbolischen zum Narrativen, von den beherrschenden zentralen Bildmotiven hin zu einer Auflösung in streifenförmig angeordnete Bilderzählungen.

Zur begrifflichen Abgrenzung

Während der architektonische Begriff des Tympanons, der vorwiegend mit plastischem, meist figürlichem Schmuck verbunden ist, wird der Begriff der Lünette („Möndchen“) nur auf meist halbkreisförmige Bogenfelder bezogen, die, in Relief, gemalt, in Mosaik oder auch als Fensteröffnung über Fenstern und Türen Verwendung finden, sowie auch zum Beispiel als Erweiterung eines Altaraufsatzes (Polyptychon).

Apsiskalotte beschreibt die Halbkuppel im internen Ostabschluss einer Kirche, wo sich häufig der Hochaltar befindet. Dessen Bildfeld ist ikonographisch ebenso gewichtig wie das des Westportals, ist aber dreidimensional gewölbt und wird mit einem Fresko oder Mosaik bestückt. Dies gilt allgemein für Überkuppelte (Chor-)Kapellen (Kapellenkranz).

Der Frontispiz (Architektur) bezeichnet in der Architektur den Dreiecksgiebel eines zentralen und häufig zusätzlich durch Herausgestellung betonten Fassadenteils, der geschmückt, ungeschmückt oder mit einem Fenster versehen ist.

In der neuzeitlichen Baukunst seit der Renaissance und insbesondere im Rokoko werden Zierfelder über Türen häufig als Supraporte („über der Tür“) bezeichnet.

Tympanon-Kunst in Thailand

Siehe auch

Literatur

Commons: Tympanon – Sammlung von Bildern und Audiodateien
Commons: Gables – Sammlung von Bildern und Audiodateien
Wiktionary: Tympanon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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