Universität Rangun
Universität in Myanmar
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Die Universität Rangun (englisch: University of Yangon) liegt in der Stadt Rangun (Yangon), Myanmar. Sie gilt als älteste Hochschule des Landes (gegründet 1920) und spielt bis heute eine zentrale Rolle in Bildung und Politik Myanmars. Aktuell sind nach offiziellen Angaben etwa 5.848 Studierende immatrikuliert (Stand 2022/23). Das Lehr- und Verwaltungspersonal umfasst insgesamt 862 Mitarbeiter, darunter 422 Verwaltungsangestellte.[1] In internationalen Rankings ist Rangun eher im unteren Bereich angesiedelt – in den QS-Asien-Rankings der Jahre 2024–26 lag sie jeweils nur im Bereich der Plätze 501–720[2], in Myanmar selbst nimmt sie jedoch eine führende Rolle ein.
| University of Yangon | |
|---|---|
| Motto | There's no friend like wisdom |
| Gründung | 1878 (bzw. 1920) |
| Trägerschaft | staatlich (Bildungsministerium von Myanmar) |
| Ort | Rangun |
| Land | |
| Studierende | 5.848 (2022/23) |
| Mitarbeiter | 862 (2022/23) |
| Website | www.uy.edu.mm |
Geschichte


Die Hochschule geht auf das „Rangoon College“ zurück, das 1878 als angeschlossener Zweig der Universität Kalkutta in Britisch-Indien gegründet wurde. Das College wurde 1904 in Government College und 1920 in University College umbenannt. 1920 fusionierte dieses University College mit dem von amerikanischen Baptisten getragenen Judson College zur Rangoon University. Die Rangoon University orientierte sich am Vorbild der University of Cambridge und der University of Oxford in England.[3] Alle nachfolgenden, von den Briten gegründeten Hochschulen wurden der Verwaltung der Universität Rangun unterstellt: das Mandalay College in Mandalay im Jahr 1925, das Teachers Training College und das Medical College in Rangun im Jahr 1930 und das Agriculture College in Mandalay im Jahr 1938.[4] In der Kolonialzeit entwickelte sich die Universität schnell zum Zentrum der burmesischen Unabhängigkeitsbewegung. Bereits 1920 legten Studenten einen landesweiten Streik gegen die britische Kolonialherrschaft ein, der als Wiege der myanmarischen Nationalbewegung gilt (Myanmar gedenkt dem 1920er Streik als Nationalfeiertag). Auch in den 1930er Jahren führten Studierendenproteste gegen die britische Dominanz der Universität und im Land zu bedeutenden Unruhen.[1]
Im Zweiten Weltkrieg nutzte die japanische Armee den Universitätscampus als Militärbasis. Nach Kriegsende wurde Myanmar 1948 unabhängig – die Universität erlebte daraufhin eine Blütezeit unter der ersten Regierung. Diese dauerte jedoch nur bis zum Militärputsch 1962. In der Folge wurde das Hochschulsystem restrukturiert: 1964 schuf ein neues Hochschulgesetz mehrere eigenständige Fachuniversitäten (Medizin, Technik, Wirtschaft usw.) und konzentrierte den Hauptcampus in Rangun (Rangoon Arts and Sciences University) auf Geistes- und Naturwissenschaften.[1] Die folgenden Militärregierungen beschränkten zudem die Freiheit der Lehre erheblich. Die Universität von Rangun blieb aber weiter ein wichtiger Kristallisationspunkt politischer Bewegungen, wie etwa die 8888 Uprisings (Studentenaufstände gegen das Militärregime) im Jahr 1989 zeigten.[5] Schon 1974 waren mehrere Studenten auf dem Campus der Universität bei Auseinandersetzungen mit den Streitkräften ums Leben gekommen. Die ehemalige Rangoon Arts and Sciences University wurde 1989 schließlich offiziell in University of Yangon umbenannt.
Der Hauptcampus blieb während der meisten Zeit der 1990er Jahre geschlossen, da man eine Wiederholung des Aufstands befürchtete. Um zu verhindern, dass sich Studenten versammelten, verteilte die Regierung die bestehenden Einrichtungen und Fachbereiche der Universität Yangon auf verschiedene Bildungseinrichtungen, die über die ganze Stadt verstreut waren. Nach dem Regierungswechsel im Jahr 2011 wurde in Myanmar ein neuer Schwerpunkt auf die Bildung gelegt, die zuvor vernachlässigt worden war. So hatte die Universität Rangung einst zu den renommiertesten Einrichtungen Asiens gehört, war jedoch Anfang der 2010er Jahre weitgehend verfallen.[6] Im Jahr 2013 wurde Aung San Suu Kyi zur Vorsitzenden des Yangon University Upgrading and Restoration Committee ernannt. Im Dezember 2013 wurde die Universität für Bachelor-Studierende wiedereröffnet. Zunächst wurden nur 50 Bachelor-Studierende aufgenommen.[7] Durch ein 2014 verabschiedetes Gesetz wurde die Autonomie der Universität allerdings beschnitten und diese direkt dem Bildungsministerium unterstellt.

Organisation und Struktur
Die Universität wird von einem Rektor geleitet, dem vier Prorektoren zur Seite stehen, die für die akademischen, administrativen und finanziellen Aufgaben zuständig sind. Das Lehrangebot gliedert sich in 21 Fachbereiche (Departments) – davon 12 geistes- und sozialwissenschaftliche und 9 naturwissenschaftliche Fächer. Zu den geisteswissenschaftlichen Departments zählen z. B. Myanmar, Englisch, Geschichte, Philosophie, Internationale Beziehungen und Orientalische Studien, zu den Naturwissenschaften etwa Physik, Chemie, Mathematik, Biologie, Informatik und Umweltwissenschaften.[1]
Die Universität steht unter der Aufsicht des Bildungsministeriums von Myanmar. International pflegt sie zahlreiche Partnerschaften und Austauschprogramme. Sie ist Mitglied im ASEAN University Network (AUN) und unterhält MoUs mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus aller Welt (u. a. in Japan, Südkorea, China, Deutschland, Australien etc.).[8]
Bekannte Absolventen
- Ba Maw (1893–1977): Premierminister Burmas während des Zweiten Weltkriegs (1943–1945)
- U Nu (1907–1995): Erster Premierminister der unabhängigen Union von Burma (1948–1956, 1957–1958, 1960–1962)
- Ne Win (1911–2002): Offizier und Politiker; von 1958 bis 1960 sowie 1962 bis 1974 de facto Staatsoberhaupt Myanmars (SCP) und ab 1974 Präsident.
- Aung San (1915–1947): Unabhängigkeitsführer Myanmars und Nationalheld
- Win Maung (1916–1989): Dritter Präsident von Burma (1957–1962)
- Myint Myint Khin (1923–2014): Ärztin und Autorin
- Khin Nyunt (1939–): General und 9. Premierminister von Burma (2003–2004)
- Htin Kyaw (1946–): Politiker der NLD; von 2016 bis 2018 Staatspräsident von Myanmar.
- Win Myint (1951–): Politiker der NLD; von 2018 bis 2021 Staatspräsident von Myanmar.