Universität Lyon III
Hochschule in Lyon, Frankreich
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Die Universität Lyon III, auch Jean-Moulin-Universität ist eine von vier Universitäten der französischen Stadt Lyon. Der Hauptcampus ist die „Manufacture de Tabacs“ und im Lyoner Viertel Monplaisir, weitere Standorte sind „Les Quais“ im Viertel Guillotière und eine Außenstelle in Bourg-en-Bresse (Departement Ain).
| Universität Lyon III | |
|---|---|
| Gründung | 1973 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Lyon, Frankreich |
| Präsident (président) | Gilles Bonnet |
| Studierende | 28 000 |
| Website | https://www.univ-lyon3.fr/ |
Geschichte
Ursprünge: Die juristische Fakultät Lyon
Die juristische Fakultät in Lyon wurde durch ein Dekret des damaligen Präsidenten Mac Mahon vom 29. Oktober 1875 gegründet und am 1. Mai 1896 vom französischen Präsidenten Félix Faure eingeweiht. Wegen der Auflösung der älteren Fakultäten durch die französische Revolution ist sie die älteste rechtwissenschaftliche Fakultät Frankreichs außerhalb von Paris. Sie bietet die gesamte juristische Ausbildung vom ersten Studienjahr bis zur Promotion.
Die juristische Fakultät stand schon immer in Kontakt mit ausländischen Rechtssystemen. Vor dem Ersten Weltkrieg gründete die Fakultät in Lyon die Rechtsfakultät von Beirut im Libanon und ebnete damit den Weg für die Gründung der heutigen Université Saint-Joseph in Beirut.
Das erste französische Institut für vergleichende Rechtslehre wurde 1920 in Lyon von Édouard Lambert gegründet und trägt heute seinen Namen. Im Jahr 1949 unterstützte er den Juristen Abd El-Razzak El-Sanhuri bei der Ausarbeitung des ägyptischen Bürgerlichen Gesetzbuchs, das die Grundlage des ägyptischen Zivilrechts bilden sollte. Auch Kambodscha war vor dem Vietnamkrieg Schauplatz der Entwicklung der juristischen Fakultät von Lyon.
Gründung
Die Universität Lyon 3 wurde Anfang der 1970er Jahre (am 26. Juli 1973) im Rahmen der Neuordnung des Hochschulwesens nach den Ereignissen vom Mai 1968 gegründet, die die akademische Welt erschütterten. Im Jahr 1969 wurde die alte Universität Lyon zunächst in eine Universität für Medizin und Naturwissenschaften (Universität Lyon I) und eine weitere Universität aufgeteilt, in der alle anderen Fakultäten zusammengefasst waren. Letztere wurde bald darauf in zwei Hochschulen aufgeteilt: die Université Lumière Lyon 2, eine Universität für Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften, die hauptsächlich auf einem Campus im Vorort Bron angesiedelt ist, und die Universität Jean Moulin Lyon 3, eine im Stadtzentrum gelegene Universität mit den Schwerpunkten Recht, BWL, Sprachen und Philosophie. Die neue Universität wurde auf der Grundlage der alten juristischen Fakultät und des Instituts für Betriebwirtschaftslehre gegründet. Die neue Universität wurde nach Jean Moulin benannt, einem Widerstandskämpfer aus der Kriegszeit, der in Lyon gefangen genommen wurde.
Versuche rechtsradikaler Unterwanderung
Nachdem antirassistische Studierendenorganisationen die Präsenz eines rechtsradikalen Netzwerks an der Universität beklagt hatten, legte 2004 eine Kommission um den Historiker Henry Rousso einen Bericht vor, in welchem das Handeln der indogermanischen Forschungsstelle der Universität und das Versagen mehrerer Kontrollgremien angepeilt wurden[1]. Der Bericht unterstreicht aber, dass keine systematische rechte Unterwanderung erfolgen konnte, da ein erheblicher Teil der Professorenschaft sich den rechten Tendenzen widersetzt haben soll[2]. Es folgten die Auflösung der umstrittenen Forschungsstelle sowie individuelle Sanktionen durch die Universität selbst[3], bis zur Zwangsemeritierung eines ehemaligen Präsidenten[4]. Seither haben die jeweiligen Universitätspräsidenten ihren Einsatz gegen jegliche Form von Rassismus und Antisemitismus betont[5].
Entwicklungen nach 2007
2007 wurde der damalige Dekan der juristischen Fakultät, Hugues Fulchiron, zum neuen Präsidenten der Universität gewählt. Seine Wahl erfolgte durch die Unterstützung eines breiten Bündnisses, das auf eine Aufarbeitung der Vergangenheit der Universität und auf eine strategische Neuorientierung abzielte. Politisch und gewerkschaftlich wurde der Universität eine Verschiebung in die Mitte bzw. nach links attestiert[6][7][8]. Seitdem hat sich die Universität als berufsorientierte und forschungsintensive Hochschule für Rechts, BWL, Politik- und Geisteswissenschaften profiliert.
Fachbereiche
Die Universität gliedert sich in vier Hauptfakultäten, eine Managementschule und ein Universitätsinstitut für Technik. Der Campus in Bourg-en-Bresse bietet das gesamte Studienangebot an.

An der Universität Jean Moulin studieren rund 26.000 Studenten (2012–2013), die sich auf die folgenden Fachbereiche aufteilen:
- Juristische Fakultät: ca. 9.500 Studierende
- Institut für Betriebswirtschaftslehre (Institut d'administration des entreprises, IAE): ca. 7.000 Studenten
- Fakultät für Fremdsprachige Philologien und angewandte Sprachen: ca. 4.000 Studierende
- Humanistische Fakultät: ca. 2.500 Studierende
- Institut universitaire de technologie, IUT: ca. 1.000 Studenten
- Philosophische Fakultät: ca. 700 Studenten
Bekannte Lehrende
- Michel Mercier (* 1947), ehemaliger Minister für Justiz und Mitglied des Senats
- Régis Debray (* 1940), Philosoph, Schriftsteller und Kampfgenosse Che Guevaras
- Gilles Deleuze (1925–1995), Philosoph
- Maurice-René Simonnet (1919–1988), Politiker, Europa-Abgeordneter und Mitglied des französischen Verfassungsgerichts
- Patrick Louis (1955), Politiker (Mouvement pour la France)
- Bruno Gollnisch (1950), Europa-Abgeordneter des Front National
- Raphaël Enthoven (* 1975), Philosoph
- Tristan Garcia (* 1981), Philosoph
Alumni
- Reine Alapini-Gansou (* 1956), beninische Juristin und Richterin am Internationalen Strafgerichtshof.
- Anne Hidalgo (* 1959), als erste Frau Bürgermeisterin von Paris.
- Antoine Ghanem (1943–2007), libanesischer Politiker,
- Dominique Perben, französischer Politiker
- Frantz Fanon (1925–1961), französischer Psychiater, Politiker, Schriftsteller
- Frigide Barjot (* 1962), Komikerin, Kolumnistin, 2012 Mitgründerin von La Manif pour tous
- Georges Fenech (* 1954), französischer Autor, Richter und Politiker.
- Mohammad Hosseini (* 1963), iranischer Diplomat.
- Michel Mercier (* 1947), französischer Politiker
- Patrick Louis (* 1955), französischer Politiker
- Kwai Lun-Mei (* 1983), taiwanische Schauspielerin
- Isaac Yacouba Zida (* 1965), Staatschef von Burkina Faso
Weblinks
- Universität Lyon III (französisch, englisch, spanisch)