Upstalsboom-Taler
Hannoversche Münze
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Talername Upstalsboom-Taler, auch Upstalboom-Taler, ist niederdeutsch und bedeutet Aufstellungsbaum-Taler. Der Name des Talers geht auf den alten Brauch der Friesen zurück, bei Ratsversammlungen unter dem Upstalsboom bei Aurich Aufstellung zu nehmen. Die Gedenkmünze ist ein hannoverscher Taler von 1865, den König Georg V. von Hannover (1851–1866) auf die 50-Jahr-Feier der Vereinigung Ostfrieslands mit dem Königreich Hannover prägen ließ. Es ist die letzte Gedenkmünze des Königreichs Hannover. Ein Jahr danach ließ das Land die letzten regulären Münzen prägen. Nach dem preußischen Sieg im Deutschen Krieg wurde Hannover mit Patent vom 3. Oktober 1866 zur preußischen Provinz erklärt.[1]
Münzbeschreibung
Der Upstalsboom-Taler wird in numismatischen Nachschlagewerken auch „Upstalboom-Taler“ (ohne „s“) geschrieben. Die Gedenkmünze ist ein seltener Vereinstaler des Königs Georg V. von Hannover, der 1865 geprägt wurde und aus der Münzstätte Hannover, Region Niedersachsen, stammt. Der Münzmeister war Theodor Wilhelm Brüel. Die Münzstempel fertigte der in Hannover tätige Medailleur und Münzstempelschneider Heinrich F. Brehmer an.[2] Der Vereinstaler besteht aus Silber, wiegt 18,52 g, hat ein Feingewicht von 16,67 g und einen Feingehalt von 900 0⁄00. Sein Durchmesser beträgt 33 mm. Die Auflagenhöhe betrug 2000 Stück.[3]
Vorderseite
Die Vorderseite zeigt das Kopfbild Georgs V. nach links. Unten im Münzfeld befindet sich das Münzmeisterzeichen „B“ des Münzmeisters Theodor Wilhelm Brüel. Im Halsabschnitt ist die Signatur des Medailleurs mit BREHMER F(ecit) angegeben. Das Münzfeld ist von einem Perlkreis umgeben. Die Umschrift lautet GEORG V v(on). G(ottes). G(naden). KOENIG v. HANNOVER.[4]
Rückseite

Die Rückseite zeigt einen Ritter in Rüstung mit Schwert und Lanze rechts unter dem Upstalsboom mit einem Perlkreis umgeben. Das Münzbild entspricht dem Wappenbild der Ostfriesischen Landschaft. Die Bildüberschrift lautet EALA FRYA FRESENA, die Umschrift – ZUR ERINNERUNG AN DIE FEIER DES 15 DEC. 1865.[5]
In der stirnseitigen Randschrift ist der Wert des Gedenktalers angegeben: 30 EIN PFUND F(ein). – EIN THALER.[6]
Geschichtliches

Mit dem Upstalsboom-Taler von 1865 erinnerte das Königreich Hannover an die 50-Jahr-Feier der Vereinigung Ostfrieslands mit dem Königreich Hannover im Jahr 1815. Nach dem Wiener Kongress fiel Ostfriesland 1815 an das Königreich. Der Ritter unter dem Upstalsboom ist ein Symbol der Ostfriesischen Landschaft. Der Spruch EALA FRYA FRESENA ist ein friesischer Wahlspruch. Symbol und Spruch gelten als Ausdruck der Friesischen Freiheit. Nach Georg Sello ist der Spruch jedoch ein noch nie befriedigend erklärtes Motto.[7] Der Name des Talers geht auf den alten Brauch der Friesen im 13. und 14. Jahrhundert zurück, Versammlungen unter dem Upstalsboom bei Aurich abzuhalten und dort auch Gesetze zu beschließen. Das germanische Thing wirkte in diesem Brauch noch nach.[8]
Nachbildung
Der Upstalsboom-Taler wurde als Nachbildung bis 2002 für besondere Verdienste um Geschichte, Kunst, Kultur oder Bildung verliehen. Zum Beispiel wurde Heide Braukmüller (* 1940; † 2017) von der Ostfriesischen Landschaft ein solcher Upstalsboom-Taler als Auszeichnung verliehen.[9]
Literatur
- Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute. Augsburg 1997, S. 122, 123, S. 144.
- Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Regenstauf 2005.
- Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976.
- Georg Sello: Vom Upstalsbom und vom Totius-Frisiae-Siegel. In: Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden 21, 1925, 65–137.
Weblinks
- MA-Shops: Hannover, Upstalsboom-Taler (1865), Georg V. (1851–1866), NP 2001 Silber, eine Nachbildung von 2001. Diese Jahreszahl ist auf einer vertieft eingeprägten ovalen Fläche am Hals des Königs angebracht, sodass eventuelle spätere Verfälschungen ausgeschlossen werden können.