Venus von Dolní Věstonice

Venusfigurine aus Keramik From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Venus von Dolní Věstonice, auch als Venus von Wisternitz bekannt,[1] ist eine etwa 25.000 bis 29.000 Jahre alte Venusfigurine aus Keramik, die bei Dolní Věstonice (Unterwisternitz), Mähren, im heutigen Okres Břeclav gefunden wurde. Die archäologische Fundschicht ist dem Gravettien bzw. deren regionaler Ausprägung Pavlovien zugeordnet. Ihre Entdeckung im Jahre 1925 zeigte erstmals, dass gebrannter Ton als Material schon in der jungpaläolithischen Kleinkunst verwendet wurde, lange vor der Töpferei von Gefäßen.

Die Venus von Dolní Věstonice

Fund

Die Figur wurde am 13. Juli 1925 bei archäologischen Ausgrabungen (Fundort: 48° 52′ 51,8″ N, 16° 40′ 6,3″ O) gefunden, die von 1924 bis 1938 unter Leitung von Karel Absolon stattfanden.[2] Das Lager steinzeitlicher Mammutjäger mit erstklassigen Erhaltungsbedingungen fand bereits während der Ausgrabungsjahre großes öffentliches Interesse. Die Statue wurde vom Arbeiter Josef Seidl und dem technischen Leiter Emanuel Dania gefunden. Karel Absolon war zum Zeitpunkt der Entdeckung in Frankreich und daher auf der Ausgrabung nicht anwesend, wurde aber in der Folge stets als Entdecker bezeichnet. Die späte wissenschaftliche Publikation erst 1938 kann als Resultat dieser Auffindungsumstände gesehen werden.[2]

Die Statuette lag zusammen mit Steinwerkzeugen und Tierknochen in den Überresten einer prähistorischen Feuerstelle von etwa 10 Meter Durchmesser.[3] Sie wurde in zwei Stücke zerbrochen gefunden, die etwa zehn Zentimeter voneinander entfernt lagen. Durch die direkte 14C-Datierung von Knochen des nahegelegenen Grabes Dolní Věstonice III ist das Alter der Feuerstelle und der darin gelegenen Funde gesichert.

Neben der Venus von Dolní Věstonice wurden am Hang der Pollauer Berge besonders am etwa 600 Meter entfernt gelegenen Fundplatz Pavlov I bei Pavlov (Pollau) in gleich alten Schichten zahlreiche kleine Figuren aus gebranntem Lösslehm gefunden. Es handelt sich um naturalistische, vollplastische Darstellungen eiszeitlicher Tiere: Höhlenlöwe, Wollhaarmammut, Wildpferd, Wollnashorn, Bär und Vielfraß.[4] Gebrannte Stücke von Lösslehm wurden rings um zwei Feuerstellen gefunden, die als Herdstellen (Öfen) von Hütten interpretiert wurden. Vergleichbare Funde der weiteren Umgebung sind die Venus von Willendorf (Oolith) in Niederösterreich oder die Venus von Moravany (Mammut-Elfenbein) in der Slowakei. Tierfiguren aus gebranntem Lösslehm wurden auch 1930 von Josef Bayer an der Fundstelle Krems-Wachtberg in Niederösterreich gefunden.

Beschreibung

Die Figur gehört zu den ältesten keramischen Erzeugnissen und besteht aus lokalem Lösslehm, der zur Vermeidung von Schrumpfungsrissen mit Tierknochenmehl gemagert wurde. Das Material wurde für den Brennvorgang außerdem mit Kalksteinkörnern und Kohlepartikeln angereichert.[5] Der Brennvorgang fand in einer offenen Feuerstelle bei Temperaturen von etwa 500 bis 800° Celsius statt, was durch Inhomogenitäten im CT-Scan sichtbar wird. Die Computertomographie lässt aufgrund der unterschiedlichen Materialzusammensetzung einzelner Teile den Schluss zu, dass Kopf und Beine zunächst separat geformt und dann vor dem Trocknen und Brennen an den Rumpf angesetzt wurden. Die Gleichmäßigkeit der Risse im Material, die aus dem Trocknungsprozess vor dem Brennen stammen, deuten im Gegensatz dazu darauf hin, dass die Figur aus einem Stück Lösslehm geformt ist.[3] Daher gibt es zum Herstellungsprozess bis heute verschiedenen Ansichten. Durch die Scans kann jedoch ausgeschlossen werden, dass intentionell Gegenstände in die Figur eingeknetet wurden.

Die Figurine ist 11,5 cm hoch, 4,3 cm breit und 2,7 cm dick. Ihre Form gleicht der anderer gleichzeitiger Figuren; d. h. ausladende Brüste und Hüften, keine individuellen Gesichtszüge, Augen sind durch zwei schräge Schlitze angedeutet. Im frisch geformten Zustand wurde auf der Rückseite der Figur ein Fingerabdruck hinterlassen, der von einem 11- bis 14-jährigen Kind bzw. Jugendlichen stammt. Das Kind wird jedoch nicht als Hersteller der Figur angesehen.[6]

Die Venus wird im Mährischen Landesmuseum in Brünn aufbewahrt, aus konservatorischen Gründen wird in der Dauerausstellung aber nur eine Kopie gezeigt. Im Jahre 2008 sind die archäologische Stätte von Dolní Věstonice und die wichtigsten Fundobjekte zum nationalen Kulturdenkmal Tschechiens erklärt worden.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Einwögerer, Franz Pieler: Am Anfang war der Löss – Versuche zur Herstellung altsteinzeitlicher Keramikfiguren. In: Archäologie Österreichs. Band 12, 2001, S. 16–21.
  • Frank Keim, Dominik Seemann: Löwenmensch und Planetenvenus. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2021, ISBN 978-3-339-12336-7, S. 119–123.
  • Bohuslav Klíma: Die jungpaläolithischen Mammutjäger-Siedlungen Dolní Věstonice und Pavlov in Südmähren – ČSFR (= Archäologie und Museum. Band 23). Amt für Museen und Archäologie, Liestal 1991, ISBN 3-905069-18-0 (zur Ausstellung „Mensch und Mammut“ im Museum im Alten Zeughaus in Liestal).

Einzelnachweise

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