Vooraziatisch-Egyptisch Gezelschap „Ex Oriente Lux“
1933 in Leiden gegründete wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung der Kenntnis des Alten Vorderen Orients und Ägyptens
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Vooraziatisch-Egyptisch Gezelschap „Ex Oriente Lux“ (EOL) ist eine 1933 in Leiden gegründete wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung der Kenntnis des Alten Vorderen Orients und Ägyptens. Die Gründung ging von einer kleinen Gruppe von Studenten aus, unter ihnen der Klassische Philologe und Assyriologe Boricus A. van Proosdij (1901–1990) sowie Arie Abraham Kampman (1911–1977), die maßgeblich durch die Lehrtätigkeit des Assyriologen Frans M. Th. Böhl (1882–1976) beeinflusst waren. Van Proosdij wurde zum ersten Präsidenten gewählt, Kampman übernahm die Funktionen des Sekretärs und Schatzmeisters, die er bis 1974 innehatte.
Ziel der Gesellschaft war von Beginn an die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Kulturen des Alten Orients und Ägyptens an ein breiteres Publikum. Zu den vorgesehenen Aktivitäten gehörten Vorträge, Lehrveranstaltungen, regelmäßige Mitgliederversammlungen sowie die Herausgabe eines Jahrbuchs. Darüber hinaus wurden ambitionierte Vorhaben formuliert, darunter die Beteiligung an archäologischen Expeditionen und langfristig auch die Gründung einer eigenständigen Forschungseinrichtung. Eine frühe institutionelle Einbindung erfolgte durch den Orientalisten Christiaan Snouck Hurgronje (1857–1936), der die Gesellschaft unterstützte und sie in den organisatorischen Rahmen des Oosters Instituut integrierte. Der Hauptsitz von EOL verblieb in Leiden; gleichzeitig entstand ein Netzwerk lokaler Zweigstellen („studiekringen“) in verschiedenen niederländischen Städten sowie in Belgien. Diese regionalen Gruppen organisierten eigenständig Vortragsveranstaltungen, griffen jedoch auf zentrale Referentenlisten zurück.
Die Aktivitäten der Gesellschaft umfassten insbesondere populärwissenschaftliche Vorträge sowie strukturierte Kursangebote. Während des Zweiten Weltkriegs gewann dieses Angebot an Bedeutung, da es eine der wenigen weiterhin verfügbaren Formen kultureller und sozialer Betätigung darstellte. Dies spiegelte sich in einem deutlichen Anstieg der Mitgliederzahlen wider: 1943 zählte EOL etwa 3.000 Mitglieder, 1947 wurde mit rund 3.500 Mitgliedern ein Höchststand erreicht.
Neben dem Veranstaltungswesen entwickelte die Gesellschaft eine umfangreiche Publikationstätigkeit. Das Jaarbericht (JEOL) wandelte sich von einem internen Mitteilungsorgan zu einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift mit internationaler Ausrichtung. In der Nachkriegszeit konnte das jährliche Erscheinen jedoch nicht mehr durchgehend gewährleistet werden. Ergänzend erschienen die mit römischen Ziffern nummerierten Supplemente (SEOL) sowie die Reihe Mededelingen en Verhandelingen (MVEOL), die sowohl wissenschaftliche Monographien als auch populäre Darstellungen umfasst. Seit 1955 erscheint zudem die Zeitschrift Phoenix, die aus dem vormals monatlichen internen Rundschreiben hervorgegangen war und sich besonders auch an ein breiteres Publikum richtet. Ein weiterer Schwerpunkt lag im Aufbau einer spezialisierten Bibliothek. Diese entstand durch gezielte Erwerbungen sowie durch Tauschbeziehungen mit wissenschaftlichen Institutionen und bildete später einen wesentlichen Bestandteil des 1939 von Arie Abraham Kampman gegründeten Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten (NINO). Zwischen der EOL und dem Institut bestand eine enge organisatorische und funktionale Verflechtung, insbesondere hinsichtlich der Publikationen und der wissenschaftlichen Infrastruktur, die jedoch teilweise auch Konflikte hervorrief.
Die Leitung der Gesellschaft war durch eine hohe personelle Kontinuität gekennzeichnet. Van Proosdij amtierte bis 1962 als Präsident, gefolgt von Martien A. Beek (1909–1987) bis 1974.
Seit den 1950er Jahren ist die Mitgliederzahl tendenziell rückläufig: 1958 zählte EOL 2.500 Mitglieder in 32 Zweigstellen, bis 1964 sank die Zahl auf 26, in den 1990er Jahren auf 16–18 Zweigstellen mit 1.180–1.430 Mitgliedern, bevor sie bis 1999 auf 1.355 anstieg. Heute ist EOL mit zwölf Zweigen in den Niederlanden und einem in Flandern aktiv; zentrale Jahrestreffen, regelmäßige Publikationen und die Beteiligung der meisten niederländischsprachigen Orientalisten prägen die Tätigkeit.
Präsidenten der Gesellschaft
| 1933–1962 | Boricus A. van Proosdij | Klassischer Philologe, Assyriologe |
| 1962–1974 | Martien A. Beek | Alttestamentler, Historiker des Alten Orients |
| 1974–1994 | Matthieu Heerma van Voss | Ägyptologe |
| 1994–2004 | Klaas R. Veenhof | Assyriologe |
| 2004–2015 | Diederik J.W. Meijer | Archäologe des Alten Orients |
| 2015–2023 | Robartus J. van der Spek | Assyriologe, Althistoriker |
| 2023– | Ben J.J. Haring | Ägyptologe |
Weblinks
Literatur
- Klaas Roelof Veenhof: Uit de geschiedenis van Ex Oriente Lux. In: Phoenix 54/1 (2008), S. 5–30 (Digitalisat).
- Marten Stol: Ex Oriente Lux van 1974 tot 1999. In: Phoenix 54/1 (2008), S. 81–92.
- Willemijn Waal: From Wish to RealityThe Foundation and Early Years of the Netherlands Institute for the Near East (NINO). In: Thomas L. Gertzen/Olaf Matthes (Hrsg.): Oriental Societies and Societal Self-Assertion. Associations, Funds and Societies for the Archaeological Exploration of the “Ancient Near East”, Münster 2024, S. 249–68 (borndigital).
- Carolien H. van Zoest: The Ancient Near East and Egypt in the Netherlands. Overview of Dutch Societies and Initiatives in the 19th and 20th Century. In: Thomas L. Gertzen/Olaf Matthes (Hrsg.): Oriental Societies and Societal Self-Assertion. Associations, Funds and Societies for the Archaeological Exploration of the “Ancient Near East”, Münster 2024, S. 269–303.