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Walter Maisak

deutscher Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Walter Maisak (* 10. Januar 1912 in Böckingen; † 10. Januar 2002) war ein deutscher Künstler.

Walter Maisak zeichnet die Martinswand (Foto, 1938)

Kindheit

Maisak wurde am 10. Januar 1912 als einziges Kind des Klavierschreiners Karl Maisak (1886–1916) und seiner Frau Emma geb. Schaal (1887–1914) im heutigen Heilbronner Stadtteil Böckingen geboren. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs verstarb die Mutter im November 1914 an den Folgen einer Operation. Der Vater fiel 1916 an der Front in Galizien. Walter Maisak wuchs im Böckinger Haus seines Großvaters auf, der auch zum Vormund bestimmt wurde. Erzogen wurde er von seiner Tante Karoline Maisak (1882–1962), die in dem Haus ein kleines Schuhgeschäft betrieb. Sie unterstützte und förderte das künstlerische Talent des jungen Walter Maisak.

Schul-, Lehr- und Studienzeit

Walter Maisak, Arbeitslose (Öl auf Leinwand, 1930)

Nach dem Besuch der Dammrealschule in Heilbronn, wo er die Mittlere Reife erhielt, begann Maisak 1927 eine Lehre als Schrift- und Dekorationsmaler bei dem Malerbetrieb Georg Lang. Dort schloss er Freundschaft mit Fritz Dähn, der bereits an der Kunstgewerbeschule studiert hatte. Dähn wirkte ab 1948 als Professor an den Kunsthochschulen in Weimar, Dresden und Ostberlin. Während seiner Lehrzeit nahm Maisak abends an den Zeichenkursen von Walther Eberbach an der Volkshochschule teil. Nach der Gesellenprüfung schrieb er sich 1929 an der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule in Stuttgart ein, wo er u. a. bei Rudolf Rochga und Wilhelm van Eiff arbeitete. 1931 wechselte Maisak an die Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste und studierte zunächst in der Aktklasse bei Arnold Waldschmidt. 1932 erhielt er beim Akademiewettbewerb den ersten Preis für die Komposition „Straßenarbeiter“ (Kunstsammlungen und Archiv der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart), 1934 für das Gemälde „Festzug“ (Stadtarchiv Heilbronn). Ab 1933 nahm Maisak Unterricht bei Anton Kolig, als dessen Meisterschüler er 1937 das Studium abschloss. Danach arbeitete er als freier Künstler in Stuttgart und Heilbronn und befasste sich mit Malerei, Graphik, Gebrauchsgraphik und Design. Er erhielt zahlreiche Aufträge für Kunst am Bau, ein Tätigkeitsfeld, das ihn zeit seines Lebens beschäftigte. Maisak entwickelte einen individuellen Stil, der stets gegenständlich blieb und Einflüsse des Spätimpressionismus, des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit aufnahm.

Kriegsdienst und Gefangenschaft in Kasachstan

Walter Maisak, Der Puppenspieler (Kohlezeichnung aus dem Zyklus "Erlebte Visionen"),1953)

1940 wurde Maisak zur Wehrmacht eingezogen und unter anderem nach Frankreich, Ungarn und auf die Krim geschickt, wobei er hauptsächlich als Zeichner in der Kartenstelle eingesetzt wurde. 1942 ging er in Heilbronn die Ehe mit Freya Bechmann ein. Nach Kriegsende gelangte er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde in kasachischen Lagern (Leninogorsk, Ust-Kamenogorsk, Almaty) interniert. Während der Gefangenschaft rettete seine künstlerische Tätigkeit ihn vor dem Einsatz in den Bleibergwerken: Er arbeitete im Lager als Anstreicher, Schriftenmaler und Gestalter der Wandzeitung. Später wurde ihm aufgetragen, in den Kindergärten der Umgebung die weiß gekalkten Wände mit Märchenbildern aus einer Kinderillustrierten zu bemalen.

Späteres Leben

Walter Maisak, Erinnerung an Kasachstan, Aquarell (1967)

Im Herbst 1949 kehrte Maisak aus der Kriegsgefangenschaft nach Heilbronn zurück und wohnte bis zum Lebensende in seinem Haus in Böckingen an der Klingenberger Straße. Er setzte seine künstlerische Tätigkeit fort, musste zum Erhalt seiner Familie aber auch im Geschäft der Schwiegereltern mitarbeiten. Seine bevorzugte Technik blieb die Figuren- und Landschaftsmalerei, deren stilistisches Spektrum breit gefächert ist und sowohl naturalistische als auch abstrahierende Elemente einbezieht. Expressive und impressionistische Gestaltungsmittel spielen eine wichtige Rolle. In den 1950er Jahren verarbeitete er die traumatischen Erlebnisse von Krieg und Gefangenschaft in ausdrucksstarken Gemälden und in einem Zyklus von Kohlezeichnungen, den er „Erlebte Visionen“ nannte (Städtische Museen Heilbronn). In den 1960er Jahren führten ihn mehrere Reisen nach Südfrankreich, die ihn zu starkfarbigen Landschaftsaquarellen inspirierten. In seinen letzten Jahren schenkte er dem Motiv der Bäume besondere Aufmerksamkeit ("Baumbilder").

Maisak erhielt in der Region Heilbronn/Franken zahlreiche Aufträge für Kunst am Bau und führte seit den 1950er Jahren über 100 Projekte im öffentlichen Raum in verschiedenen Techniken aus.

Walter Maisak verstarb am Tag seines 90. Geburtstags im Jahr 2002 und wurde auf dem Böckinger Friedhof bestattet.

Den künstlerischen Nachlass von Walter Maisak betreuen Kunstsammlungen und Archiv der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart (Frühwerk bis 1949) und das Walter Maisak Archiv Heilbronn (späteres Werk ab 1950).

Werke

Gemälde

  • Der Gefangene, 1950. Tempera / Hartfaser, 108 x 116 cm, Städtische Museen Heilbronn.
  • Die Letzten, 1955. Tempera / Malpappe, 70 x 91 cm, Städtische Museen Heilbronn.
  • Heilbronn im Frühling, 1960. Öl / Leinwand, 74 x 105 cm, Städtische Museen Heilbronn.
  • Wir steigen empor, 1957. Tempera / Hartfaser, 100 x 75 cm. Walter Maisak Archiv Heilbronn.
  • Homo sapiens, 1969. Spachtelputz / Hartfaser, 60 x 80 cm. Walter Maisak Archiv Heilbronn.

Zeichnungen und Aquarelle

  • Not, 1930. Tempera / Papier, 31 x 20,5 cm. Kunstsammlungen und Archiv der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart.
  • Konvolut von Aktzeichnungen aus der Studienzeit, 1931-1937. Kunstsammlungen und Archiv der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart.
  • Konvolut von Landschaftsaquarellen aus der Kriegszeit, 1940-1945. Kunstsammlungen und Archiv der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart.
  • Erlebte Visionen, 1953. Zyklus von 12 Kohlezeichnungen, die den traumatischen Erlebnissen in Krieg und Gefangenschaft sinnbildhafte Gestalt verleihen, jeweils ca. 42 x 60 cm. 11 Blätter in den Städtischen Museen Heilbronn (Land der Wachttürme; Der Wachtturm; Zwangsarbeit; Rabotschiks; Unter dem Scheinwerfer; Elend/Einsamkeit; Der Gefesselte; Angst; Entsetzen; Frühling 1945; Der Puppenspieler). Das 12. Blatt (Flüchtende) ist im Walter Maisak Archiv Heilbronn.

Kunst am Bau

  • 1958 entwarf Walter Maisak die Eisenplastik „Robert Mayer – Erhaltung der Energie“ in Heilbronn zum Gedenken an das Wohnhaus von Robert Mayer im Kirchhöfle 13.
  • 1961 wurde ein von ihm gestaltetes Wandbild im Treppenaufgang des Deutschhofs fertiggestellt, das einen Fries in Gelbtönen mit stilisierten Deutschordensrittern zeigt.
  • 1966 schuf er Glasbetonfenster mit sakralen Motiven für die Aussegnungshallen in Wüstenrot, Bonfeld und Auenstein sowie für den Sitzungssaal des Rathauses in Lauffen am Neckar.
  • 1969 entwarf Maisak für die Friedhofshalle in Biberach die 13 Meter lange und fünf Meter hohe Fensterwand Blühender Lebensbaum.
  • 1970 entwarf er für die Festhalle in Wüstenrot das Betonrelief „Schwäbischer Wald“ mit abstrahierten Baumformen.
  • 1975 gestaltete er für das Petrus-Gemeindehaus in Böckingen „Petri Fischzug“, eine Eisenplastik mit Glasmosaik.
  • 1989 schuf er für die Festhalle in Neuenstein ein Holzrelief, das Motive der Altstadt aufnimmt.

Einzelausstellungen

Walter Maisak nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, vor allem in Heilbronn.

Einzelausstellungen:

  • 1962 Retrospektive, Kunstverein Heilbronn
  • 1977 Landschaftsskizzen (ebd.)
  • 1985 Walter Maisak: Baumlandschaften, Orangerie Kassel
  • 1986 Rathaus Bietigheim-Bissingen
  • 1987 Stadtbücherei Heilbronn
  • 1989 Kunst am Bau, Rathaus Heilbronn
  • 1992 Walter Maisak. Der stille Chronist, Städtische Museen Heilbronn
  • 1997 Meine Zeichnungen, Stadtbücherei Heilbronn
  • 1998 Figur und Landschaft. Spachtelbilder, Kunst im Flüchttor, Brackenheim
  • 1999 Landschaften, Kreissparkasse Heilbronn
  • 2004 Erinnerung an Walter Maisak, Petrus-Gemeindehaus Böckingen
  • 2012 „Was ist der Mensch?“ Walter Maisak zum 100. Geburtstag, Künstlerbund Heilbronn
  • 2013 Walter Maisak: „Meine Landschaften“, Rathaus Öhringen

Einzelnachweise

Literatur

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