Weiße Staffel
Rumänische Fliegereinheit
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Die Weiße Staffel (rumänisch: Escadrila Albă), offiziell Sanitätsstaffel (Escadrila Sanitara) und ab 1942 108. Leichte Transportstaffel (Escadrila 108 Transport ușor) war eine Einheit der Rumänischen Luftwaffe während des Zweiten Weltkrieges, deren Flugzeuge von Pilotinnen geflogen wurden. Sie war von 1940 bis 1944 für die Evakuierung verwundeter Soldaten von der Ostfront zuständig.
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Weiße Staffel | |
|---|---|
| Aktiv | 25. Juni 1940 bis 25. August 1944 |
| Staat | |
| Streitkräfte | Rumänische Armee |
| Teilstreitkraft | Rumänische Luftstreitkräfte |
| Truppengattung | Fliegertruppe |
| Typ | Transportstaffel |
| Gliederung |
2 Gruppen |
| Spitzname | Weiße Staffel |
| Zweiter Weltkrieg | Schlacht um Odessa Bessarabien Schlacht um Stalingrad Schlacht um die Krim |
| Geschwaderkommodore | |
| Erster Kommodore | Hauptmann Ion Panaitescu |
| Letzter Kommodore | Fregattenkapitän Isaia Popovici |
| Luftfahrzeuge | |
| Transportflugzeug/ -hubschrauber |
RWD-13 Potez 65 Monospar ST-25 Bücker Bü 131 |
Geschichte
Aufstellung und Organisation
Nach dem Vorbild der finnischen Lottabewegung schlug die rumänische Pilotin Marina Știrbei 1939 dem Luftfahrtministerium die Bildung einer Lufttransporteinheit vor, die von freiwilligen Pilotinnen geflogen werden sollte.[1][2] Nach Zustimmung des Ministeriums wurde die Einheit am 25. Juni 1940 aufgestellt. Das Hauptquartier befand sich auf dem Flughafen Bukarest-Băneasa,[3] wo sie 1941 den Befehl zum Einsatz an der Front erhielten.[4]
Die ersten Pilotinnen waren neben Marina Știrbei noch Marina Cantacuzino, Nadia Russo, Mariana Drăgescu, Virginia Duţescu, Virginia Thomas und Irina Burnaia. Später stießen Smaranda Brăescu, Virginia Duțescu, Victoria Pokol, Eliza Vulcu, Maria Nicolae und Stela Huțan zur Staffel hinzu. Die Pilotinnen waren keine Angehörigen der Streitkräfte, trugen aber eine Uniform und erhielten Sold, um bei einer Gefangennahme nicht als Spioninnen zu gelten.[5] Alle Frauen der Staffel waren in Erster Hilfe ausgebildet, da das Flugzeug meist nur Platz für den Piloten und zwei Tragen für Verwundete bot.[4][1]

Die Staffel erhielt zunächst zwei Flugzeuge des britischen Typs Monospar ST-25, die noch 1940 durch Unfälle verloren gingen. Anschließend erhielt sie zehn, im weiteren Verlauf des Krieges sukzessive insgesamt 28 Maschinen des polnischen Typs RWD-13, zum Teil in der Ambulanzversion RWD-13S, sowie je eine französische Potez 65 und die private Bücker Bü 131 von Nadia Russo.[1][3]
Ihren Namen erhielt die Einheit vom italienischen Journalisten Curzio Malaparte aufgrund der elfenbeinweißen Lackierung der Flugzeuge, die ein Rotes Kreuz auf Rumpf und Tragflächen trugen. Da die Rote Armee grundsätzlich das Rote Kreuz nicht anerkannte, erhielten die Maschinen ab Ende 1941 einen Tarnanstrich wie andere Militärflugzeuge auch.[1][3]
Einsatzgeschichte

1941 erhielt die Staffel ihren Einsatzbefehl und verlegte in die Nähe von Odessa. Sie wurde zunächst auf dem Flugplatz Focșani stationiert, anschließend auf dem Flugplatz Tecuci und später zum Flugplatz Tighina, wo sie bis zum Fall von Odessa im Oktober 1941 blieb.[6] Vom 22. Juni bis zum 20. August nahm sie an der Schlacht um Odessa teil. In dieser Zeit flog sie Ärzte sowie Arzneimittel an die Front und repatriierte im Gegenzug von dort Verwundete. Allein während der in dieser Zeit geführten Schlacht um Odessa wurden über 700 Verwundete von den Pilotinnen transportiert.[4][5]
Zwischen April und August 1942 wurde die Weiße Staffel in 108. Leichte Transportstaffel umbenannt[2][1] und gliederte sich in zwei Gruppen. Zusammen mit der 105. und der 107. Schweren Transportstaffel gehörte sie zum Lufttransportgeschwader. Die 1. Gruppe wurde im September 1943 aufgelöst, die Flugzeuge wurden von der 2. Gruppe übernommen. An den Aufgaben gab es keine Änderungen.[5][4]

Im Sommer 1942 wurde die Weiße Staffel nach Stalingrad verlegt, zunächst zum Flugplatz Kotelnikowo und anschließend nach Plodowitoje. Während der Schlacht von Stalingrad transportierte die Einheit mehr als 1500 rumänische Verwundete.[1][2][7] Vor und während der Schlacht um die Krim folgte der nächste große Einsatz der Staffel.[4][A 1]
Nach dem Staatsstreich am 23. August 1944 wechselte Rumänien die Fronten und nahm auf Seiten der Alliierten den Kampf gegen das Deutsche Reich auf. Bereits am 25. August 1944 wurde die Einheit aufgelöst. In der Zeit ihres Bestehens hatte sie rund 10.000 verwundete und gefallene Soldaten nach Rumänien transportiert.[7]
Schicksal der Pilotinnen nach 1945
Nach dem Krieg wurden in der Volksrepublik die Pilotinnen der Einheit von den Kommunisten verleumdet und verurteilt. Die Frauen galten als Repräsentantinnen des „bürgerlich-grundbesitzenden Regimes“. Sie wurden aus der Luftfahrt ausgeschlossen und viele zu Gefängnisstrafen verurteilt. Erst in der nachkommunistischen Zeit ab 1990 wurden die noch lebenden Frauen rehabilitiert.[4][5]
Rezeption
Noch während des Krieges wurde in den Medien von Rumänien, ItalienPrp und Deutschland über die Weiße Staffel berichtet. Insbesondere Propagandazeitschriften wie Aripi româneşti, Tempo, România aeriană, aber auch die Hamburger Illustrierte und Berliner Illustrirte Zeitung veröffentlichten Artikel über die Einheit. Die Weiße Staffel war auch Gegenstand des gleichnamigen Buches von George Acsinteanu sowie des gleichnamigen rumänisch-italienischen Spielfilms „Die Weiße Staffel“ von 1944 mit Mariella Lotti, Tino Bianchi und Lucia Sturdza-Bulandra in den Hauptrollen.[1][8] In Rumänien wurde die Geschichte der Staffel und ihrer Pilotinnen in der nachkommunistischen Zeit ab 1990 wieder aufgegriffen.[5]
Siehe auch
Literatur
- Cristian Crăciunoiu, Jean-Louis Roba, Escadrila Albă. The White Squadron. București, Editura Modelism, 2002, ISBN 973-8101-14-X.
- Michael Hase: Escadrila Alba – die rumänische Weiße Staffel. In: Scale Aircraft Modelling. Dezember 2025, Volume 47, Issue 10, S. 80–81 (deutsche Online-Version).
- Cosmin Pătraşcu Zamfirache: Istoria româncelor-eroine din „Escadrila Albă“, singura unitate de aviaţie din cel de-Al Doilea Război Mondial formată exclusiv din piloţi femei. (dt. etwa: Die Geschichte der rumänischen Heldinnen der „Weißen Staffel“, der einzigen Fliegereinheit im Zweiten Weltkrieg, die ausschließlich aus Pilotinnen bestand). In: Adevărul vom 7. Oktober 2005 (Online-Version (rumänisch)).
- Elisabeth Bouleanu: Marina Ştirbei, prinţesa aviaţiei româneşti. A pus bazele „Escadrilei albe“, care a salvat sute de ostaşi răniţi în Al Doilea Război Mondial (dt. etwa: Marina Ştirbei, die Prinzessin der rumänischen Luftfahrt. Sie gründete die „Weiße Staffel“, die im Zweiten Weltkrieg Hunderte verwundeter Soldaten rettete.) In: Adevărul vom 3. Dezember 2015 (Online-Version (rumänisch)).
- Elisabeth Bouleanu: „Escadrila albă“: cum au salvat femeile cu aripi mii de soldaţi în Al Doilea Război Mondial (dt. etwa: „Die weiße Staffel“: Wie Frauen mit Flügeln im Zweiten Weltkrieg Tausende von Soldaten retteten.) In: Adevărul vom 14. Februar 2017 (Online-Version (rumänisch)).
- Mariana Dragescu si Escadrila Alba (I) (dt. etwa: Mariana Dragescu und die Weiße Staffel (I).] In: Ziarul Finaciar vom 11. Mai 2007 (Online-Version (rumänisch).
- Mariana Dragescu si Escadrila Alba (IV) (dt. etwa: Mariana Dragescu und die Weiße Staffel (IV)], In: Ziarul Finaciar vom 1. Juni 2007 (Online-Version) (rumänisch).
Weblinks
- Escadrila Albă, in der enciclopediaromaniei.ro (rumänisch)
- Amazoanele văzduhului: escadrila sanitară pe Frontul de Est (dt. etwa: Die Amazonen der Lüfte: Die Sanitätsstaffel an der Ostfront), bei historia.ro (rumänisch)
- Escadrila albă 2012 Video über die Staffel auf Youtube